Korbach

Hessentag 2013 - Grüne diskutieren

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- Korbach (tk). Was dürfen zehn Tage Unterhaltung und Partyspaß kosten? Und wie lässt sich dafür sorgen, dass am Ende mehr übrig bleibt als ein finanzielles Defizit? Diesen Fragen sind am Donnerstag die Korbacher Grünen nachgegangen.

„Hessentag 2013 – Chance oder Millionengrab?“, so der Titel der Diskussion, an der sich im „Corvita“-Bistro rund 30 Mitglieder und Interessierte beteiligten. Anlass dafür gab zum einen die Stadt Vellmar, die als Gastgeber für 2013 im Sommer zurückgezogen hatte. Zum anderen rückt Korbach als möglicher Ersatzstandort in den Blickpunkt (wir berichteten). Denkbar ist außerdem, dass die Hessentagsstadt 2014, Bensheim, ein Jahr vorher zum Zug kommt. Vergangene Woche verzichtete Bad Wildungen, Anfang November beraten die Kasseler Stadtverordneten über eine Bewerbung. Die endgültige Entscheidung wird danach fallen, signalisierte die Staatskanzlei.

Geht es nach den Korbacher Grünen, dann findet die Großveranstaltung nur mit einer klaren ökologischen Ausrichtung in Korbach statt. Wie die Stadtverbandsvorsitzende Heike Kramer ausführte, gehöre dazu vor allem die Reaktivierung der Bahnstrecke Korbach – Frankenberg, um die An- und Abfahrt der Besucher aus Südhessen möglichst umweltschonend zu gestalten. Ebenso müsse während des Landesfestes ein Elektrobus-Shuttle in der Stadt eingerichtet werden sowie Elektro-Räder und Segways den Gästen leihweise zur Verfügung stehen. Zudem dürften ausschließlich Ökostrom und wiederverwertbares Geschirr zum Einsatz kommen. Die vom Land „in angemessener Höhe“ zu zahlenden Fördermittel sollten nach Ansicht der Grünen unbedingt dafür verwendet werden, das Freibad in ein Naturerlebnisbad umzubauen.

Für eine solche Investition, die mit der Organisation des Festes nun wirklich nichts zu tun hätte, sieht Sigrid Erfurth allerdings keine Fördermöglichkeit. Die stellvertretende Vorsitzende und Finanzexpertin der Grünen-Landtagsfraktion hielt sich ansonsten jedoch mit einer Empfehlung zurück. „Persönlich mag ich den Hessentag“, gestand die Abgeordnete. Das Verhältnis vieler ihrer Parlamentskollegen in allen Fraktionen bezeichnete sie aber als „ambivalent“. Das Thema werde meist nach dem abgewandelten Motto einer alten Spirituosenwerbung erörtert: „Heiß geliebt und kalt erwischt“. Denn in den letzten zehn Jahren habe bisher noch jede Hessentagsstadt ein Defizit von drei bis vier Millionen Euro als Erbe antreten müssen. Wie Sigrid Erfurth verdeutlichte, erfordert die Aufgabe, die genauen Kosten und -träger für das jeweilige Landesfest in Erfahrung zu bringen, viel Ausdauer und detektivisches Gespür. Denn auf Transparenz scheinen Veranstalter, Ausrichter, aber auch die beteiligten Landesbehörden nicht viel Wert zu legen. Unterm Strich sei aber festzuhalten: „Alle Hessentagsstädte hatten im Nachhinein ein höheres Defizit als geplant zu verkraften.“

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