Rhadern

„Ich habe gemerkt, dass der Mut fehlt“

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- Lichtenfels-Rhadern (den). Nach 58 Jahren übergibt der Rhaderner Gottfried Ebersbach „seine“ Orgel in neue Hände. Am Sonntag danken ihm die Gottesdienstbesucher mit einer Feierstunde für Tausende Einsätze an dem Kircheninstrument. 

Durch eine Verletzung während des Zweiten Weltkrieges war Ebersbach zunächst ins Lazarett nach Korbach gekommen. Arbeit fand er wenig später in Rhadern, bevor er eine Ausbildung zum Lehrer begann. Der Lichtenfelser Ortsteil wurde ihm schnell zur neuen Heimat – spätestens, als er seine Ehefrau kennenlernte.

Schnell machte sich der gebürtige Chemnitzer als musikalisches Talent einen Namen. Als 1952 die Orgel in Goddelsheim einen neuen Spieler brauchte, kam Pfarrer Figge auf Ebersbach zu. „Ich will es versuchen“, nahm der Leiter des Rhaderner Männerchores die Herausforderung an. In Goddelsheim lernte er bei einem Wildunger Lehrer das Orgelspiel. Fortan war er jeden Sonntag ein gefragter Mann. Drei Gottesdienste in Goddelsheim, Rhadern und Fürstenberg begleitete er zwischenzeitlich.

Weil Ebersbach als Lehrer nachmittags oft frei hatte, war er bei vielen Beerdigungen gefordert. Noten waren immer dabei „Ich war an der Orgel immer mit mir im Reinen“, blickt der 86-Jährige auf unzählige musikalische Einsätze zurück. „Das Spielen hat mir immer Spaß gemacht.“ Eins blieb all die Jahrzehnte hindurch bestehen: „Ich habe die Noten immer Stück für Stück abgelesen“ – auch nach dem tausendsten „Amen“ an der Orgel. Im Herbst vergangenen Jahres habe er allerdings gemerkt, „dass der Mut fehlt“. Ebersbach war wichtig, mit dem Orgelspiel aufzuhören, bevor ihm die Gemeindemitglieder einen Abtritt ans Herz legen.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Samstag, 26. Februar.

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