Bürgermeisterwahl in Korbach

Junge Reporter fragen Kandidaten - Videos

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„Reporter im Wahlkampf“ bei der WLZ in Korbach: (v.l.) Karsten Zolna, Marcel Ruddies, Eric Friedewald, Ruben Tepel, Maja Hoppmann, Christopher Hedler.

Korbach - Am 23. September ist Bürgermeisterwahl in Korbach. Doch welche Fragen stellen sich junge Menschen? Für die WLZ gingen sechs Gymnasiasten als Reporter in den Wahlkampf und führten Interviews mit den beiden Kandidaten - Amtsinhaber Klaus Friedrich (parteilos) und Herausforderer Martin Dörflinger (SPD)

Hier geht es zum Interview mit Klaus Friedrich:

Hier geht es zum Interview mit Martin Dörflinger:

Wenn Sie noch einmal jung wären: Wie unterscheidet sich das heutige „junge“ Korbach im Vergleich zu dem Ihrer eigenen Jugendzeit?

Friedrich: Ich habe viele schöne Erinnerungen. Aber auf der anderen Seite, wenn ich heute auf Korbach gucke, wie sich alles gewandelt hat: Diese Stadt ist aufgeblüht, nicht nur in der Frage von Attraktivierung in der Fußgängerzone, in den vielen Vereinsstrukturen die wir haben. Alles in allem eine Stadt in der es sich leben lässt.

Dörflinger: Das ist sicherlich schwierig, so eine Frage heute zu beantworten. Aber wenn ich zurückdenke, dann meine ich, dass es früher doch mehr Angebote für junge Menschen gab. Auf der einen Seite gab es früher deutlich mehr Einkaufsmöglichkeiten für junge Menschen in Korbach. Auf der anderen Seite, wenn man an das kulturelle Leben denkt, an die Kneipen-Szene, dann glaube ich, dass es heute sicherlich schöne Kneipen gibt, aber gerade für junge Menschen hat das Angebot in den letzten Jahren doch deutlich nachgelassen.

Viele Geschäfte in der Innenstadt stehen leer, und die Korbacher Einkaufsstadt gibt für viele kein attraktives Bild ab. Wie kam es dazu?

Friedrich: Man muss da sicherlich differenzieren. Jeder Leerstand ist einer zu viel. Es gibt aber verschiedene Gründe: Das eine ist ein Trend, dem wir alle unterliegen. Wer hat nicht schon bei Amazon ein Buch bestellt? Bei Insolvenzen wie jetzt bei Schlecker, das sind vier Geschäfte auf einen Schlag, ist es für uns sehr schwer gegenzusteuern. Doch Fielmann, C&A, Manhenke, Schreiber: All diese Dinge sind neu dazugekommen. Auf der anderen Seite ist es viel wichtiger, was wir jetzt gegen den Leerstand unternehmen. Es gibt viele Dinge, die sich positiv entwickeln. Das eine ist das Thema am Güterbahnhof, dieses Geschäftszentrum nimmt jetzt seinen Weg. Das zweite ist das große Problem der City-Passage, hier laufen Gespräche mit dem Investor. Und das, was im Moment am meisten ins Auge sticht, ist Woolworth/Greko. Hier ist der Eigentümer dabei zu planen, es geht um die gesamte neue Struktur in diesem Geschäft. Im Gespräch sind Müller und H&M, dann würden wir das Segment „Young Fashion“ endlich schließen können.

Dörflinger: Diese bedauerliche Entwicklung schreitet schon seit Jahren voran. Nachdem wir in den 70er-Jahren unsere schöne Fußgängerzone gebaut haben, haben wir dann im Laufe der Zeit und gerade in den letzten Jahren hier den Anschluss verloren. Die Fußgängerzone ist in die Jahre gekommen. Die Gewohnheiten und die Ansprüche haben sich geändert, und ich denke, dass man hier in den letzten Jahren doch Einiges versäumt hat. Wir müssen uns dem mit ganzer Kraft entgegenstemmen. Ich bin jemand, der aus der Wirtschaft kommt, und fest davon überzeugt, dass wir diese Entwicklung nur ändern können, wenn wir Wirtschaftsförderung zur Chefsache machen und hier einen ganz neuen Ansatz finden. Ich sage ganz deutlich, dass die Wirtschaftsförderung in den letzten Jahren nicht genug getan hat, um attraktive Geschäfte an Korbach zu binden oder neue Geschäfte nach Korbach zu holen.

In Bezug auf die Jugend: Welche Möglichkeiten sehen Sie zur Erweiterung des kulturellen Programms der Kreisstadt?

