VHS-Sprachkurs in Korbach für noch nicht anerkannte Flüchtlinge

„Ich lerne gerne Deutsch“

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Die Asylbewerber im Kurs von Martina Korte zeigen sich fest entschlossen, Deutsch zu lernen.Foto: Wilhelm Figge

Korbach - Sie sind seit vier bis acht Monaten in Deutschland und müssen ohne Vorkenntnisse eine neue Sprache lernen: Asylbewerber gehen in Sprachkursen die ersten, schweren Schritte auf fremdem Terrain.

Sätze zu bauen erfordert Übung. Die Teilnehmer am Sprachkurs für Asylbewerber im Korbacher Bürgerhaus trainieren es mit kurzen Sätzen über das, was sie gerne und ungerne tun. Kurz suchen sie nach den richtigen Vokabeln, dann erzählen sie: „Ich schlafe nicht gerne lang“, sagt etwa Ehbru Berhe, steht mit seinem Schlafbedürfnis von fünf bis sechs Stunden aber etwas alleine da. Zustimmendes Nicken findet hingegen Abdulsamad Aman: „Ich lerne gerne Deutsch“.

A1-Kurs für Asylbewerber fängt Neuankömmlinge auf

14 Asylbewerber nehmen an dem 36-Stunden-Kurs mit Volkshochschul-Dozentin Martina Korte teil. Die meisten stammen aus Eritrea, aber auch Syrer, Algerier, Äthiopier und Somalier sind dabei. Erst seit vier bis acht Monaten sind sie in Deutschland, sind bislang noch nicht als Flüchtlinge anerkannt.

Wer im Asylverfahren weiter ist, kann an den flächendeckend angebotenen Grundkursen teilnehmen, welche die VHS im Auftrag des Landkreises anbietet. In 100 Stunden sollen sie dass Allernötigste für den Alltag vermitteln. Asylberechtigte haben Anspruch auf einen sechsmonatigen Vollzeit-Sprachkurs. Doch der Kurs im Bürgerhaus fange die Menschen schon mal auf, erklärt Martina Korte.

Service-Clubs, kirchliche Einrichtungen und Privatpersonen unterstützen das Kursprogramm. „Allen 900 Asylbewerbern ein Angebot zu machen, ist schon ein Riesenauftrag“, zeigt sich Wilma Wendel, Leiterin des VHS-Fachbereichs Deutsch, dankbar für jede Unterstützung. Den Kurs im Bürgerhaus unterstützt der Lions Club Korbach-Waldecker Land.

Von schwerem Beginn in kleinen Schritten weiter

Der Kurs schließt an ein Angebot an, das im November begonnen hat. Zu Beginn sprachen die Teilnehmer kaum ein Wort Deutsch. „Der Beginn ist hart“, sagt Mahmoud Arab, gelernter Apotheker aus Syrien. Martina Korte erklärt, dass afrikanische Sprachen und Arabisch kaum Anknüpfungspunkte mit Deutsch haben - noch dazu haben sie andere Buchstaben. Die erste Anwesenheitsliste des Kurses sei ein Chaos gewesen, erklärt sie schmunzelnd.

So verbrachte Martina Korte die erste Kursstunde damit, sich langsam vorzustellen, damit ihre Schüler es ihr nachmachen können. „Wir gehen in ganz kleinen Schritten voran“, erklärt sie. Vereinzelte Kenntnisse in anderen europäischen Sprachen hätten freilich etwas geholfen, die schlimmsten Kommunikationsprobleme zu überwinden.

Durch den Schnee zum Sprachkurs gekämpft

Als Grundlage für die Lernerfolge sieht Martina Korte die hohe Motivation ihrer Schüler. Ihre Hausaufgaben erledigen sie, nur selten fehle jemand - auch die Wintermonate hätten Asylbewerber aus Dorfitter und Twiste nicht davon abgehalten, mit dem Fahrrad zum Kurs zu kommen. Manchmal sind die fleißigen Schüler penibel: „Der Deutschkurs beginnt pünktlich um 3 Uhr - oder auch um 15 Uhr“, sagt Mahmoud Arab, als das Thema Uhrzeiten dran ist.

Der Alltag ohne Deutschkenntnisse sei schwer, aber die Erfahrungen der Kursteilnehmer mit den Einheimischen sind positiv. Bei Problemen würden viele Gesprächspartner aushelfen, statt einfach zu sagen, dass sie ihn nicht verstehen, berichtet Arab. Dass sie noch oft Fehler machen, sehen die Kursteilnehmer gelassen: Er liege oft ein- oder zweimal falsch, erklärt Ali Ramadan. Beim dritten Mal mache er es dann aber richtig.

Von Wilhelm Figge

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