Juden, Christen, Muslime und Bahá’í tauschen sich beim Fasten über ihre religiösen Bräuche aus

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Nach einem Tag des Verzichts und Austauschs brechen 30 Menschen gemeinsam das Fasten.

Korbach. Beim Verzicht auf Essen und Trinken haben Vertreter von vier Religionen über ihre Fasten-Bräuche gesprochen. Dabei haben sie viele Gemeinsamkeiten entdeckt.

Sechs Stunden nach Beginn des Fastens sitzen Juden, Christen, Muslime und Bahá’í gemeinsam in der Korbacher Moschee. Die knapp 25 Teilnehmer der Aktion konzentrieren sich ganz auf das Gespräch, gerade vertiefen sie sich in die Bräuche der Bahá’í.

Dr. Bernardo Fritzsche liest einen Text des Religionsstifters Baha’ullah über das Fasten vor: Der Verzicht auf unnötige Bindungen soll demnach diejenige zu Gott fördern. „Wenn wir ständig arbeiten oder essen, kommen wir auf andere Gedanken“, fasst eine Teilnehmerin zusammen, „beim Fasten sind wir empfänglicher.“

In einer bildhaften Passage des Bahá’í-Textes soll Fasten wie ein „Strom lebenspendenden Wassers“ wirken. Die Teilnehmer erkennen das Bild wieder: Die jüdische Tradition beschreibe die Tora als Wasser, erklärt Armando Simon-Thiele von der jüdischen Gemeinde Wuppertal. Der Korbacher Christ Dr. Siebo Siuts fühlt sich an den Heiligen Geist erinnert.

Und auch Muhammet Balkan von der muslimischen Gemeinde hat eine Interpretation: „Durch das Fasten lege ich mein Leben in einen Strom. Und Wasser findet seinen Weg.“ Fritsche ist zufrieden: Laut Bahá’í-Lehre hätte jedes von Gott kommende Wort 72 Bedeutungen, das zeige sich auch hier.

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