Schüler der Alten Landesschule stellen musikalische Fähigkeiten unter Beweis

Herausragende Talente in jedem Jahrgang

Korbach - „Das ist mal wieder ein Abend, an dem keiner nach Hause gehen will“, lautete das Fazit des Schulleiters nach eindrucksvollen Darbietungen beim ALS-Hausmusikabend.

Unmittelbar vor den Worten von Robert Gassner, Direktor des Korbacher Gymnasiums, hatte die Schülerin Leah Hann eine ebenso stilsichere wie mitreißende Interpretation der Fuge von Johann Sebastian Bachs Violinsonate g-moll vorgetragen. Die Zuschauer standen noch immer unter dem Bann des virtuosen Solos der jungen Geigerin, die gerade ihre musikalische Reifeprüfung abgelegt hatte, mit der sie die konstant überragenden Leistungen der Vorjahre noch einmal überboten und einem rundum gelungenen Hausmusikabend der Alten Landesschule die Krone aufgesetzt hatte. Mit der von Jahr zu Jahr wachsenden Souveränität in Sachen Interpretation über die technischen Finessen hinaus hatte Leah Hann gewissermaßen die Ausführungen ihres Schulleiters von Steigerung der Fähigkeit der Schüler vom bloßen Spiel zur reifen Interpretation auf beeindruckende Art mit Bach und Bogen unterstrichen. Das Wachsen an den gestellten Aufgaben und immer wieder neu formulierten Herausforderungen stellten Jenny Mierau (8b) und Pascal Eiselt (6f) beim „Allegro Moderato“ von Ignaz Pleyel unter Beweis. Zu Beginn der anspruchsvollen Komposition des Star-Virtuosen des 19. Jahrhunderts musste das Duo zwar einen engen Moment durchmachen. Doch die beiden jungen Musiker behielten die Nerven und fanden danach ganz hervorragend ins Spiel und zu den zahlreichen Gelegenheiten, die Schönheiten der abwechslungsreichen Komposition zum Klingen zu bringen. Beim "Premier-Solo“ Charles Dancia stand Pascal Eiselt ein weiteres Mal mit einem anspruchsvollen Stück auf der Bühne, die Klavierbegleitung übernahm Tatjana Couper, die für den mit Grippe darnieder liegenden Torben Schott eingesprungen war. Der Ausfall des an mehreren Darbietungen beteiligten Multitalents verkürzte die Schlussphase dieses von durchweg erfreulichen Leistungen geprägten Hausmusikabends massiv, bei dem schon die Debütantinnen die Zuhörer mit einem erfreulich hohen Niveau begeistern konnten. Allen voran Jana Bitz, die den Abend mit einem sanften musikalischen Willkommensgruß eröffnete. Marc van Rhodens „My Piano“ sollte nicht ihr einziger Auftritt bleiben, im weiteren Verlauf gab es noch zwei Mal ein Wiederhören mit der Schülerin der 5e, der mit ihrer Interpretation des „Einsamen Hirten“ von James Last eine geradezu ideale Verbindung von Anspruch und Easy Listening gelang, bevor es vierhändig in Begleitung von Linnea Bangert mit einer angenehmen „Melodie“ weiterging. Mit beinahe durchgängigem Überkreuzspiel hatte Linnea Bangert bei „Die Brecher“ schon sämtliche Blicke auf ihre zarten Finger gezogen. Edward Elgars mächtiges Thema „Land of Hope and Glory“, das vielen als Höhepunkt des ersten „Pomp and Circumstance“-Marsches ein Begriff ist, war bei Martha Kandziora in guten Händen. Noch populärer sind die Weisen von Dieter Bohlen und Sir Elton John: Alice Feldbusch ging die „Midnight Lady“ erst einmal poppig-dramatisch an, rückte gegen Ende auch die sanfte Seite der vertrauten Melodie ins rechte Licht. Naomi Hartmann ging den umgekehrten Weg und entwickelte den musikalischen Strom von „Circle of life“ zunächst gemächlich und gleichmäßig, um erst spät und ziemlich eindrucksvoll das volle Volumen abzurufen. Stimmungsvolle Farbtupfer im chromatischen Spektrum zeichneten Rahel Kors Ausdeutung von Aram Khatchaturians „Musikalischem Bild“ aus. Der atmosphärisch-monumentale Beginn von Austin Wintorys „Nasence“ zog die Zuhörer von Jan Lukas Feldmanns Darbietung gleich in ihren Bann. Im weiteren Verlauf der eher breit als dynamisch angelegten Komposition brachte der Abiturient auch die zarteren Seiten zum Klingen. Zum absoluten Höhepunkt auf 88 Tasten geriet das Venetianische Gondellied von Felix Mendelssohn-Bartoldy. Intensiv und spannend und auf absolutem Konzertniveau interpretierte Lina Benndorf (10b) das vielschichtige Meisterwerk der Romantik und machte damit deutlich, dass es in jedem Jahrgang herausragende Talente gibt. Zwei Stücke hatte Flötistin Elena Keudel im Gepäck. Mit dem elegischen „Donna, Donna“ und dem tänzerischen „Uri Tzion“ überzeugte die Schülerin bei ihrem Debüt am Hausmusikabend der Alten Landesschule.Zwei vergleichsweise erfahrene Gitarristen zeigten ihr seit dem Vorjahr erneut gestiegenes Können: Tim Schens gestaltete Peter Morschecks „Rain“ zur Klangmalerei auf sechs Saiten, bei der die Zuhörer zuletzt die einzelnen Tropfen fallen hören konnten. Im Verlauf mehrerer Hausmusikabende hatte sich Raphael Plutz bereits einen Namen als virtuoser Könner und stilsicherer Interpret gemacht. Mit dem anspruchsvollen „Kayunbaba“ von Carlo Domenicani bestätigte er im letzten Schuljahr ebenfalls seinen Ruf, während er aus dem tiefsten Ton ein in sämtlichen Klangfarben flirrendes andalusisches Sommeridyll hervor zauberte. Sein Duett „El Choclo“ fiel leider der Grippe-Erkrankung seines Partners Torben Schott zum Opfer, aber vielleicht passt der Tango-Klassiker ja noch ins Sommerkonzert. Von Armin Hennig

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