Verdienstorden der Bundesrepublik an Marlene Schmieding-Ohlendorf verliehen

„Kämpferin mit großem Herz“

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Bundesverdienstorden für Marlene Schmieding-Ohlendorf: Es gratulierten Dr. Walter Lübcke, Pfarrer Markus Heßler, Bürgermeister Klaus Friedrich, Ehemann Henning Ohlendorf und Dr. Wolfgang Werner.Fotos: Theresa Demski

Korbach. - Seit fast 50 Jahren setzt sich Marlene Schmieding-Ohlendorf für Menschen mit Behinderung ein. Sie bekam dafür am Montag vom Regierungspräsidenten den Verdienstorden der Bundesrepublik verliehen.

Als Krankengymnastin machte sie sich 1965 zum ersten Mal auf den Weg zu einer Info-Veranstaltung für Eltern mit behinderten Kindern. Die fand in einem Abstellraum für Kinderwagen statt. Vor so viel Leid wollte Marlene Schmieding-Ohlendorf weglaufen, aber sie blieb. Seit damals setzt sich die Korbacherin für Menschen mit Behinderung ein.

Frau der ersten Stunde

„In den 60er-Jahren, als Menschen mit Behinderung noch versteckt wurden, da ermutigte sie schon Eltern, mit ihren Kindern in die Öffentlichkeit zu gehen“, erinnerte Dr. Wolfgang Werner vom Lebenshilfe-Werk, „das ist ihre Lebensleistung“. Sie bot heilpädagogische Spielnachmittage für geistig und körperlich behinderte Kinder an und gehörte im gleichen Jahr zu den Gründern des Vereins „Lebenshilfe Waldeck“. Der Stein war ins Rollen gekommen. „Und Marlene Schmieding-Ohlendorf war eine Frau der ersten Stunden“, lobte Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke gestern Nachmittag bei der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Mit Geduld, Beharrlichkeit und viel Herz habe sie für die Benachteiligten gekämpft, um einen Zugang zu Bildung und Ausbildung gerungen.

1969 erwirkte sie die Eröffnung der ersten Sonderkindertagesstätte und einer Anlernwerkstatt, die anfangs noch ehrenamtlich geführt wurde, bevor das Lebenshilfe-Werk gegründet wurde. Sie selbst übernahm die Leitung der Kindertagesstätte. Auf die Vergrößerung der Einrichtung folgte die Eröffnung der ersten Werkstatt für Menschen mit Behinderung und schließlich die Gründung des Lebenshilfe-Betreuungsvereins.

„Gnädige Frau, Sie waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, lobte der Regierungspräsident. Den hatte die patente Korbacherin bei seiner Ankunft gar nicht erkannt. „Gut so“, befand Lübcke, „Sie legen Ihr Augenmerk auf das Leben und nicht auf die Politik.“ Überhaupt sei es ihr immer um die Sache gegangen, nie um sich selbst, ergänzte Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich.

Streiten für Gerechtigkeit

Zuweilen in deutlichen Worten habe sie für ihre Sache gestritten, erinnerte Pfarrer Markus Heßler schmunzelnd an viele Spuren, die Marlene Schmieding-Ohlendorf in der Kiliansgemeinde hinterlassen hat - als Kirchenvorsteherin und Mitbegründerin des Besuchsdienstes. „Und sie hat uns auch eine Schulter zum Anlehnen geboten“, bedankte sich Heßler.

Was ihr Antrieb gewesen sei? „Ich war geprägt von der Erinnerung an den Umgang mit behinderten Menschen im Dritten Reich“, sagte sie, „und ich nahm mir vor, mein Leben lang dafür zu streiten, dass so etwas nie wieder vorkommt“. Gerührt bedankte sie sich für die vielen guten Worte, mit Tränen reagierte sie aber nur auf einen Beitrag: Die Kinder der Kindertagesstätte der Lebenshilfe bedankten sich mit Liedern und Rosen bei ihr für die Weichen, die sie vor 50 Jahren gestellt hat und die ihnen heute ein Aufwachsen in Freiheit und Geborgenheit ermöglichen.

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