Kostensteigerung und lange Straßensperrung verärgern Anwohner in Thalitter

Itteraner irritiert über Radwegebau

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Vöhl-Thalitter - Um nach Hause zu kommen, müssen die Menschen in Thalitter einen großen Umweg fahren. Denn seit August 2012 wird an der Bundesstraße der neue Radweg gebaut - die Ortszufahrt ist gesperrt. Das dauert länger und wird teurer als nötig, beklagen die Anwohner.

Wenn Jochen Teichmann vor dem roten Baustellenschild steht, dann schüttelt er jedes Mal verärgert den Kopf. „Vor zehn Monaten hat der Bau des neuen Radwegs begonnen“, sagt er, „damals hieß es, vor dem Winter seien die Arbeiten fertig.“

Aber es kam anders: Für die nächste Woche hat Hessen Mobil nun den Abschluss der Arbeiten angekündigt. „Und noch dazu wird das ganze Projekt viel teurer“, beklagt Teichmann, „hier werden Steuergelder verschwendet.“ Schließlich habe es auch andere Streckenlösungen gegeben, die wohl wesentlich günstiger ausgefallen wären. Er selber favorisierte eine bestehende Strecke durch den Wald auf der anderen Seite der Bundesstraße.

Wie Jochen Teichmann geht es auch dem Ortsvorsteher in Thalitter, Karl Brüne, oder Anwohner Wolfgang Theile. „Wir freuen uns ja alle auf den Radweg“, sagt Brüne, „aber wir sind doch überrascht von Kosten und Dauer.“ Mit rund einer Million Euro war das Projekt ursprünglich veranschlagt, inzwischen spricht Horst Sinemus von Hessen Mobil von 2,5 Millionen Euro. Die alten Zahlen seien unkonkrete Schätzungen gewesen, sagt er. „Vor allem durch den letzten Abschnitt, den wir auf Betonpfosten bauen mussten, ist das Projekt teurer geworden“, erklärt er.

Alternativen geprüft

Um den Weg nämlich bis nach Thalitter zu führen, waren 38 Betonpfosten rund 16 Meter tief in den Boden gelassen worden - sie waren wegen der Böschung an der Straße notwendig geworden.

„Es hätte aber kostengünstigere Varianten gegeben, die auch diskutiert wurden“, sagt Teichmann und meint damit ein Grundstück am Ortsende, über das die Trasse hätte führen können. Dieses Grundstück gehört Wolfgang Theile. „Es gab Gespräche darüber, dass Hessen Mobil einen Streifen dieses Grundstücks kaufen wollte“, erklärt Theile, „das hätte mein Grundstück aber völlig zerstört.“ Also schlug er Hessen Mobil vor, die Trasse auf der anderen Seite des Grundstücks entlangzuführen. „Dafür hätte das Land noch nicht mal Flächen erwerben müssen“, sagt Theile.

„Nachdem es zu keiner Verständigung mit dem Eigentümer gekommen war, haben wir die zweite Möglichkeit geprüft“, sagt Horst Sinemus. Aus bautechnischen Gründen sei diese aber nicht sinnvoll gewesen: Der Boden sei nicht fest genug und die Örtlichkeit zu eng gewesen. Hessen Mobil hätte dann mit Gabionen, also Kästen zum Abstützen, arbeiten müssen. „Die Variante wäre am Ende auf keinen Fall günstiger geworden als die Betonpfosten“, sagt Sinemus. Also habe sich Hessen Mobil am Ende für die bautechnisch sinnvollste Lösung entschieden und die Pfosten in die Erde gelassen.

Am 21. Juni soll die Baustellenzeit in Thalitter nun enden. „Die ewigen Verlängerungen der Sperrungen haben uns ganz schön frustriert“, sagt der Ortsvorsteher und fragt nach den Gründen. „Wir waren am Anfang wohl etwas zu optimistisch“, räumt Sinemus ein, „wir wissen, dass die Umwege für die Menschen in Thalitter eine Belastung waren.“ Am 21. Juni sei es dann aber geschafft.

Weiterführung geplant

Für die Menschen in Thalitter bleibt ein drittes Fragezeichen: „Warum endet der Weg bei uns im Ort? Das ist nicht sinnvoll.“ Denn ab Thalitter gebe es keine weitere Streckenführung für Radfahrer. „Wir wollen mit der Weiterführung des Weges Richtung Korbach auf die Ortsumgehung bei Dorfitter warten“, sagt Horst Sinemus. Wann die allerdings kommt, bleibt weiter ungewiss.(resa)

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