Korbach

„Ich mische die Kulturen miteinander“

- Korbach (den).Seiner Heimat kehrte Gang Wang vor sieben Jahren den Rücken. Doch auch in Deutschland vergisst der Chinese seine Wurzeln nicht. Bei seinem Cellounterricht lernen nicht nur die Kinder dazu.

Allzu großen Konformitätsdruck verspürte Wang während seiner Jahre in China nicht. „Ich bin kein politischer Mensch. Leute, die die Extreme besetzen, bekommen da schon eher Ärger“, findet der Musikliebhaber. Musik und Politik haben in Wangs Welt nichts miteinander zu tun, „das kann man trennen“, findet er.

Als Kind bekam er zum achten Geburtstag eine Geige überreicht. „Ich nahm sie in die Hand und konnte sofort darauf spielen“, erinnert sich der heute 31-Jährige. Seitdem gab es für Wang kein Zurück mehr. Bei seinem Musiklehrer, der ihn auch ans Cellospiel führte, verbrachte er Stunde um Stunde, aß neben den Übungsstunden auch dort.

„Ich bin meinen Eltern sehr denkbar für ihre Unterstützung. Denn sie mussten Mut haben, und meine Ausbildung kostete einige Mühe“, verneigt sich der Auswanderer vor seinen Vorfahren.

„Es ist ein Geschenk von Gott“, meint der Chinese, der der Staatsdoktrin folgend eigentlich an nichts glauben dürfte – höchstens den Lehren der Kommunistischen Partei. Wang scheint deshalb angekommen zu sein, in der westlichen Welt und erst recht in Deutschland. Und doch kann und will er seine Wurzeln nicht verleugnen.

„Ich mische beide Kulturen miteinander, meine östliche mit dieser westlichen.“ So kann er sich die musikalischen Rosinen herauspicken. Auch in der Art und Weise, wie klassische Musik gespielt und gefühlt wird, sieht er große Unterschiede. „Die Klassik ist in China im Moment groß im Kommen“, ist Wangs Erfahrung. „Doch die Einstellung dazu ist: Je schneller, desto besser. Es geht kräftig und laut zur Sache. Aber das stimmt ja eben nicht. Unsere Kultur ist durch die Revolution kaputtgemacht worden“, geht er mit seiner Heimat hart ins Gericht. Hier lerne ich jetzt, mit meinem Kopf zu arbeiten; die Technik ist nur Mittel zum Zweck.“

Seit seinen ersten Schritten am Streichinstrument wollte sich Wang kontinuierlich weiterentwickeln. Bei drei chinesischen Professoren lernte er das Solospiel, bekam immer mehr Gefühl für Saitendruck und Körperspannung. Zunächst hatte er in Peking ein Wirtschaftsstudium begonnen. Doch er merkte schnell, das die Musik es war, der er sein Leben widmen wollte, nicht der Projektverwaltung.

Mehr lesen Sie in der Mittwochsausgabe vom 4. November 2009.

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