Fleißige Bienen – fleißige Immenfreunde: Mit Imker Hans Hey durchs Jahr · Teil 1

Herr der fliegenden Völker

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Korbach - Sobald die Sonne die Temperatur über zehn Grad Celsius steigen lässt, machen sich Bienen auf den Weg und holen erste Pollen ein. Ihre Arbeit - und die des Imkers - verfolgt die WLZ über das Jahr hinweg in einer Serie.

Der Korbacher Hans Hey beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit Bienen. Er war viele Jahre Vorsitzender des Korbacher Imkereivereins und hat maßgeblich am Aufbau des Korbacher Lehr-Bienenstands mitgewirkt. Auch als Ehrenvorsitzender wird er nicht müde, über die Leistungen der fleißigen Insekten zu sprechen, über ihre Produkte zu schwärmen und sich für den Fortbestand der Imkerei zu engagieren.

Lebensphasen der Bienen - Arbeiten des Imkers

Das zeigt er auch in Zusammenarbeit mit der Waldeckischen Landeszeitung, die die Bedeutung der Bienen wegen ihrer außerordentlich wichtigen Bestäubungsleistung in einer Serie herausstellen wird: Hans Hey gewährt regelmäßig Einblick in die Lebensphasen der Bienen - und in die Arbeitsweise des Imkers.

Ein Ziel, das er damit verfolgt, ist: „Wir müssen bei jungen Menschen um Interesse für die Imkerei werben, denn wir brauchen Imkernachwuchs, weil das für den Fortbestand der Menschheit so wichtig ist“, erklärt er.

Und so gibt er Informationen über die Geschichte der Bienen, ihre vielen nützlichen Produkte (siehe weiteren Text auf dieser Seite) - lässt aber auch teilhaben an den vielen Arbeitsschritten, die ein Imker im Laufe des Jahres leistet, um Bienenvölker gesund und friedlich zu halten, Honig und andere Produkte zu ernten und für einen gesunden Kreislauf zu sorgen.

Die Arbeit des Imkers beginnt bereits im Januar, auch wenn das Bienenvolk noch Winterruhe hält. „Der Imker führt Kontrollgänge durch, befreit Fluglöcher von Schnee und widmet sich den Vorarbeiten für den Sommer: So müssen neue Rähmchen gebaut werden und die Bienenkörbe werden gesäubert und neu gestrichen“, erklärt der Fachmann. Auch der Februar gehöre zwar noch zur Ruhezeit, doch bei Temperaturen über zehn Grad Celsius würden die Bienen bereits zum Reinigungsflug durchstarten; dann entleeren sie ihre Kot­blase. „Bei günstiger Witterung beginnen die Bienen bereits mit dem Einholen von ersten Pollen und Nektar aus Haselnuss, Erle, Krokus“, verweist Hans Hey auf den Fleiß der Immen. Dann schaut der Imker, ob Futternot herrscht: „Dann gibt er ihnen Futterwaben oder Honig.“

Im März beginnt verstärkt die Brutzeit der Bienenvölker, beschreibt Hey die nächste Phase: „Der erste Nektar von Weiden wird eingeholt. Der Imker erweitert die Fluglöcher, kontrolliert die Völker und den Futterstand, damit das Brutgeschäft weitergeht. Eventuell werden schwache Völker aussortiert und gegebenenfalls vereinigt.“

Frühtracht einbringen und anbauen

Wenn im April die Frühtracht aus Kirsche, Apfel und Birne einsetzt, erzeugt die Königin verstärkt Arbeiterinnenbrut und sie beginnt auch, Drohnenbrut zu erzeugen“, erklärt Hans Hey. In einem Bienenvolk gibt es eine Königin, die auch als Mutter des Bienenvolkes bezeichnet wird, einige wenige Drohnen, deren Aufgabe es ist, eine Jungkönigin auf dem Hochzeitsflug zu begatten, und viele Arbeitsbienen.

„Unterdessen achtet der Imker darauf, dass die Bienen genug Nahrung haben und füttert bei Bedarf mit Honig nach“, sagt Hans Hey. Auch sieht er nun die Völker besonders gründlich durch, denn „nur starke Völker garantieren einen guten Honigertrag“, unterstreicht Hey. Damit die starken Völker auch genügend Platz haben, muss der Imker rechtzeitig den Raum für das Volk vergrößern.

