„Eintracht“ feiert im Korbacher Bürgerhaus

In 100 Jahren den Gesang nie aufgeben

Korbach - Auch nach 100 Jahren vergeht der „Eintracht“ Korbach die Lust am Singen nicht. Mit einem Festakt hat der gemischte Chor am Samstag sein Jubiläum gefeiert.

„100 Jahre sind es wert, dass man uns besonders ehrt“, dichtete Vorsitzender Heinz Rothenstein verschmitzt zur Eröffnung des Festakts im Korbacher Bürgerhaus. Und tatsächlich hat der Chor im vergangenen Jahrhundert eine wechselvolle Geschichte erlebt. Schon die Gründung am Vorabend des Ersten Weltkriegs, als Kaiser und Fürst noch regierten, war außergewöhnlich. Das fand jedenfalls Volker Bergmann, Präsident des Mitteldeutschen Sängerbundes: Während zu dieser Zeit meist Kriegerchöre entstanden und vaterländische Sangeslust im Vordergrund stand habe die Eintracht, die damals noch als evangelischer Kirchenchor „Cäcilie“ firmierte, neben der Musik den Frieden in den Mittelpunkt gerückt.

„Gleichstellung gelebt“

Und noch eine Besonderheit hat die Sängerfamilie aufzuweisen: Die Eintracht war einer der ersten gemischten Chöre. Der Verein habe schon früh die Gleichstellung der Geschlechter gelebt, stelle Landrat Dr. Reinhard Kubat fest. „So ein Jubiläum ist auch in Korbach mit seinen 240 Vereinen nicht alltäglich“, sagte Bürgermeister Klaus Friedrich. Der Chor habe im Alltags- und Festleben Korbachs Spuren hinterlassen. Zum Leben gehöre nicht nur die Pflicht, sondern auch die Kür sagte Dekanin Eva Brinke-Griebel: „Und das Singen ist eine der schönsten Küren in unserem Leben.“ Ihr katholischer Kollege Gisbert Wisse bemerkte, die Eintracht habe in blühenden und weniger blühenden Zeiten den Gesang nie aufgegeben: „Sie ist ein Stück Korbacher Geschichte geworden.“

Der Chor repräsentiere und bereichere das kulturelle Leben in Korbach, sagte Annelies Weibel, Vorsitzende des Sängerbezirks Korbach. Glückwünsche überbrachte auch Mario Heller vom Phoenix-Chor aus Korbachs thüringischer Partnerstadt Waltershausen. Kenntnisreich und humorvoll führte Heino Klemme durch 100 Jahre Vereinsgeschichte. Und natürlich gab der Chor während des Festakts auch einige Kostproben seines Könnens, etwa mit dem bekannten Kanon „Viva la musica“ von Michael Praetorius oder dem rhythmischen „Cantando“, einem traditionellen Lied aus Puerto Rico. Mit der Zugabe „Kumbaya my Lord“ erinnerte der Chor zum Abschluss an seine Wurzeln. Pianistin Tatjana Kuper begleitete die Sängerinnen und Sänger am Klavier und setzte mit Frédéric Chopins perlender Fantasie Impromptu selbst einen musikalischen Akzent.

„Wie eh und je“

Auch Ehrungen standen auf dem Programm: Schon seit 65 Jahren ist Elfriede Sierla aktive Sängerin. „Sangesfreudig wie eh und je“, gratulierte Rothenstein. Seit 50 Jahren singen Martha Figge und Ruth Göbel in der Eintracht und seit immerhin 40 Jahren ist Hilde Schubert dabei. Treue Sänger seit 25 Jahren sind Manfred Kramer, Hildegard Behle, Karl-Heinz Behle und Monika Jilg.

Geehrt wurde Dirigent Adolf Schneider für seine lange musikalische Tätigkeit. Er leitete nach dem Abitur 1954 den Posaunenchor Sachsenberg, jahrelang den Chor der Studentengemeinde Marburg, mehr als 30 Jahre lang den Chor der Selbständigen Evangelischen Kirche Korbach (SELK) und seit 1992 die Eintracht. Von 1998 bis 2011 war er außerdem Bezirkschorleiter im Sängerbezirk Korbach und im gleichen zeitraum Bundeschorleiter im Waldeckischen Sängerbund. „Adolf Schneider ist ein allzeit engagierter und musikalisch einfühlsamer Dirigent, auf den die Sängerinnen und Sänger nicht verzichten können“, sagte Rothenstein.

Eine besondere Ehrung gab es außerdem für Hannalise Klemme. Sie engagiert sich seit Jahren in der Eintracht und war von 1979 bis 1997 stellvertretende Vorsitzende, von 1997 bis 2009 Vorsitzende und seit 2009 wieder Vizechefin im Verein. „Hannalise Klemme ist eine kompetente, verlässliche Ansprechpartnerin, die sowohl für die Sängerinnen und Sänger, wie auch für den gesamten Vorstand ein offenes Ohr hat“, so Rothenstein.

Zelterplakette erwartet

Mit mehreren Veranstaltungen will die Eintracht in diesem Jahr ihr Jubiläum feiern. Das Bezirkskonzert wird der Verein am 9. Juni in der Freilichtbühne am Schießhagen ausrichten. Mit der vom Bundespräsidenten verliehenen Zelterplakette wird die Eintracht am 16. Juni in Kassel geehrt. Das Jubiläumsjahr schließt mit einem Festkonzert am 28. September in der Nikolaikirche ab. Befreundete Chöre werden die Sängerschar dabei stimmkräftig unterstützen. (lb)

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