Gemeindliche Kindergärten sollen in kirchliche Trägerschaft übergeben werden

Ideen gemeinsam umsetzen

Die gemeindlichen Kindergärten in Eimelrod (unser Bild) und Willingen sollen, sofern die Gemeindevertretung heute zustimmt, ab 1. August 2014 für zunächst fünf Jahre in kirchliche Trägerschaft übergeben werden. Foto: Ulrike Schiefner

Willingen - Die gemeindlichen Kindergärten in Willingen und Eimelrod sollen zum Beginn des nächsten Kindergartenjahrs in die Trägerschaft der evangelischen Kirche übergeben werden, die bereits Träger der Kindergärten in Usseln und Schwalefeld ist.

Das Thema stand am Dienstag auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses. Das Gremium sprach sich einstimmig dafür aus, ein entsprechendes, zunächst auf fünf Jahre befristetes Angebot des evangelischen Gesamtverbands Upland anzunehmen. Die endgültige Entscheidung liegt bei der Upländer Gemeindevertretung, die sich heute mit dem Thema beschäftigt; die Sitzung beginnt um 19.30 Uhr im Willinger Besucherzentrum.

Bürgermeister Thomas Trachte erläuterte die Hintergründe der „wichtigen und gravierenden Entscheidung“. „Wir arbeiten seit vielen Jahren daran, das Betreuungsprogramm auszuweiten und zu verbessern“, betonte er mit Verweis auf erweiterte Öffnungszeiten, Kleinkinderbetreuung und die in Usseln und Willingen anstehenden Umbaumaßnahmen.

Gute Erfahrungen

Aus Sicht des Gemeindevorstands ist es sinnvoll, die gemeindlichen Kindergärten in die Trägerschaft der Kirche zu übergeben, mit der die Gemeinde auch in anderen Bereichen erfolgreich zusammenarbeitet. Trachte führte als Beispiel die gut funktionierende Schulsozialarbeit an.

„Wir haben gute Erfahrungen gemacht und ich bin überzeugt davon, dass wir unsere Ideen gemeinsam mit der Kirche am besten durchsetzen können“, so der Verwaltungschef. Als Ziele nannte er eine Ausweitung der Kinderbetreuung auf die Wochenenden und in den Ferienzeiten sowie das Angebot einer Ganztagsbetreuung im Usselner Kindergarten.

Der Bürgermeister verdeutlichte, dass die anerkannten freien Träger der Jugendhilfe Vorrang vor den öffentlichen Trägern genießen und zudem höhere gesetzlich gewährte Fördermittel erhalten. „Bei einer Übergabe der beiden Kindergärten in kirchliche Trägerschaft ist mit deutlichen Kosteneinsparungen zu rechnen.“

Trachtes Mitarbeiterin Martina Göbel (Finanzen und Controlling) hatte zur Verdeutlichung einige Zahlen in die Sitzung mitgebracht. Im Jahr 2012 belief sich der Anteil der politischen Gemeinde am Kindergartenfehlbetrag auf insgesamt 576 461 Euro. Davon entfallen 201 429 Euro auf den Willinger Kindergarten, 148 230 Euro auf den Eimelroder Kindergarten, 134 825 Euro auf den Usselner Kindergarten und 91 977 Euro auf den Schwalefelder Kindergarten.

Hohe Ersparnis

Angesichts der Beteiligung der Kirche an den Fehlbeträgen und höherer Zuschüsse rechnet der Gemeindevorstand mit einer Gesamtersparnis von über 56 000 Euro. Selbst bei rückläufigen Kinderzahlen dürfte die Ersparnis noch bei über 42 000 Euro liegen.

„Für die Eltern, Kinder und Beschäftigten ergeben sich keine Nachteile“, versicherte der Bürgermeister. Thomas Trachte geht vielmehr davon aus, dass die angedachte neue Kooperations- und Organisationsform zu weiteren Verbesserungen führt. Eine Mitsprache der politischen Gemeinde soll durch ein paritätisch besetztes Kuratorium gewährleistet werden. „Wir haben also erhebliche Einflussmöglichkeiten bei der Personalpolitik, Haushaltsplanung und in anderen Bereichen.“

Konzept in Arbeit

Sofern die Gemeindevertretung heute Abend der Übergabe der beiden Kindergärten in kirchliche Trägerschaft ab 1. August 2014 zustimmt, sollen in einem nächsten Schritt Details mit dem Personal erörtert werden. Ferner ist eine Info-Veranstaltung für die Eltern vorgesehen. Zudem wird an einer erweiterten Betreuung gearbeitet. „Hier stehen Gespräche mit der Wirtschaft an“, so der Bürgermeister. Er kündigte an, dass der Politik noch in diesem Jahr ein zukunftsweisendes Konzept vorgelegt werden soll.

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