Bürgermeisterkandidaten im Wahlkampf: Bianca Steinkamp will den politischen Fokus auf die Jugend legen

„Ich wachse an jedem Wahlkampftag“

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Vöhl - Wenn sie anpacken und mitmachen kann, dann ist Bianca Steinkamp in ihrem Element. Deswegen hat die Marienhagenerin ihrem Wahlkampf eine ganz eigene Note gegeben. WLZ-FZ haben die Bürgermeisterkandidatin einen Tag lang begleitet.

Im Vöhler Jugendraum wird geschuftet. Eine Bühne für die Diskussion mit den Bürgermeisterkandidaten am Abend soll aufgebaut, Bockwürstchen warm gemacht und Brötchen aufgeschnitten werden. Und mittendrin hat Bianca Steinkamp die Ärmel hochgekrempelt. Mit den Jugendlichen ist sie auf „Du“ und wenn es ums Schleppen, Helfen und Mitmachen geht, dann zögert die 36-Jährige nicht. „Wir müssen den Jugendlichen zuhören, sie sind unsere Zukunft“, sagt Bianca Steinkamp. Und diesen Appell will sie selber ernst nehmen. Deswegen widmet sie diesen Wahlkampfnachmittag den Jugendlichen – und Jugendsozialarbeiter Peter Grohme. Sie sei kein Typ fürs „Klinkenputzen“, sagt Bianca Steinkamp und für einen Wahlkampf wie ihre Mitbewerber ihn führen, habe sie gar keine Zeit. „Aber hinter den Kulissen passiert mehr, als die meisten Menschen meinen“, sagt die Kandidatin, die ohne Parteiunterstützung um den Posten des Bürgermeisters kämpft. „Die Menschen sprechen mich an, ich komme mit ihnen ins Gespräch“, sagt sie, „und das ganz ungezwungen im Alltag“. Dann, wenn sie mit Hund Camino durch die Gemeinde streift – ihre Route hat sie im Wahlkampf immer mal wieder verändert. Das sei ihre Art von Ortsbegängen. Verantwortung für die Jugend Und ins Gespräch komme sie auch, wenn sie am Edersee auf Touristen zugehe und nach ihren Wünschen frage. Oder dann, wenn sie junge Unternehmer besuche, Menschen, die einen Leerstand in der Gemeinde gekauft haben oder die Senioren in Asel. Es sei wichtig, dass Politik für Menschen verständlich werde. Und das beginne mit einer verständlichen Sprache. „Und ich wachse an jedem Tag im Wahlkampf“, sagt Bianca Steinkamp. Das gilt auch für den Tag bei den Jugendlichen des Jugendclubs „Hallo“. „Wir müssen Jugendlichen Verantwortung zutrauen“, sagt sie, „dann werden sie uns auch nicht enttäuschen“. Initiative wünsche sie sich von den jungen Menschen und den Willen, zusammenzuwachsen. „Aber wir Erwachsene müssen den Jugendlichen auch signalisieren, dass wir an ihnen interessiert sind.“ Als sie abends auf dem Podium im Jugendraum in Vöhl sitzt und mit den Jugendlichen und ihren Mitbewerbern ins Gespräch kommt, da macht sie konkrete Vorschläge. „Ich könnte mir vorstellen, dass Jugendliche in allen Ortsteilen von der Gemeinde ein Stück Land zur Verfügung gestellt bekommen“, sagt sie, „und das dürfen sie dann in eigener Verantwortung gestalten“. Ob Bauwagen oder Kartoffelfeld: Sie sei sicher, die Jugendlichen der Großgemeinde hätten viele Ideen. Und dann lobt sie die Initiative des Jugendclubs. „Wir hatten am Anfang Probleme, eine feste Struktur zu finden“, berichtet der Jugendsozialarbeiter. Die Jugendlichen sollten selber Wege finden, um sich zu organisieren. Das sei nun gelungen. „Künftig können wir auch regelmäßig unseren Jugendraum öffnen“, kündigt Grohme an. Und dann berichtet er von der großen Unterstützung, die der Club auch bisher aus dem Rathaus bekommen haben. „Für konkrete Probleme gab es immer schnelle Lösungen“, sagt er, „und das wünschen wir uns auch für die Zukunft“. Bianca Steinkamp hört konzentriert zu, nickt und kommt mit Grohme ins Gespräch. „Vielleicht können wir auch Erwachsene motivieren, den Club noch stärker zu unterstützen“, sagt sie, „mit Zeit, aber auch mit Möbeln oder anderen Dingen, die im Jugendraum gebraucht werden“. Es ist ihr Prinzip von einer starken Gemeinschaft, das auch im Wahlkampf bei der Kandidatin immer wieder durchscheint – egal ob es um den demografischen Wandel, den Tourismus oder auch ums Sparen geht. „Zu meinem Wort stehen“In sechs Wochen heiratet Bianca Steinkamp ihren Lebensgefährten. Dann liegen die „turbulenten Wochen“ des Wahlkampfes längst hinter ihr. „Ich bin ohne politisches Vorwissen in diese Zeit gestartet“, sagt sie, „das hat mich viel Recherchearbeit gekostet“. Sie hat zum ersten Mal in ihrem Leben Plakate bestellt, sich über Tapetenkleister informiert und schließlich mit Freunden unzählige Plakate geklebt. „Ich gehe aus diesem Wahlkampf raus und weiß, ich habe zu meinem Wort gestanden und es versucht“, sagt sie, „und vielleicht habe ich auch Impulse gegeben, egal, wer am Ende auf dem Stuhl im Rathaus Platz nimmt“.

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