Korbacher Unternehmen prüft Kanäle mit moderner Technik auf Schäden und Verschmutzung

Mit dem Joystick durch das Abwasser

Korbach/Adorf - Immer wieder mal ist das Warndreieck mit der Aufschrift „TV-Überprüfung“ an den Straßen im Landkreis zu sehen. Die Arbeiter, die meist am Gullydeckel stehen, überprüfen aber nicht die Fernsehanschlüsse, sondern die Abwasserkanäle.

Gordon Muhl sitzt im Operator-Raum. Seine Augen springen von Bildschirm zu Bildschirm. Vier Monitore gleichzeitig muss er im Blick haben. Mit der rechten Hand am Joystick, führt der 26-Jährige geschickt einen ferngesteuerten Wagen durch enge und dunkle Kanäle. Gordon Muhl spielt nicht am PC, er inspiziert Abwasserkanäle in der Region. Muhl ist Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice.

In Adorf untersucht das Korbacher Unternehmen „QTV“ derzeit die Haupt- und Ablaufkanäle. Die Gemeinde will unter anderem die Bredelarer Straße neu asphaltieren. Vorab wird geprüft, ob im Kanalsystem alles in Ordnung ist, oder ob auch hier Sanierungen anstehen. Für die Suche nach Wurzeln, Dreck, und Rissen in den Rohren müssen Gordon Muhl und sein Kollege Ronny Ostermann aber gar nicht den beschwerlichen Weg in die „Unterwelt“ auf sich nehmen - moderne Technik macht‘s möglich.

Mit Kamera und Karte

„Die Arbeit vereint einiges, was mir Spaß macht - wir haben viel mit Technik am PC zu tun, sind aber immer draußen unterwegs“, erklärt Muhl. In Adorf sind die Kanalinspekteure mit zwei Wagen angereist. In ihnen befindet sich das gesamte technische Equipment, von Schläuchen und Kabeln, über die Hochdruckpumpe, welche die Kamera durch die Rohre treibt, bis hin zu den Monitoren im Operator-Raum.

Hier sitzt Gordon Muhl. Vor ihm stehen drei Bildschirme, an der Seite hängt eine Karte des Kanalsystems in Adorf. Auf einem weiteren Monitor sieht er seinen Kollegen, der am Gullydeckel mit einer Art Seilwinde den kleinen Kamerawagen in den Hauptkanal herablässt. Dabei gibt Muhl kurze Kommandos. „Weiter, Stop, zurück“ - viele Worte braucht es nicht für die richtige Position des Kamerawagens. Der wird dann gekonnt durch die verzweigten Schächte gesteuert, angetrieben von einem Elektromotor. Dabei nimmt die Kamera alles auf und liefert die Bilder gleichzeitig in den Operator-Raum.

Auf dem Wagen sitzt zudem noch eine zweite Kamera. Die ist für die Abläufe zuständig, das sind die Abzweige vom Hauptkanal zu den Wohnhäusern. „Dabei gehen wir aber nur bis an die Grundstücksgrenze, alles andere wäre nicht erlaubt“, beschreibt Peter Hunold-Pieper die Vorgehensweise.

Der frühere Straßenbaumeister gründete das Unternehmen 1998. Damals war er noch auf sich allein gestellt, heute beschäftigt er sechs Mitarbeiter und bildet regelmäßig aus. Auftraggeber sind Gemeinden oder aber Unternehmen, die ihr Firmengelände untersuchen lassen.

Häufig geht es für die Mitarbeiter über die Grenzen von Waldeck-Frankenberg hinaus.Zurück im Kanal folgt auf die Fahrt mit dem Kamerawagen durch den Hauptkanal die Kür. Die Zusatzkamera wird in den Ablauf geführt beziehungsweise gespült. Denn die schwenkbare Kamera ist verbunden mit einem Schlauch, der sie unter Einsatz von Wasserhochdruck voran treibt. Gordon Muhl dokumentiert dabei alle Schäden, die Straße und die Schachtnummer. Wo der Laie auf dem Monitor eher ein Ultraschallbild vermutet, da erkennen Muhl und seine Kollegen, ob ein Rohr intakt oder beschädigt ist.

Reinigung inklusive

Später gehen Protokoll und Aufnahmen an den Auftraggeber, der dann am PC jede Straße im Ort anklicken kann und so sieht, wo etwas getan werden muss. Zudem bringt der Einsatz von Wasserhochdruck einen weiteren Vorteil mit sich: „So reinigen wir gleichzeitig auch die Rohre zu einem großen Teil“, erklärt Muhl.

Müssen die Kanäle saniert werden, dann treten in der Regel andere Firmen auf den Plan, „wir sind reine Inspekteure“, so Muhl. In den Kanal müssen die Rohrspezialisten also nur, wenn zum Beispiel die Kamera mal umfällt. Aber auch das sei dann zu verkraften.

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