Korbacher Krankenhaus: Stärkere Zusammenarbeit mit St.-Franziskus-Hospital

Jostes übernimmt Chefposten

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Die erweiterte Krankenhausleitung tagte gestern erstmals mit dem neuen Geschäftsführer Christian Jostes: (v.l.) Dr. Hubert Bölkow, Dr. Istvan Szini, Pflegedienstleiterin Gerlinde Stremme, Marlies Reinhardt, Bürgermeister Klaus Friedrich, Dr. Arved-Winfried Schneider, Christian Jostes, Betriebsratsvorsitzende Annette Boldt, Dr. Manfred Herbert, Dr. Jochen Klotz und Interimsgeschäftsführer Wolfgang Kluß.Foto: Kleine

Korbach - Der neue Geschäftsführer ist an Bord: Christian Jostes übernimmt die Regie des Korbacher Stadtkrankenhauses - in Kooperation mit dem Hospital in Winterberg.

Am Montag hatte Christian Jostes seinen ersten Arbeitstag in der Hansestadt, am Dienstag tagte erstmals die erweiterte Krankenhausleitung in neuer Besetzung - mit Chefärzten, Pflegedienstleitung und Betriebsratsvorsitzender.

Über ein Jahr war der Chefposten in der Korbacher Klinikverwaltung vakant. Nach dem Abschied von Heinz Gerdes als Geschäftsführer im Frühjahr 2013 setzte die Stadt auf einen „alten Hasen“: Der längst pensionierte frühere Betriebsleiter Wolfgang Kluß, inzwischen ehrenamtlicher Leiter des Stadtarchivs, übernahm vorübergehend wieder die Regie in der Klinik.

Für das Stadtkrankenhaus war Kluß ein Glücksfall, der mit großer Erfahrung wichtige Aufgaben nahtlos fortsetzen konnte. Dazu zählt vor allem die Erweiterung der Klinik durch den dritten Bauabschnitt für über 20 Millionen Euro. Bis Sommer wird Kluß der neuen Geschäftsführung noch zur Seite stehen.

Wechsel von Frankenberg

Sein Nachfolger Christian Jostes baut ebenfalls auf Erfahrung. Er lenkt seit Jahren das St.-Franziskus-Hospital in Winterberg als Geschäftsführer. Im Januar 2011 übte sich der Landkreis Waldeck-Frankenberg im Schulterschluss und bestellte Jostes parallel auch zum Geschäftsführer der Frankenberger Kreisklinik.

In den Jahren zuvor hatte auch eine mögliche Kooperation der Kliniken in Frankenberg und Korbach immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Die Verhandlungen verliefen indes ergebnislos.

Als der Chefposten in Korbach im Frühjahr 2013 frei wurde, nahmen Bürgermeister Klaus Friedrich und Landrat Dr. Reinhard Kubat erneut Gespräche auf für eine verstärkte Zusammenarbeit der beiden kommunalen Kliniken im Landkreis.

Ende Januar 2014 verkündete Kubat eine gemeinsame Geschäftsführung unter Regie von Christian Jostes. Damit sollten drei benachbarte Krankenhäuser stärker verbunden werden - Korbach, Frankenberg und das westfälische Winterberg.

Doch schon im Februar gab es erneut Turbulenzen im Aufsichtsrat der Kreisklinik. Das Kreiskrankenhaus hat finanzielle Probleme, der Kreis musste 1,5 Millionen Euro Steuergeld nachschießen - und die Hälfte des Aufsichtsrats der Kreisklinik sprach Jostes plötzlich das Misstrauen aus.

Bündnis mit Winterberg

So kündigte er Ende Februar als Geschäftsführer in Frankenberg - und fand im Aufsichtsrat des Korbacher Stadtkrankenhauses im März Zustimmung. Der Vertrag in Frankenberg wurde vorzeitig aufgelöst, damit Jostes nunmehr Anfang Mai die Geschäftsführung in der Hansestadt übernehmen kann.

Die Kliniken in Korbach und Winterberg wollen künftig die medizinische Zusammenarbeit ausbauen. Seit Jahren gibt es beispielsweise eine Kooperation in der Kardiologie (Herzmedizin) über die Landesgrenzen hinweg.

Wirtschaftlich steht das Korbacher Krankenhaus im Vergleich zu vielen anderen kommunalen Kliniken gut da. Auch das Jahr 2013 brachte einen Überschuss von weit über einer Million Euro. Zugleich soll der entstehende Anbau mit über 20 Millionen Euro die Klinik in Medizin, Pflege und Organisation noch besser für die Zukunft wappnen.

Einfach wird die Aufgabe für Ärzte, Pflegedienst und Verwaltung allerdings nicht: Wettbewerb und Kostendruck in den Krankenhäusern wachsen stetig. Das ist politisch im deutschen Gesundheitswesen offenbar so gewollt.

Vor allem für Kliniken im ländlichen Raum sind die Herausforderungen deshalb groß. Somit sind Kooperationen unter den Kliniken wichtiger denn je.

Der Landkreis hat sich in Frankenberg derweil für einen neuen Weg entschieden: In der Kreisklinik soll die Vitos-Gruppe (Psychiatrische Kliniken) die Regie übernehmen. Wie, das wollen Landrat und Vitos heute bei einer Pressekonferenz im Kreishaus erläutern. (jk)

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