Waldeckischer Geschichtsverein lädt zu Bildpräsentation von Dr. Peter Witzel ein

600 Jahre Wasserburg Nordenbeck

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Der sechsgeschossige Wohnturm der Wasserburg Nordenbeck ist vermutlich der einzige Europas, der über alle Stockwerke beheizbar ist. Das Bauwerk wurde im vergangenen Jahr restauriert.Fotos: pr

Korbach-Nordenbeck. - Mit der Wasserburg Nordenbeck und ihren Besitzern im Verlauf der vergangenen sechs Jahrhunderte beschäftigt sich Dr. Peter Witzel am Donnerstag, 7. Februar.

Die Bildpräsentation, zu der die Korbacher Bezirksgruppe des Waldeckischen Geschichtsvereins einlädt, beginnt um 19.30 Uhr im Bürgerhaus. Der Eintritt ist frei. Gäste sind willkommen.

Eine Talburg besitzt in dieser Region Seltenheitswert. Befestigte Burganlagen zieren meist die Gipfel steiler Berge, wie Burg Waldeck, die Kugelsburg oder die Burg auf dem Eisenberg. Aber Wasserburgen wie im Münsterland sind hier weithin nicht zu finden. Insofern ist die wenig bekannte Wasserburg Nordenbeck schon eine Besonderheit.

Im Jahr 1036 wird Nordenbeck erstmals als Vorwerk des Paderborner Herrenhofes in Korbach erwähnt. 300 Jahre später wird dort der Knappe Ambrosius von Norderenbeke aus Messinghausen sesshaft. Dann folgen den Herren von Nordenbeck im Wesentlichen drei Geschlechter, die in der Folgezeit bis heute Besitzer der Burg waren.

Brosecke von Viermund (1378 - 1426) und seine Söhne bauten das Anwesen dann 1412 zu einer stark befestigten Anlage aus. Fünf Meter hohe Wälle mit halbrunden Ecktürmen, von Kasematten durchzogen und von einem breiten Wassergraben geschützt, umgaben einen großen, zweigeteilten Innenhof, der von dem mächtigen, mit Kanonen bewehrten, 38 Meter hohen Wohnturm überragt wurde. „Den Freunden zum Schutz, den Feinden zum Trutz“. Aber die wehrhafte Burg wurde nie von äußeren Feinden angegriffen.

Über die Jahrhunderte traten viele Veränderungen ein. Gebäude wurden abgerissen, andere neu errichtet, der Burggraben teilweise zugeschüttet. Nur der mächtige Burgfried mit seinen markanten Eckwarten blieb als Wahrzeichen unverändert, nunmehr schon über 600 Jahre. Aber auch hier nagte der Zahn der Zeit an der Bausubstanz und der Ausstattung. Deshalb wurde im vergangenen Jahr eine umfassende Restaurierung erforderlich.

Das steile Schieferdach des Turmes musste neu beplankt und gedeckt werden. Die über zwei Meter dicken Mauern wurden an vielen Stellen neu verfugt und teilweise ergänzt. In der im dritten Stockwerk gelegenen Kapelle hatten die im Mittelalter in Seccotechnik auf einen Lehmputz gemalten Apostel- und Heiligenbilder bereits stark gelitten, sodass hier eine umfassende Bestandssicherung erforderlich wurde. Dabei wurde in der Altarnische unter dem Lehmputz eine höchst interessante Grisaille-Malerei aus einer früheren Epoche freigelegt.

Schon seit Generationen ist das Rittergut Nordenbeck ein landwirtschaftlicher Großbetrieb. Die heutigen Besitzer verknüpfen stolz die historische Substanz mit den Erfordernissen eines modernen Agrarbetriebes.(r)

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