Berufliche Ausbildung ist Medizin gegen Armut · Diskussion am 12. November

Jugendarmut im Blickpunkt

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Jutta Kahler-Wilke, Alice Lessing, Lydia Oswald, Natalja Schens (v.l.) vom Arbeitskreis „Tabu Armut“ und Karlheinz Göbel (Sparkasse Waldeck-Frankenberg) rücken ein wichtiges Thema in den Blickpunkt: Ausbildung als ein Weg aus der Armut.

Korbach - Über 2000 Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre in Waldeck-Frankenberg leben in finanzieller Not. Eine berufliche Ausbildung eröffnet Wege aus der Jugendarmut - Schwerpunkt einer Podiumsrunde am 12. November im Korbacher Bürgerhaus.

Armut ist in Deutschland meist ein Tabuthema. Es gibt ja soziale Hilfen, argumentieren Kritiker. Und die Betroffenen bleiben vielfach aus Scham im Hintergrund. Doch die Realität zeigt: Im reichen Deutschland leben viele Menschen in höchster finanzieller Not - entkoppelt aus der Mitte der Gesellschaft. Darunter sind erschreckend viele junge Menschen.

In Waldeck-Frankenberg erhalten derzeit über 7800 Menschen soziale Hilfen. Dabei geht es nicht nur um Hartz IV, sondern auch um „Aufstockung“, denn mitunter reicht das Arbeitseinkommen nicht, um sich und die Familie zu ernähren. Von den 7800 Betroffenen sind allein 2080 unter 15 Jahren.

Der 2011 gegründete Korbacher Arbeitskreis „Tabu Armut“ bricht das Schweigen, rückt das Thema seither mit Ausstellungen und öffentlichen Podiumsdiskussionen in den Blickpunkt. Voriges Jahr stand Altersarmut im Zentrum, am 12. November, 19 Uhr, im Bürgerhaus geht es um Jugendarmut.

Junge Menschen fördern

Den Impuls gaben Natalja Schens und Lydia Oswald vom Korbacher Projekt MIT: Migration, Integration, Teilhabe. Zum Arbeitskreis gehören überdies Jutta Kahler-Wilke (Jobcenter Waldeck-Frankenberg), Alice Lessing (Caritasverband Brilon) und Ursula Hartmann-Samiec (Diakonisches Werk Waldeck-Frankenberg). These für den 12. November: Schulabschluss und berufliche Ausbildung sind für junge Menschen Meilensteine auf dem Weg in ein gesichertes Leben - gerade auch aus schwierigen sozialen und finanziellen Verhältnissen.

Die Podiumsrunde im Bürgerhaus bringt dabei Ausbilder, Wissenschaft, Sozialarbeiter, Lehrer und Politiker zusammen, um Ursachen und Auswege bei Jugendarmut zu beleuchten. Auf dem Podium debattieren Erhard Wagner (ehemaliger Leiter der Ortenbergschule Frankenberg, SPD-Mitglied), die heimischen Landtagsabgeordneten Armin Schwarz (CDU), Daniel May (Grüne), Roger Hattwich als Chef des Terrassenhotels am Edersee und Professor Werner Schönig, Dekan des Fachbereichs Sozialwesen an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Köln.

Podiumsrunde in Korbach

Als weitere Experten sind Reinhard Deutschendorf (Sozialarbeiter Berufliche Schulen), Ulrich Faß-Gerold (Jugendarbeiter der evangelischen Gemeinden im Upland) und Angelika Goldkamp (Sozialpädagogin der Kompetenzagentur Waldeck-Frankenberg) mit von der Partie.

Schirmherr der Veranstaltung ist Landrat Dr. Reinhard Kubat. Das Eingangsreferat hält am 12. November Uwe Kemper, Chef der Arbeitsagentur Korbach. Die Moderation übernimmt Jörg Kleine, Chefredakteur der Waldeckischen Landeszeitung/Frankenberger Zeitung.

Im Mittelpunkt stehen junge Menschen - die den Abend mitgestalten. Jutta Kahler-Wilke hat dafür junge Leute aus berufsvorbereitenden Klassen aktiviert. Jugendliche und junge Erwachsene also, die nach der Schule keinen Ausbildungsplatz erhalten hatten.

Ausstellung und „Rap“

Für den 12. November haben sich die Jugendlichen einen musikalischen „Rap“ vorgenommen. Außerdem schreiten die Besucher im Bürgerhaus durch einen „Armutstunnel“, um symbolisch Enge und Not zu spüren. Alle Interessenten sind willkommen - ob jung oder alt.

Begleitet wird die Podiumsrunde von einer Wanderausstellung zum Thema „Jugendarmut“. Die Ausstellung ist vom 11. bis 17. November im Bürgerhaus zu sehen.

Derweil ist das soziale Projekt MIT der evangelischen Kirche in Korbach selbst von finanzieller Not betroffen. So unterstützt die Sparkasse Waldeck-Frankenberg zu einem erheblichen Teil die Finanzierung. „Eine unserer zentralen Fördermaßnahmen für 2013“, unterstreicht Karlheinz Göbel (Marketing Sparkasse) den „gesellschaftlichen Auftrag“.(jk)

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