Hemmighausen

750 Jahre? – Jedenfalls ein tolles Fest!

- Willingen-Hemmighausen (bk). Die Hemmighäuser luden zum Dorfjubiläum ein – und Tausende kamen. Einheimische und Gäste feierten drei Tage lang gemeinsam ein buntes und fröhliches Fest.

Für eine faustdicke Geburtstagsüberraschung sorgte Historiker Dr. Jürgen Römer: Jene Urkunde aus der Zeit um 1260, in der ein „Conradus de Hemminchusen“ genannt und die seit Jahrzehnten als Beleg der Hemmighäuser Ersterwähnung zitiert wird, bezieht sich mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht auf den heutigen Upländer Ortsteil, sondern auf Helmighausen. „Ganz zweifelsfrei“ hingegen ordnet der Festredner dem Dorf eine andere Urkunde zu. Am „Tag der unschuldigen Kindlein des Jahres 1285“ beurkundete Graf Ludwig von Arnsberg den Verzicht des Herrn Heinemann von Itter auf Güter in „Hemminchusen“.

Die Hemmighäuser haben also am Pfingstwochenende vielleicht zum zweiten Mal die 725-Jahr-Feier ihres Dorfes begangen. Möglicherweise jedoch können sie in wenigen Jahren schon das 1000-jährige Bestehen feiern. Denn in der Lebensbeschreibung des Bischofs Meinwerk wird ein gewisser Wicbrand genannt, der zur Tilgung seiner Sünden mit Zustimmung seiner Frau Tetta ein Gut in „Hemmicanhusun“ der Paderborner Kirche übergeben hat. Eine Jahreszahl ist in dem in lateinischer Sprache verfassten Text nicht genannt. „Aber das Ganze dürfte sich um 1015 abgespielt haben“, vermutet der Historiker. „Ich war wie elektrisiert, als ich den Ortsnamen fand.“

In der Textanmerkung ist zwar vermerkt, dass es sich bei „Hemmicanhusun“ um das Dorf Himmighausen handelt; es liegt bei Nieheim am südlichen Rand des Teutoburger Walds. Doch nach seinen Erfahrungen mit der Identifikation von Ortsnamen ist Dr. Jürgen Römers Spürsinn auf jeden Fall geweckt. Er wird sich durch das „düstere Gestrüpp“ kämpfen und versuchen herauszufinden, ob die Namensspur nun nach Hemmighausen, Helmighausen, Helminghausen, Hemmissen, Himmighausen oder sonst wohin führt.

Egal ob 725, 750 oder knapp 1000 Jahre: Die Hemmighäuser und ihre Gäste erlebten ein tolles Fest. Es spiegelte den guten Zusammenhalt der dörflichen Gemeinschaft wider, den Ortsvorsteher Udo Pohlmann am Samstag beim Kommersabend herausstellte. Er betonte, dass die Bürger geschichtsbewusst sind, sich zur Heimat bekennen, Brauchtum pflegen und sich bemühen, das Vermächtnis der Vorfahren an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben.

Dr. Jürgen Römer hielt die interessante, kurzweilige und humorvolle Festansprache. „Er hat ein neues Kapitel des Römerbriefs aufgeschlagen“, scherzte Udo Pohlmann angesichts der „Enthüllungen“ des Historikers. Der Schirmherr des Dorfjubiläums, Bürgermeister Thomas Trachte, würdigte das Fest als großartige Initiative. „Die Vergangenheit lebt auf und die Bürger erfahren ein neues Gemeinschaftsgefühl.“ Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, der namens der hessischen Landesregierung gratulierte, überreichte als „Geburtstagsgeschenk“ die Freiherr-vom-Stein-Urkunde. „Es bedarf solcher Menschen, die bereit sind, für ihren Ort einzutreten und sich ins Gemeinwesen einzubringen.“

Landrat Dr. Reinhard Kubat erinnerte daran, dass das Leben in früheren Jahrhunderten angesichts vieler Kriege, Entbehrungen und Seuchen auch in Hemmighausen nicht leicht war. Er wertete das Dorfjubiläum als einen der Höhepunkte in der geschehnisreichen Zeit und als Impuls für das weitere Zusammenleben und die Zukunftsfähigkeit des Ortes. Lothar Kesper gratulierte namens des Usselner Ortsbeirats. Er wies darauf hin, dass Usseln und Hemmighausen vor 40 Jahren mit ihrem Zusammenschluss den Grundstein zur Bildung der heutigen Uplandgemeinde legten. Zu einer Reise in die Vergangenheit lud Gerd Wilke ein, der als Mönch die Geschichte des Dorfs in Versform lebendig werden ließ.

Musikalische Akzente setzten der Gesangverein Eimelrod (Leitung: Rüdiger Pfankuche) und die Tanzkapelle „Popcorns“. Höhepunkt der Jubiläumstage war der stehende Festzug am Sonntag. Bei strahlendem Sonnenschein kamen einige Tausend Besucher ins Diemeldorf. An rund 50 Ständen lebte die Geschichte auf, aber auch die Gegenwart kam nicht zu kurz. Es gab viel zu sehen, zu hören, zu schmecken und zu erleben.

Das Video zur 750-Jahr-Feier finden Sie hier.

Zum Jubiläumsfest finden Sie hier eine Bildergalerie.

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