Armin Prager schenkt erdgeschichtliche Sammlung an die Stadt

Impulse für weltbedeutende Fossilien

Armin Prager mit fossilem Gestein aus der Korbacher Spalte: Als Besucherführer ist der Hobby-Geologe unersetzlich.

Korbach - Armin Prager, der „gute Geist“ an der Korbacher Spalte, vermacht eine umfangreiche Sammlung an Fossilien und Mineralien an die Stadt Korbach. Derweil fördert das Land Hessen eine komplette Neugestaltung der weltbedeutenden Fossilienfundstätte.

Nach der Grube Messel, dem rund 50 Millionen Jahre alten Füllhorn aus der Erdgeschichte, ist die Korbacher Spalte das bedeutendste fossile Denkmal in Hessen. Forscher wie der Karlsruher Paläontologie Dr. Eberhard „Dino“ Frey schätzen die Kluft im Steinbruch Richtung Dorfitter sogar als mindestens gleichwertig ein. Die Korbacher Spalte ist aus dieser Perspektive längst auch ein Weltnaturerbe – auch wenn es das Gütesiegel der UNESCO noch nicht trägt. Die Spalte im Kalkgestein von Fisselers Steinbruch birgt 250 Millionen Jahre alte Knochenreste von Vorfahren der Säugetiere, aber auch von Urahnen der Dinosaurier.

Ähnliche Funde gibt es nur im südlichen Afrika.Damit ist die Korbacher Spalte zugleich ein Beweis für den Urkontinent Pangäa, der vor 250 Millionen Jahren noch die heutigen Landmassen von Afrika und Europa miteinander verband. Anfang der 90er-Jahre untermauerten Grabungen des Staatlichen Naturkundemuseums Karlsruhe unter Freys Ägide, welch immensen Wert das Korbacher Fenster zur Urzeit besitzt. Der „Urwelt-Dackel“ Procynosuchus, Vorfahr der späteren Säugetiere bis hin zum Menschen, avancierte zum erdgeschichtlichen Wappentier der Stadt Korbach. Führungen seit 15 Jahren Beim Hessentag 1997 rückte die Korbacher Spalte in den Blickpunkt der Besucher. Seither ist auch Armin Prager mit von der Partie. Der Korbacher Hobby-Geologe verfügt über ein enormes Wissen über die Erdgeschichte – und hat es seit 15 Jahren an Tausende von Besuchern vermittelt.

Von Frühjahr bis Herbst bietet Prager jedes Wochenende Besucherführungen an. Stück für Stück hat er dabei greifbares Material aus eigener Sammlung hinzugefügt, die das gesamte Spektrum der Erdgeschichte abdecken. Pragers Fossilien und Mineralien repräsentieren 3,5 Milliarden Jahre. Selbst ein neun Milliarden Jahre altes Meteoritenrelikt und Gestein vom Mond hält Armin Prager parat. Die Sammlung von rund 200 Stücken soll per Schenkungsvertrag künftig ins Eigentum der Stadt gehen. Einen entsprechenden Vertrag unterzeichneten Prager und Bürgermeister Klaus Friedrich gestern an der Korbacher Spalte. 371?000 Euro vom Land „Ein wichtiger und beeindruckender Baustein im Gesamtkonzept“ von Geologie und Erdgeschichte der Stadt, betonte Klaus Friedrich. Der Rathauschef dankte auch Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Janssen für die Vorbereitung des Vertrags.

Armin Prager blickt derweil voraus auf die neue Besuchersaison: Ab kommenden Freitag (16.15 Uhr) und Sonntag (10.15 Uhr und 11.15 Uhr) laufen wieder die regelmäßigen Führungen. Für Familien ist insbesondere die Sonntagsführung um 11.15 Uhr interessant. Ein weiteres erfreuliches Signal kam unterdessen gestern aus Wiesbaden: Wirtschaftsminister Dieter Posch will am 25. April einen Förderbescheid für Investitionen an der Korbacher Spalte überreichen. Die Stadt hatte zunächst erst 2013 mit einer Zuwendung gerechnet. Aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionalentwicklung (EFRE) erhält Korbach 371?000 Euro. Das entspricht rund 50 Prozent der geplanten Kosten, um die „Spalte“ und das Umfeld zum Erlebnisraum für Besucher neu zu gestalten. Insbesondere der alte Kalkturm an der Frankenberger Landstraße soll dabei zum „Geo-Foyer“ umgebaut werden – samt erd- und kulturgeschichtlicher Ausstellung.

Hintergrund

In den 60er-Jahren entdeckte der Geologe Dr. Jens Kulick (1996 verstorben) fossile Knochenreste in „Fisselers Steinbruch“ am Korbacher Stadtrand. Kulick war damals im Auftrag des geologischen Landesamtes zur Kartierung unterwegs. Die versteinerten Tierknochen deutete Kulick zunächst als eiszeitliche Relikte, also wenige Millionen Jahre alt. In den 90er-Jahren untermauerten Forscher, dass in Korbach einzigartige, 250 Millionen Jahre alte Knochen „säugetierähnlicher Reptilien“ schlummerten.

Die „Korbacher Spalte“ soll deshalb im Zentrum des noch jungen Geoparks „GrenzWelten“ in Waldeck-Frankenberg und angrenzenden Landkreisen stehen. Geplant sind derzeit rund 750?000 Euro Investitionen für ein „Geo-Foyer“ im alten Kalkturm an der Spalte und erlebnisreiche Gestaltung des Freigeländes vor der Fossilkluft in Fisselers Steinbruch. 2011 stellte die Stadt einen Förderantrag beim Land Hessen. (jk)

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