Stadtentwicklung: Nach Baubeginn am Güterbahnhof richtet sich der Blick auf die Verbindung zur Altst

Ideenschmiede für ein „Scharnier“

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Stadt und Kaufmannsgilde im Schulterschluss am „Scharnier“zwischen Bier- und Kümmell-Straße: Bauamtsleiter Burkhard Fincke, Hanse-Vorstand Jürgen Tent und Heinrich Bader, Bürgermeister Klaus Friedrich und Thorsten Peper (Abteilung Stadtentwicklung).

Korbach - Zwischen Fußgängerzone und Güterbahnhof entsteht 2013 neuer Raum für Handel und Wohnen. So rückt für die Stadtentwicklung die nächste Herkulesaufgabe ins Rampenlicht: Das „Scharnier“ zwischen Einkaufsmeile und Altstadt.

Die Gedanken sind frei - und im Herbst 2010 ließen heimische Planer ihren Gedanken zur Korbacher Stadtentwicklung freien Lauf. Geboren wurde die „Zwei-Pole-Strategie“, um Korbachs Zentrum in die Zukunft zu führen - vom Bahnhof bis hinauf ans Rathaus. Denn Marktexperten verheißen für Korbach durchaus noch mehr Potenzial, um Kaufkraft „abzuschöpfen“. So lockte die Präsentation im September vor zwei Jahren reichlich Publikum ins Rathaus - ob Parlamentarier, Händler, Grundbesitzer oder interessierte Bürger.

Einen städtebaulichen Entwurf dazu präsentierte der Architekt Christoph Hesse. Devise: Die Innenstadt zwischen den beiden „Polen“ am Bahnhof und am Übergang zur Altstadt in der Kümmell-Straße zu entwickeln.

Dazwischen ist in den vergangenen Jahren bereits viel passiert. Mit der neuen Treppe am Berndorfer Tor, Umbauten von Schreiber und Manhenke bis zum Neubau der Waldecker Bank haben Stadt und Unternehmen millionenschwere Investitionen umgesetzt. Korbach hat sich also im Sinne der Kunden weiter entwickelt, selbst wenn derzeit Leerstände bei rund um Woolworth/Greko zu beklagen sind.

Nach Jahren der Vorplanungen und Debatten soll bis Herbst 2013 nunmehr auch der äußere „Pol“ am Bahnhof ein anderes Gesicht erhalten. Dort entsteht zwischen Bahnhofstraße und Güterbahnhof ein völlig neues Stadtquartier mit Geschäften, Praxen und Wohnungen.

Das seit Jahren laufende und vom Land geförderte Programm „Stadtumbau“ soll indes weiter „stückweise abgearbeitet werden“, erklärt Bürgermeister Klaus Friedrich mit Blick in Richtung Rathaus: „Jetzt folgt als nächster wichtiger Baustein das Scharnier zwischen Fußgängerzone und Altstadt.“

Wie Quadratur des Kreises

Die Herausforderung gleicht einer Quadratur des Kreises:

lOptisch die Verbindung zwischen historischem Kern und Einkaufsmeile verbessern. Denn immerhin tummeln sich in Korbach übers Jahr mehr als eine Million Tagesgäste.

lNeue Parkplätze schaffen, um heimische und auswärtige Kunden leichter ans Tor zur Altstadt, aber auch der oberen Fußgängerzone zu bringen.

lNeue Architektur anbieten, die Parken, Wohnen und möglichst neuen Einzelhandel miteinander verknüpft.

Im Blick steht besonders die Häuserzeile entlang der Kümmell-Straße zwischen dem Jugendstilhaus (Bestattungen) schräg gegenüber der Waldecker Bank und dem Rathaus. Zwei Gebäude unterhalb des Rathauses an der Kümmell-Straße hat die Stadt bereits erworben.

Einen Entwurf für ein neues Tor in die Altstadt zeigte Hesse schon vor zwei Jahren. Durch Abriss und architektonische Neugliederung könnte sogar der Blick auf den Kilian wieder freier werden. Denn der ist durch einen Gebäuderiegel aus den 60er-Jahren versperrt. Doch zwischen Entwurf und konkreter Umsetzung klaffen in der Bauplanung oft viele Jahre - und es braucht Eigentümer, Investoren wie Unternehmer, um Ideen am Ende auch zu verwirklichen.

„Da muss jetzt Bewegung rein“, sagt der Bürgermeister. Fertige Pläne gebe es nicht, aber durchaus Sondierungen und Vorbereitungen, um das „Scharnier“ gefügiger zu machen. Dabei wolle die Stadt gleichermaßen Politik, Anlieger und benachbarte Einzelhändler in diesen Prozess einbinden.

Die Kaufmannsgilde „Hanse“ zeigt sich bei der Stadtentwicklung im Schulterschluss. Rathaus und Wal-decker Bank seien an der Kümmell-Straße wichtige „Frequenzbringer“ für Kunden und Besucher in Korbach. „Aber das müssen wir hier noch weiter ausbauen“, betont Hanse-Vorstand Jürgen Tent.

Heinrich Bader, „Altstadtbeauftragter“ der Hanse, legt dabei den Finger in die Wunde: „Touristische Qualität in der Altstadt und die Fußgängerzone sind noch nicht richtig zusammengewachsen.“

Was die Zukunft am „Scharnier“ bringen soll? „Parken ist ein wichtiger Punkt, aber auch weitere Einzelhandelsflächen“, betont Hanse-Vorstand Jürgen Tent. Um die Ideenschmiede anzufachen, habe es bereits Gespräche mit Anliegern und Planern gegeben. Auch eine Anregung aus dem Parlament (SPD-Fraktion), die Universität Kassel in Sachen „Städtebau“ hier einzubinden, habe die Hanse aufgegriffen.

Pol-Forscher sind also gefragt für Korbachs Stadtentwicklung in die Zukunft.

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