Radfahrer mit Heugabel verletzt

„Ist mir immer noch unerklärlich“

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Korbach/Willingen - „Plötzlich sah ich eine Heugabel auf mich zukommen“: Das jähe Ende seiner Radtour durch das Upland schilderte ein 58-jähriger Mann aus dem Münsterland vor dem Korbacher Amtsgericht.

Mit der Forke ausgeholt und den Radfahrer an der Hand getroffen zu haben, dafür musste sich ein 36 Jahre alter Mann aus der Gemeinde Willingen verantworten. Juristisch ausgedrückt wurden ihm gefährliche Körperverletzung und ein ebensolcher Eingriff in den Straßenverkehr vorgeworfen. Der Angeklagte räumte die Tat ohne Umschweife ein und entschuldigte sich in der Verhandlung nochmals bei dem Mann, der als Zeuge geladen war.

„Ich weiß nicht, was mich dabei geritten hat. Das Ganze ist mir immer noch unerklärlich. Ich bin doch selbst Radfahrer“, gab der reumütige Angeklagte zu Protokoll. Er habe an jenem Vormittag im Juni dieses Jahres am Fahrbahnrand Gras für seine Schafe zusammengerecht, als sich ihm gegen 10.20 Uhr eine 19-köpfige Radfahrergruppe auf der Bundesstraße 251 zwischen Usseln und Neerdar näherte. Einer seiner Hunde habe angeschlagen. Er meine sich daran zu erinnern, dass die Radfahrer dann mit „Hunde imitierenden Lauten“ reagiert hätten. Der Aufforderung, dies zu unterlassen, sei die Gruppe nicht nachgekommen. In einer Drehbewegung habe er die Heugabel Richtung Fahrbahn gehalten und dabei mit der Rückseite des Gerätes die Hand des 58-jährigen getroffen. Ein bewusstes Stechen sei es nicht gewesen, betonte er.

Der getroffene Radfahrer konnte einen Sturz vermeiden und noch anhalten. Die Polizei wurde alarmiert und nahm den Vorfall auf. Der Verletzte kam ins Korbacher Krankenhaus, wo ein Arzt die Wunde versorgte und feststellte, dass an der Hand nichts gebrochen sei.

Mehrmals habe er sich noch an Ort und Stelle entschuldigt und Hilfe angeboten, berichtete der Angeklagte. Ihm sei „ein Stein vom Herzen gefallen“, als klar wurde, dass nicht mehr passiert sei. Dazu hätte es aber leicht kommen können, warf ihm Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling vor. Ein Sturz des Radfahrers hätte weitere aus der Gruppe zu Fall bringen können - und das auf einer vielbefahrenen Bundesstraße. Dieses hohe Verletzungsrisiko billigend in Kauf genommen zu haben, müsse einen deftigen Denkzettel nach sich ziehen, argumentierte die Staatsanwältin. Deshalb plädierte sie für die vorläufige Einstellung des Verfahrens gegen die Zahlung einer Geldbuße von 1500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. Dies akzeptierte der 36-Jährige. 300 Euro Schmerzensgeld hatte er bereits kurz nach seiner mutmaßlichen Kurzschlussreaktion überwiesen.(tk)

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