Friedrich: Ich weiß nicht, ob das Programm noch breiter werden muss, es muss nur manchmal anders werden. Für die Größe unserer Stadt haben wir ein sehr dichtes Kulturprogramm. Es gibt Dinge, die fehlen, zum Beispiel ein attraktives Kino. Wir sind mit einem Investor aus Kassel im Gespräch, der noch das geeignete Gelände sucht. Und wir müssen uns immer wieder hinterfragen, ob das Angebot noch zeitgemäß ist. Mehr bedeutet nicht gleichzeitig mehr an Qualität, wir müssen uns immer wieder einer Veränderung stellen.

Dörflinger: Wir brauchen in Korbach ein abgerundetes, ganzheitliches Kulturprogramm, was von einem Angebot für Kinder bis hin zu Senioren führt. Das ist in der letzten Zeit etwas zu kurz gekommen. Und nur Altstadt-Kulturfest oder Nightgroove sind keine Punkte, die letzten Endes das ganze Jahr über überzeugen können. Ich glaube, dass wir hier auch nach den Bedürfnissen der jungen Menschen fragen müssen, was sie attraktiv fänden und was wir in Korbach anbieten könnten. Denn das ist ja das ganz große Ziel und die ganz große Frage, dass wir Korbach für junge Menschen, für Familien in der Zukunft attraktiv halten müssen. Ein ganz wichtiges Element ist da auch die Kulturpolitik.

Wie bewerten Sie Ihre politische Verantwortung im Zusammenhang mit den Versäumnissen und Fehlschlägen beim Bau des Korbacher Hallenbades?

Friedrich: Das Hallenbad wird betrieben von der EWF, Eigentümer und Bauherr ist auch die EWF. Im Moment muss man erst einmal die Schäden differenzieren und klare Haftungzuordnungen treffen. Ich werde mich nicht davor scheuen, jeden Weg mitzugehen und das notfalls auch gerichtlich auszutragen. Man darf ebenso nicht vergessen, dass wir in einer Demokratie leben. Das heißt, all das, was beschlossen wurde, waren Gremienbeschlüsse - beim Hallenbad überwiegend einstimmig. Gemeinsam mit der EWF wird die Stadt dafür Sorge tragen, dass die vorhandenen Mängel so schnell wie möglich beseitigt werden: Wir wollen ein funktionierendes Schwimmbad, nur darauf kommt es an …

… aber immerhin sind Sie als Bürgermeister auch Vorsitzender des Bäderausschusses .

Der Vorsitz hat aber immer nur eine Stimme, wenn ich keine Mehrheit bekomme, kann es nicht funktionieren. Und noch mal: Das Bad gehört der EWF. Man kann nicht so tun, als hätte der Bürgermeister die Fliesen gelegt.

Rot-Grün hat im Bäderausschuss bekanntlich die Mehrheit. Wie bewerten Sie Ihre persönliche Verantwortung im Zusammenhang bei dem Bau des Korbacher Hallenbades, Herr Dörflinger?

Dörflinger: Eine persönliche Verantwortung kann ich, ohne hier flüchten zu wollen, für mich natürlich ausschließen, da ich ja nun in der Zeit, in der diese Entscheidungen getroffen wurden, noch nicht parlamentarisch tätig war. Sie fragen nach der Verantwortung im Bäderausschuss, wo ja auch Mitglieder meiner Fraktion dringesessen haben. Sicherlich glaube ich, dass der Bäderausschuss die ein oder andere Entscheidung durchaus hätte anders treffen sollen - und ich hätte sie auch anders getroffen. Aber man darf nicht vergessen, dass die politischen Mitglieder dieses Gremiums alle ehrenamtlich sind und natürlich im Wesentlichen danach entscheiden, was ihnen als Vorlage geliefert wird. Und hier, wenn Sie von Verantwortung sprechen, nicht von persönlicher, aber von politischer, dann muss man natürlich deutlich sagen, dass hier der Vorsitzende des Bäderausschusses, unser Bürgermeister, natürlich der einzige Hauptamtliche in diesem Gremium war, zugleich stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der EWF. Hier muss man sicherlich nach politischer Verantwortung durchaus fragen dürfen …

… auch wenn Herr Friedrich als Vorsitzender im Bäderausschuss nur eine Stimme hatte?

Selbstverständlich, aber natürlich gleichzeitig als Chef der Verwaltung und hauptamtliches Mitglied trifft ihn natürlich eine besondere Verantwortung.

Welche Eigenschaften hat ihr Gegenkandidat, die Sie persönlich nicht haben oder bewundern?

Friedrich: Zunächst einmal ist es ganz wichtig, dass es bei einer Wahl Alternativen gibt. Herr Dörflinger hat im Gegensatz zu mir seine schlanke Figur behalten.

Dörflinger: Bei Bewundern fällt mir jetzt spontan nichts ein. Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen, das ist auch gut und richtig so. Ich bin völlig unmusikalisch und ich glaube, dass mein Gegenkandidat diese Eigenschaft besitzt, denn ich habe ihn des Öfteren mal im Chor mitsingen sehen.

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