Meineringhausen: 775-Jahr-Feier beginnt mit Festakt in der Walmehalle

Jubiläumsjahr festlich eingeläutet

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Korbach-Meineringhausen - Festlich sind die Meineringhäuser ins Jubiläumsjahr gestartet: Den Auftakt machte gestern ein Neujahrsempfang mit Festakt in der Walmehalle.

Das Jahr 1240: Die Mongolen belagern Kiew, Frankfurt erhält als erste deutsche Stadt das Messeprivileg - und Meineringhausen wird erstmals urkundlich erwähnt. 775 Jahre später feiern die Meineringhäuser das Jubiläum. Den Auftakt machte gestern ein Neujahrsempfang mit Festakt. Die rund 500 Gäste erwartete nach einem Festgottesdienst in der Kirche eine festlich gedeckte Tafel in der mit bunten Tüchern und großen Leuchtern dekorierten Walmehalle.

Friedhelm Schmidt, Vorsitzender des Dorfvereins, empfing die Besucher mit einem launigen Blick in die Geschichte des Dorfes: Zwar wird der Ort erstmals 1240 beurkundet, doch Meineringhausen dürfte bereits im zehnten, spätestens elften Jahrhundert entstanden sein. „Ist eigentlich ganz logisch“, befindet Friedhelm Schmidt: „Wie hätte Korbach ohne die Meineringhäuser sonst auch überhaupt entstehen können?“

1890 zählte das Dorf gerade mal 462 Einwohner - viele waren zuvor ausgewandert und suchten ihr Glück in den prosperierenden Industriestädten des Bergischen Landes, einige sogar in Nordamerika. Mittlerweile leben rund 1000 Menschen in Meineringhausen, wie Schmidt anführte. Ganz erheblich gewandelt habe sich der landwirtschaftliche Bereich: Anfang der 1960er-Jahre gab es noch 103 Milchlieferanten. „Heute ist es nur noch ein einziger“, so Schmidt.

1850 betrug das Gehalt des Bürgermeisters 20 Taler im Jahr - weniger als Witwe Schmalz als Entschädigung für ihre im Feuerkump ertrunkene Kuh erhielt: Sie bekam 25 Taler von der Gemeinde. Im 16. Jahrhundert wurde in Meineringhausen sogar Wein angebaut - davon zeugt die Flurbezeichnung „Am Weinberg“. Später kultivierte der Gutshof Hopfen zum Bierbrauen im heutigen „Hopfengarten“.

Eigentlich könnten die Meineringhäuser in diesem Jahr noch ein weiteres Jubiläum feiern: Ihre „Chaussee“ - die Straße von Korbach nach Kassel - wurde 1840 gebaut. 1970 schloss sich Meineringhausen der Stadt Korbach an. Schmidt: „Das war der richtige Schritt für Meineringhausen und ein Glücksfall für Korbach.“ Schmidt rief schließlich auf: „Feiern, erinnern, vorausschauen, so wollen wir 2015 angehen.“ Das Dorf werde in diesem Jahr ein „Treffpunkt netter Menschen“ sein.

Freude solle die Triebfeder des Jubiläums sein, sagte Bürgermeister Klaus Friedrich: „Ich bin überzeugt, dass sich die Meineringhäuser in diesem Jahr etwas Bleibendes schaffen: Ein Zusammengehörigkeitsgefühl und das Lebensgefühl, gerne in Meineringhausen zu wohnen.“ Landrat Dr. Reinhard Kubat wünschte den Meineringhäusern ein „gedeihliches, fröhliches und manchmal auch nachdenkliches Jubiläum.“ CDU-Landtagsabgeordneter Armin Schwarz kündigte eine Zuwendung von 2000 Euro aus dem Lottotopf des Landes Hessen für die Jubiläumsfeierlichkeiten an. Ihre Grüße richteten auch Stadtverordnetenvorsteherin Lieselotte Hiller, Ortsvorsteher Peter Graß und Pfarrer Jörg Wagner aus.

Seine Uraufführung durch den Jubiläumschor (Leitung: Petra Müller) erlebte anschließend das „Meineringhäuser Lied“, das Friedhelm Schmidt zur Melodie der „Nordseewellen“ gedichtet hatte. Nachmittags kamen Bleistiftzeichnungen mit Meineringhäuser und Korbacher Motiven unter den Hammer, die der damalige Lehrer Emil Klein in den frühen 50er-Jahren gezeichnet hatte. Kleins Tochter Helga Stoß hatte die Bilder dem Dorfverein zur Verfügung gestellt. Ein weiteres Bild von Klein stammte aus einem Dachbodenfund. Zwischen 160 und 380 Euro zugunsten des Dorfvereins erzielten die Zeichnungen bei der Versteigerung.

Der Chor, die Gitarrengruppe „Vielsaitig“ und die Kirmesburschen und -mädels sorgten zwischen den Bietrunden für Unterhaltung. Anschließend lockte ein üppiges Büffet mit 55 selbst gebackenen Torten. Helfer aus Strothe unterstützten ihre Nachbarn hinter den Kulissen.

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