Jubiläumsfest in Willingen mit vielen Gratulanten und abwechslungsreichem Programm

TV „Jahn“: Gut aufgestellt für die Zukunft

Willingen - Der Turnverein „Jahn“ Willingen feierte am Samstag mit zahlreichen Gästen sein hundertjähriges Bestehen.

Im Jahr 1913 wurden der größte Bahnhof der Welt, die „Central Station“ in New York, und das Völkerschlachtdenkmal bei Leipzig eingeweiht sowie die kleine Meerjungfrau in Kopenhagen enthüllt. Richard Nixon, Jesse Owens und Willy Brandt erblickten das Licht der Welt. Und in Willingen gründeten 31 Männer den TV „Jahn“, dessen Jubiläumsfeier Moderator Frank Wilke unter einen Vers von Joachim Ringelnatz stellte: „Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine, kürzt die öde Zeit, und er schützt uns durch Vereine vor der Einsamkeit.“ Vorsitzende Beate Gohmert erinnerte in ihrem Rückblick an ihre Vorgänger, die die Vereinsgeschichte prägten. Lehrer Friedrich Pöttner wurde vor 100 Jahren zum ersten Vorsitzenden gewählt. 1919 übernahm Wilhelm Stremme das Amt. Wilhelm Genuit, Wilhelm Emde und Lehrer Scholl leiteten in den 20-er Jahren die Geschicke des Vereins, die dann 1930 Heinrich Figge anvertraut wurden. Vier Jahre später übernahm Wilhelm Engelmann die Aufgabe, die er 30 Jahre lang wahrnahm. In seine Amtszeit fielen das erste Ettelsberg-Turnfest und große Erfolge der leistungsstarken Turnerinnen und Turner. 1964 wurde Helmut Kramer zum Vorsitzenden gewählt. Unter seiner Regie trat das breitensportliche Angebot in den Vordergrund. 1989 übernahm Jost Bangert den Vorsitz. Von 1994 bis 2008 stand Bernd Schulz an der Spitze des Vereins und seit 2008 hat Beate Gohmert das Amt inne. Ihr besonderer Dank galt allen Abteilungsleitern, Übungsleitern und Trainern. Landrat Dr. Reinhard Kubat wies darauf hin, dass das Leben der Menschen im Upland vor 100 Jahren aufgrund der harten Arbeit von körperlichen Strapazen geprägt war. Zur Gründung des Turnvereins führte also nicht etwa Bewegungsarmut, sondern vielmehr der Wunsch, etwas gemeinsam zu tun und sich auszutauschen. Dr. Kubat hat selbst eine enge Beziehung zum sportlichen Geschehen in Willingen: Die Teilnahme am Ettelsberg-Turnfest gehörte in seiner Jugend alljährlich zu den großen Erlebnissen. Zwischen den verschiedenen Disziplinen – Laufen, Springen und Werfen – wurden Blaubeeren genascht. Der Jahn-Stein auf dem Berg stammt übrigens aus der Werkstatt von Kubats Opa, der Steinmetz in Marienhagen war. Bürgermeister Thomas Trachte würdigte die bedeutende Funktion der Vereine für das Gemeinwesen. Er betonte, dass der TV „Jahn“ allen Generationen gute Rahmenbedingungen zur Ausübung verschiedener Sportarten bietet. „Daneben leistet er einen unbezahlbaren Beitrag zur Jugendarbeit.“ Im Namen des Turngaus Waldeck gratulierte dessen Vorsitzende Marianne Becker zum Jubiläum. Sie würdigte den Verein als hervorragenden Partner bei der Durchführung des Ettelsberg-Turnfests. Sie bestätigte den Verantwortlichen des TV „Jahn“, dass es ihnen sehr gut gelungen ist, in einer hektischen Zeit an die Tradition anzuknüpfen, den Verein weiterzuentwickeln und sich auf die Bedürfnisse der Mitglieder einzustellen. Erfreut zeigte sich Marianne Becker über das starke Gemeinschaftsgefühl, das zu vielen sportlichen Erfolgen geführt hat. „Der Verein ist gut aufgestellt“, betonte Iris Lückel, die stellvertretende Kreisvorsitzende des hessischen Leichtathletikverbands. Sie lobte das breit gefächerte Angebot und die besondere Wettkampfatmosphäre, die die Leichtathleten auf dem Ettelsberg genießen. Der Vorsitzende des Sportkreises Waldeck-Frankenberg, Uwe Steuber, wies auf eine Besonderheit hin: Der Vorstand des Vereins, der einst von Männern für Männer gegründet wurde, ist heute komplett in Frauenhand. Der TV „Jahn“ bietet seinen über 650 Mitgliedern mit hervorragend ausgebildeten Übungsleitern ein attraktives, gesundheitsorientiertes Programm, bei dem der Spaß an der Bewegung nicht zu kurz kommt. Steuber betonte, dass ein Jugendanteil von 36 Prozent nur durch eine zukunftsorientierte Arbeit erreicht werden kann. Er sprach in diesem Zusammenhang die funktionierende Kooperation zwischen Schule und Verein an. Die Glückwünsche des Ortsbeirats und der Willinger Bevölkerung übermittelte Ortsvorsteher Michael Wilke. Der Festtag war geprägt von einem abwechslungsreichen Programm. Am Nachmittag gewährten mehrere Abteilungen in der Sporthalle der Uplandschule einen Einblick in die Vereinsarbeit: Der „Harte Kern“ präsentierte unter Leitung von Helga Hennecke Aufwärmübungen. Michaela Langhammers Gruppe zeigte Step-Aerobic und Pilates. Die Damen um Olivia Linke begeisterten mit lateinamerikanischer rhythmischer Sportgymnastik und die von Beate Gohmert und Andrea Plümpe geleiteten jungen Leichtathleten bewiesen ihr turnerisches Können. Bei Musik mit den Schröders, den Turnbus-Spielen für junge Besucher, einer großen Tombola mit attraktiven Gewinnen, Fotoausstellungen, kulinarischen Genüssen und netten Gesprächen vergingen die Stunden wie im Flug.Von Ulrike Schiefner

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