Expertentelefon mit Dr. Renate Rauscher und Dr. Arved-Winfried Schneider

Herzschläge einfangen

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Beantworteten die Fragen der WLZ-FZ-Leser rund um das Thema „Herzrhythmusstörungen“: Dr. Renate Rauscher und Dr. Arved-Winfried SchneiderFoto: Demski

Korbach - Von der Prognose über die Behandlung bis hin zur Medikation: Die WLZ-FZ-Leser nutzten am Mittwoch zahlreich die Gelegenheit, am Expertentelefon mit Ärzten des Korbacher Stadtkrankenhauses Fragen rund um die Herzgesundheit zu klären.

Was Bananen mit Herzrhythmusstörungen zu tun haben und wie ein kleiner Rekorder Geheimnissen auf die Spur kommt, erfuhren Leser der Waldeckischen Landeszeitung gestern am Expertentelefon. Dr. Arved-Winfried Schneider, Chefarzt Medizinische Klinik im Korbacher Krankenhaus, und Oberärztin Dr. Renate Rauscher stellten sich eine Stunde lang den Fragen der Leser.

Sie spüre manchmal ein Pochen im Halsbereich, zusätzliche Herzschläge also, die sie irritieren würden, erzählt eine Anruferin.

Dr. Arved-Winfried Schneider beruhigte: Häufig hätten vor allem Frauen harmlose Extrasystolen. „Stellt sich heraus, dass es sich um eine völlig unbedenkliche Störung handelt, sollte man sich mit Medikamenten gegen die Extrasystolen und die eigene Irritation zurückhalten“, befand Schneider. Schließlich hätten Medikamente häufig Nebenwirkungen. Eine natürliche Weise, auf diese Störungen zu reagieren, sei es, den Magnesium- und Kaliumgehalt im Körper zu erhöhen. „Zur kaliumreichen Ernährung gehören auch Bananen“, erklärte der Chefarzt. Weil die Palette der Herzrhythmusstörungen aber von völlig unbedrohlich bis gefährlich reiche, sei es wichtig, die Störung einzufangen. Ursachen können vielfältig sein: Herzmuskelerkrankungen, Klappenfehler und eine Minderdurchblutung gehören zu den häufigsten.

Welche Möglichkeiten es gebe, Herzrhythmusstörungen auf die Spur zu kommen, fragte ein anderer Leser.

Sowohl ein Belastungs-Elektrokardiogramm (EKG) als auch ein Langzeit-EKG können dabei helfen. „Um den Herzschlag über eine längere Zeit zu kontrollieren, gibt es Event-Rekorder“, erklärte Dr. Renate Rauscher. So werden auch solche Unregelmäßigkeiten entdeckt, die nur sehr selten auftauchen, aber doch Bedeutung haben. Die winzigen Geräte werden dem Patienten eingepflanzt. Per Funk überträgt der Rekorder jeden Abend die Daten an den Arzt. „Am nächsten Tag wissen wir also von der Störung und können darauf reagieren“, betonte die Ärztin. Vielen Herzrhythmusstörungen sei man im Korbacher Krankenhaus so schon auf die Schliche gekommen.

Am häufigsten fragten die Leser nach der richtigen Anwendung von Medikamenten und nach Nebenwirkungen?

Betablocker würden eingesetzt, um den Herzrhythmus zu sichern und die Frequenz zu senken, erklärte Dr. Schneider. Gleichzeitig werde auch der Blutdruck gesenkt. „Patienten mit ohnehin niedrigem Blutdruck können dann Probleme bekommen“, räumte der Arzt ein. Bei Herzkrankheiten würden außerdem ACE-Hemmer eingesetzt. „Die wirken blutdrucksenkend und herzschonend“, erklärte der Arzt. Häufig würden Patienten bei der Einnahme dieser Medikamente orthostatischen Schwindel erleben. Etwa beim Aufstehen kommt der Blutdruck nicht schnell genug mit und dem Patienten wird schwindelig.

Beim Pulsmessen stellte ein Leser Aussetzer beim Herzschlag fest. Er fragte: Ist das gefährlich?

„Erst mal sollte man in diesen Fällen die Kirche im Dorf lassen“, empfahl Dr. Renate Rauscher. Wenn der Patient sonst unbelastet sei, keine anderen Krankheitsbilder habe und sich fit fühle, sei die Herzrhythmusstörung vermutlich völlig ungefährlich. Jeder Mensch habe in seinem Leben mal solche Unregelmäßigkeiten, die wenigsten würden sie spüren. Zur Abklärung empfahl die Korbacher Ärztin aber ein Langzeit-EKG.

Von Theresa Demski

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