Schweinsbühl

Jugendhilfe mit tierischen Therapeuten

- Diemelsee-Schweinsbühl. Stress, familiäre Konflikte, Gewalt, Drogen: Die Auslöser für Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen sind vielfältig. Mit individuellen Angeboten Erziehungs-hilfe zu leisten, hat sich der Briloner Verein „Let‘s go“ zum Ziel gesetzt.

„Wir sind eine Spezialeinrichtung. Zu uns kommen nicht die schwierigsten, aber die bedürftigsten jungen Menschen, also die, die eine ganz individuelle Betreuung benötigen“, betont Geschäftsführerin und pädagogische Leiterin Britta Mohr (Usseln). Knapp 50 Jugendämter arbeiten nach Angaben ihres Mannes Axel Mohr, der in der Verwaltung in Brilon-Wald tätig ist, inzwischen mit den 23 „Let‘s go“-Einrichtungen zusammen.

Vermittelt werden Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die nach dem Kinder- und Jugendhilfe- gesetz auf Erziehungshilfen angewiesen sind. Anträge auf Erziehungshilfe können Erziehungsberechtigte stellen, aber auch die Ämter selbst können die Betreuung veranlassen.„Wir betreuen keine vorbestraften Jugendlichen, aber einige, die diesen Weg gehen könnten, wenn sie in ihrem Umfeld blieben“, erläutert Britta Mohr. „Zu „Let‘s go“ kommen zahlreiche „scheinautonome Jugendliche, die denken, sie kommen ohne Erwachsene aus“.

Sie leben zum Beispiel in einer Clique oder in einer Computerwelt, gehen nicht mehr zur Schule, trinken und prostituieren sich. Darüber hinaus gehören nach Angaben der Fachfrau Patienten mit psychischen Erkrankungen wie Angst-, Wahrnehmungs- und Persönlichkeitsstörungen, zum Beispiel dem Borderline-Syndrom, zum Klientel. Nicht selten haben sie schon einige Jugendhilfe-Einrichtungen hinter sich. Insbesondere bei Borderline-Patienten, die ihre Welt in Schwarz und Weiß aufteilten, sei durch Tiere als pädagogische Helfer viel zu erreichen, verweist Britta Mohr auf den tiergestützten Ansatz. In zwei Dritteln ihrer Gruppen und Lebensgemeinschaften wird darauf gesetzt. „Tiere sind Eisbrecher, denen in der Regel schneller vertraut wird als dem Therapeuten.“ Ein Hund höre zum Beispiel zu und spende Trost, indem er den Kopf auf die Knie lege. „Die Kommunikation verläuft zunächst auf der Gefühlsebene. Erst im zweiten Schritt gilt es, das Vertrauen auf den Tierbesitzer, also den Betreuer zu übertragen“ – eine wesentliche Etappe, um soziale Isolation zu überwinden.

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