Vöhler Bürgermeisterkandidaten im Wahlkampf: Matthias Stappert

„Ich will zuhören und dabei lernen“

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Vöhl - Seit neun Wochen ist Matthias Stappert im Wahlkampf. Müde wird er die Begegnungen mit den Vöhlern und die Veranstaltungen aber nicht. WLZ-FZ begleiteten den Kandidaten, der am 9. Juni Bürgermeister werden will, einen Tag im Wahlkampf.

„Hallo, Herr Stappert“, ruft ein Schüler über den Schulhof und kichert dann fröhlich. Die Jugendlichen der Herzhäuser Ederseeschule wissen, wer in Vöhl Bürgermeister werden will. Sie kennen die Plakate und als der politische Besuch an diesem Morgen auf dem Schulhof auftaucht, da erkennen sie die Gesichter schnell wieder.

Matthias Stappert winkt und geht dann auf die Jugendlichen zu. Wie sie heißen, fragt er? Und was sie sich wünschen? Denn darum geht es ihm in seinem Wahlkampf. „Ich möchte zuhören und wissen, was die Menschen bewegt“, sagt er. Und deswegen tourt er seit neun Wochen durch die Gemeinde. „Das war am Anfang völliges Neuland für mich“, sagt er, „und ich war erstaunt, mit wie viel Interesse mir die Menschen begegnet sind.“ Fragen und Wünsche formulieren die Vöhler, wenn sie auf den Kandidaten von CDU, FDP, FWG und Grünen treffen – bei Ortsrundgängen, in Ställen, Hotels oder Betrieben. Oder in der Schule, wie an diesem Morgen. „Es ist wertvoll, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen“, sagt er, „weil ich aus solchen Begegnungen viel mitnehme.“ Das gilt für das Gespräch auf dem Schulhof, aber auch für die Diskussion, die die Schüler der Abschlussklassen in der Aula vorbereitet haben.

Spaß an Begegnungen

Alle drei Kandidaten stellen sich hier den Fragen der Jugendlichen. Hier geht es nicht um Stimmenfang, denn keiner der Schüler ist schon wahlberechtigt. Hier geht es darum, Jugendliche mit Politik in Berührung zu bringen. Die Schüler fragen nach Stapperts Traumberuf und seinem Lieblingsfach und schließlich nach seinem Lebensmotto. „Ein richtiges Motto habe ich gar nicht“, sagt Matthias Stappert, „aber ich finde, das, was man macht, sollte man gerne machen.“

Und das macht er auch für sich selber geltend. Der Wahlkampf mache ihm Spaß, erklärt er, auch wenn er manchmal viel Kraft koste. Seine Strategie: Behandle andere Menschen so, wie du selbst gerne behandelt werden möchtest. Und im Gespräch mit den Menschen fühlt er sich wohl – egal um welches politische Thema es sich gerade dreht.

„Uns fehlt am Edersee ein Gesamtkonzept im Tourismus“, kritisiert er, als die Schüler ihn auf das Thema stoßen. Die Region müsse mit einer Stimme sprechen und das gelte für Nationalpark und Edersee. Als die Jugendlichen ihn auf den demografischen Wandel ansprechen, fordert er Barrierefreiheit, einen besonderen Blick für die Senioren und junge Familien, dass Schulen am Ort bleiben und dass die Gemeinde mit einer Stimme beim Landkreis spricht.

Schließlich ist es aber vor allem ein Thema, das an diesem Tag auf dem Stundenplan steht und das auch am nächsten Abend bei der Diskussion des Jugendclubs „Hallo“ in Vöhl die Veranstaltung prägt: das Angebot für Jugendliche. „Wir wollen mehr Angebote für uns“, sagen die Schüler, „wir wollen gute Ausbildungsstellen und Busse, die uns auch noch abends fahren.“

Wunsch nach Bürgernähe

Matthias Stappert notiert sich diese Wünsche und nennt dann seine eigenen. „Ich möchte, dass die Jugendlichen Initiative zeigen und ihre Meinung sagen“, betont er. Zu großen politischen Fragen könnten künftig Jugendforen eingerichtet werden, bei denen Jugendliche Stellung nehmen. „Und welche Ziele können Sie am Ende dann auch verwirklichen?“, fragt ein Schüler skeptisch. Viele politische Fragen würden am Ende ja weniger vom Bürgermeister als vom Parlament entschieden, erklärt Stappert. „Was ich als Bürgermeister umsetzen will, ist, dass ich offen und ansprechbar bin für die Menschen“, sagt er.

Und das beweist er am Nachmittag auf den Höfen von Dirk Ulrich in Schmittlotheim und Sven Lorenz in Vöhl. „Ich will wissen, was die Landwirte bewegt“, sagt er. Dirk Ulrich erzählt ihm, dass die Wildschäden auf seinen Flächen deutlich zugenommen haben, seit das Gatter am Nationalpark abgebaut wurde. „Das ist ein Schaden von rund 20 000 Euro im Jahr“, sagt Ulrich, „dafür muss politisch eine Lösung gefunden werden.“ Matthias Stappert hört zu. Auch als Dirk Ulrich von schlechten Milchpreisen berichtet und von Bauernhofurlaub und Energiewirtschaft, die zu wichtigen Standbeinen für Landwirte geworden seien.

Am Ende des langen Wahlkampftages macht sich Matthias Stappert auf den Weg nach Hause – mit vielen neuen Stichworten und Themen im Gepäck.(resa)

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