Liesel Wagener betreibt seit 25 Jahren familienintegrative Kleinstgruppe

Immer neue Kinder im Haus

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Liesel Wagener (3. v. l.) betreibt seit 25 Jahren eine familienintegrative Kleinstgruppe. Unter den vielen Helfern sind WDS-Jugendhilfe-Leiterin Dagmar Hensler, Vorstand Wilfried Höhle und Lebensgefährte Wilfried Stein (v. l.).Foto: Wilhelm Figge

Diemelsee-Vasbeck - Seit 25 Jahren kümmert sich Liesel Wagener um die Kinder anderer Menschen - und das in den eigenen vier Wänden in Vasbeck: Sie betreibt eine familienintegrative Kleinstgruppe des Bereichs Jugendhilfe des Waldeckischen Diakonissenhauses Sophienheim (WDS).

Neun Kinder haben in ihrem Haushalt gelebt, teils bis ins Erwachsenenalter. Ihr eigener Sohn Niklas wuchs Seite an Seite mit ihren Schützlingen auf, bei seiner Geburt waren schon drei Kinder in Liesel Wageners Obhut. Derzeit betreut sie eine 15-Jährige und einen 11-Jährigen.

„Grade dann, wenn ein Kind Erziehung braucht, bin ich nicht da“, habe sie sich im Gruppendienst des Sophienheims gedacht - und deshalb mit der Begründung der Kleinstgruppe ihren Job zur „Lebensaufgabe“ gemacht. Mittlerweile betreibt das WDS fünf Kleinstgruppen. Liesel Wagener ist die dienstälteste Leiterin, mit 55 Jahren denkt sie noch nicht ans Aufhören.

Ihre Schützlinge schickt das Jugendamt aus mit ihrer Lage überforderten Familien. „Das Ziel sollte immer die Rückführung sein“, erklärt WDS-Vorstandsmitglied Wilfried Höhle. Dazu kommt es nicht immer, aber die Zusammenarbeit mit den Müttern und Vätern ist zentral für Liesel Wagener: Kinder und Eltern stehen in Kontakt, treffen sich mindestens einmal im Monat, eine Woche der Ferien verbringen die Jungen und Mädchen bei ihren Familien. „Wir wollen nicht zur Konkurrenz werden“, sagt sie, „und die Mama bleibt immer die Mama.“ Bei aller Liebe und Nähe müsse sie Professionalität wahren und loslassen können. Das sei nicht immer leicht, aber alle ihre einstigen Schützlinge hätten Ausbildung, Studium oder Beruf.

Auch die Unterstützung durch Liesel Wageners eigene Familie sei unerlässlich: Sie begründete die Kleinstgruppe mit ihrem mittlerweile verstorbenen Mann Markus, seit vier Jahren steht ihr Lebensgefährte Wilfried Stein zur Seite. Ihre Familie akzeptiere ihre Arbeit als ganz selbstverständlich. Darüber hinaus pflegt sie ein Netzwerk von Helfern: Adorfer Mittelpunktschule, Vasbecker Kindergarten, Schule Enser Tor, Bathildisheim. Kolleginnen und Therapeuten des Sophienheims und nicht zuletzt die Nachbarschaft unterstützen sie. „Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf“, zitiert sie ein afrikanisches Sprichwort. Zum Dank hat sie für Samstag 65 Helfer zum Gartenfest eingeladen.(wf)

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