Korbach ganz oben auf der Hitliste

Hessentag 2015 greifbar nahe

Korbach - Mit dem Hessentag 1997 erlebte Korbach ein neues Wir-Gefühl. 2015 könnte die Hansestadt abermals Gastgeberin des großen Landesfests sein. Im Herbst soll in Wiesbaden die Entscheidung fallen.

Rund 700 000 Besucher, Weltstars wie den britischen Musiker Sting auf der Bühne, zehn Tage Trubel und Heiterkeit in Korbach – das bescherte der Hessentag 1997 in der Hansestadt. Auch die finanzielle Bilanz fiel damals gut aus: Korbach verbuchte ein moderates Defizit von umgerechnet rund 350  000 Euro. Im Gegenzug flossen reichlich Fördermittel für städtische Projekte. Im Rahmen der Stadtsanierung entstand der Museumsbau, das Jugendhaus wurde gründlich saniert, außerdem gab es kräftige staatliche Zuschüsse beim Straßenbau – etwa für den Umbau der Frankenberger Landstraße/Wildunger Landstraße. Überdies profitierte Korbach von wachsender Bekanntheit und Imagegewinn als erstklassige Gastgeberstadt. Nach innen war die Wirkung ebenfalls enorm. So entwickelte sich aus den Erfahrungen beim Hessentag fortan das Altstadt-Kulturfest, das seit 1998 Jahr für Jahr Zehntausende von Besuchern auf die Partymeile zwischen Fachwerk und Gotik lockt. In der Folge bewarb sich Korbach abermals für einen Hessentag. Ein Antrag in Wiesbaden – nach förmlichem Beschluss der Stadtverordneten – liegt seit Jahren vor. Schon 2011 wurde Korbachs Bewerbung dabei akut: Vellmar hatte sich als gastgebende Stadt fürs Landesfest 2013 zurückgezogen. Als ernsthafte Kandidaten waren plötzlich Korbach und Kassel im Rennen, wobei sich Wiesbaden am Ende für Kassel entschied. Der „Hessentag der kurzen Wege“ von 1997 in Korbach ist in Wiesbaden aber bestens in Erinnerung. So steckten Stadt und Land bereits 2011 einen groben Rahmen für ein Landesfest in Korbach ab, die Stadt wiederum schickte eine Liste mit möglichen Investitionsprojekten an die Staatskanzlei. Aktuell ist ein Hessentag 2015 für Korbach zum Greifen nahe. Vor Tagen ging Heinrich Kaletsch, Hessentagschef in der Wiesbadener Staatskanzlei, mit Bürgermeister Klaus Friedrich in Korbach abermals ins Gespräch. Unter der wachsenden öffentlichen Schuldenlast ist allerdings bei vielen Städten in den vergangenen Jahren die frühere Euphorie für Hessentage gewichen. Mit den Besucherzahlen und großen Konzerten stiegen vielfach auch die Defizite durch das Landesfest. In Korbach unterbreitete Kaletsch derweil ein neues Finanzierungsmodell. Demnach sollen die Hessentagsstädte einen Gesamtrahmen von zehn Millionen Euro erhalten. Dabei übernimmt das Land ein Defizit von bis zu 3,5 Millionen Euro. Das Gros der Gesamtsumme, also mindestens 6,5 Millionen Euro, soll für Investitionsprojekte der Gastgeberstädte zur Verfügung stehen. Bürgermeister Friedrich bestätigt die Gespräche auf Nachfrage. „Man kann bei Hessentagen durch Veränderungen auch eine Sparsamkeit an den Tag legen“, erklärt der Rathauschef. Investitionen, Fördermittel, Besucher, Aufträge und Umsätze für Handel und Handwerk würden Korbach durch einen Hessentag beflügeln. Auf der anderen Seite verhehlt Friedrich nicht den finanziellen Druck der Kreisstadt. So brüten Magistrat, Verwaltung und Fraktionen im Parlament derzeit über einem Entwurf für ein neues „Konsolidierungsprogramm“, das den städtischen Haushalt in den kommenden Jahren wieder aus der Verlustzone bringen soll. Wichtige Zukunftsprojekte, wie eine weitere Aufwertung der Fußgängerzone und ein Stadtumbau vom „Scharnier“ in der Prof.-Kümmell-Straße hinauf zum Rathaus, könnten allerdings just durch einen Hessentag neue Schubkraft erhalten – und durch ein zweites Landesfest in Korbach erst möglich werden. Die Korbacher Bürger blicken ohnehin mit Freude auf einen möglichen zweiten Hessentag. Das hat die Diskussion 2011 um die Nachfolge für Vellmar bereits gezeigt. Die Chancen für einen Hessentag 2015 in Korbach stehen aus Sicht der Landesregierung jedenfalls gut. Vorteil in Korbach ist ebenso, dass die Hansestadt auf ein über viele Jahre erprobtes Organisationsteam bauen kann – ob durch den Hessentag 1997 oder die daraus folgenden Altstadt-Kulturfeste. Für Bürgermeister, Magistrat, Verwaltung und Fraktionen im Parlament gilt es nunmehr, in Klausur zu gehen. Im frühen Herbst müsste ein Beschluss für Wiesbaden her.Heinrich Kaletsch hat derweil seinen nächsten Besuch in Korbach im Terminkalender: Zum Altstadt-Kulturfest will der Hessentagschef ins Waldecker Land reisen. Von Jörg Kleine

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