Hintergrund

Die Vorzüge von Bienen waren schon in der Altsteinzeit bekannt. Jäger nutzten die Vorliebe der Bären für Honig, um die Raubtiere zu erlegen. Die Hausbienenhaltung gibt es erst, seitdem der Mensch sesshaft wurde, vermutlich ab dem 7. Jahrtausend vor Christus im Hochland von Anatolien. Eine erste Hochblüte erreichte die Imkerei in Ägypten. Honig war ein begehrtes Handelsgut und sehr teuer. Für einen Topf Honig bekam man ein Rind oder einen Esel. Für die alten Ägypter galt Honig als „Speise der Götter“, erklärt der Korbacher Imker Hans Hey. Auch im antiken Griechenland und im alten Rom wurde Honig sehr geschätzt.

Mit der Ausbreitung des Christentums wuchs abermals die Bedeutung des Imkereiwesens, und besonders in den Klöstern bildeten sich Zentren der Bienenzucht. Sie lieferten das Wachs für die Kirchen. Im Mittelalter wurden Bienen auch als Verteidigungsmittel belagerter Städte eingesetzt: Bienenkörbe wurden einfach in die Reihen der Angreifer geworfen. Die Kirche war ein eifriger Förderer der Imkerei, aber auch Karl der Große verordnete den Musterhöfen des damaligen Reiches, eine leistungsfähige Imkerei sicherzustellen. Er erließ Gesetze zum Schutz der Imkereien, den damaligen Berufs-Zeidlereien.

Zeidler waren Waldhonigsammler. Das „Verfälschen“ von Honig wurde streng bestraft – etwa mit dem Verlust einer Hand. Im Mittelalter war der Bedarf an Honig und Wachs sehr groß, Honig war das einzige Süßungsmittel, Wachs wurde zur Herstellung von Kerzen benötigt. Erst mit der Erfindung vorgefertigter Holzrähmchen, die in die Bienenwohnungen einzubauen waren, wurde die Voraussetzung für die moderne Imkerei geschaffen. Ab etwa 1870 lösten die Bienenkästen die Bienenkörbe mit fest angebauten (frei von den Bienen gebaut) Waben ab. Im 18. Jahrhundert erweiterten naturwissenschaftliche Forschungen das Wissen der Bienenkundler.

Es wurde die Vernetzung zwischen Blüten und Bienen entdeckt, Konrad Sprengel verfasste die nach wie vor gültigen Leitsätze der Bienenzucht: „Der Hauptzweck der Bienenzucht ist nicht der Gewinn an Honig und Wachs, sondern die Befruchtung der Blumen und Beförderung reichlicher Ernten. Der Staat muss ein stehendes Heer von Bienen haben.“ (r/md)

Stichwort: Honig als wertvolle Medizin

Im antiken Griechenland war die Imkerei eng mit der Mythologie verknüpft. Der griechische Göttervater Zeus wurde als Knabe mit Honig und Milch gespeist. Für die Griechen war Honig eine Quelle für Weisheit, Beredsamkeit, und schon 600 vor Christus gab es in Griechenland eine voll entwickelte, geregelte Imkerei. Honig spielte eine wichtige Rolle in der Medizin. Mit Honigsalben wurden eiternde Wunden, kuriert und Hippokrates lehrte, dass Honig das Fieber senke und Blut kühle. Bei den Olympischen Spielen tranken die erschöpften Athleten Honigwasser, um schnell wieder zu Kräften zu kommen.

Auch im alten Rom wurde die Leistung der Bienen für den Menschen geschätzt (siehe Stichwort). In römischen Tempeln und auf Friedhöfen wurde den Göttern Honig geopfert. Aber auch den Lebenden kamen die guten Eigenschaften des Honigs zugute. Ein Leitsatz der römischen Ärzte war: „Iss Honig und du bleibst gesund.“ Auch das von den Bienen erzeugte Bienenwachs wurde in allen Bereichen des Lebens benötigt und war sehr begehrt. (md)

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