Umfeld der Fossilienspalte soll attraktiver werden, doch die Investition ist umstritten

Kalkturm steht auf der Kippe

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Korbach - Seit fünf Jahren sondiert die Stadt, das Umfeld der berühmten Korbacher Fossilienspalte für Touristen und Fachpublikum besser zu vermarkten. Die Pläne sind endlich baureif - doch ein Teil des Parlaments scheut inzwischen die Kosten.

In der „Korbacher Spalte“ lagern weltbedeutende Fossilien. Die Knochenreste stammen von skurrilen Tierformen aus der Permzeit vor rund 250 Millionen Jahren. Im Zentrum stehen versteinerte Überreste des rund 60 Zentimeter großen „Urweltdackels“ Procynosuchus - eines Vorfahren der Säugetiere, und damit auch der Menschen.

Ähnliche Funde sind nur aus dem südlichen Afrika bekannt. Somit dient just die Korbacher Spalte zugleich als Beleg für den damaligen Superkontinent Pangaea, der eine Brücke schlug zwischen den heutigen Landmassen Afrikas und Europas.

Weltbedeutende Fossilien

In den 1990er-Jahren leiteten Karlsruher Forscher etliche Ausgrabungen in Korbach. Die Funde erregten weltweites Aufsehen, und etliche Experten schätzen das fossile Grab im Steinbruch an der Frankenberger Landstraße so wertvoll ein wie die Grube Messel bei Darmstadt - ein Weltkulturerbe.

Zugleich ist der Kalkstein aus dem Steinbruch ein Material der Korbacher Industriegeschichte bis weit ins 20. Jahrhundert. Das Gestein wurde dort zermahlen, der Kalk auf Waggons geladen und mit der Bahn verschickt. Reste der Kalköfen und der Turm an der Frankenberger Landstraße sind noch erhalten. Doch der Kalkturm ist bröckelig - vor allem seit ein Orkan 1990 das Dach weggerissen hat.

Nach langen Vorplanungen überreichte das Land Hessen im April 2012 einen dicken Scheck mit 371 000 Euro Zuschuss aus einem EU-Programm. Insgesamt sind 750 000 Euro vorgesehen, um den Turm zu sanieren - und zugleich das gesamte Umfeld bis zur „Spalte“ dahinter attraktiv zu gestalten.

Diese Woche legte das Bauamt in den Ausschüssen des Parlaments die neuesten Pläne vor. Noch 2013 sollte das Projekt beginnen, 2014 dann abgeschlossen werden. Dabei würde der Turm saniert, mit Ausstellungsstücken versehen und durch eine gewendelte Treppe bis unters Dach begehbar für Besucher - schöne Aussicht auf die Fossilienspalte inbegriffen.

Dabei hatte das Bauamt mit dem Korbacher Planungsbüro Kepplin und Kampkötter den Umbau des Turms noch mal abgespeckt: Statt schneckenförmigem Aufgang und Glashaus gibt es nunmehr eine viel schlichtere Variante für den Eingang.

Personal ist nicht vorgesehen. Besucher sollen über das Museum Kombikarten erwerben, mit denen sie dann auch Zutritt in den Kalkturm erhalten.

Bürgermeister Klaus Friedrich und Korbachs neuer Bauamtsleiter Stefan Bublak plädierten am Mittwochabend im Finanzausschuss vehement dafür, das Projekt zu verwirklichen. Zumal die Korbacher Spalte auch Dreh- und Angelpunkt des Geoparks „Grenzwelten“ werden soll - mit all den Bergwerken, Fossilfundstätten und geologischen Besonderheiten in Wal­deck-Frankenberg.

Geopark und Kalkindustrie

Der Kalkturm würde aber nicht nur zum „Geo-Foyer“ für Besucher: Das Projekt soll auch den bislang schäbigen Ortseingang an der Frankenberger Landstraße deutlich verbessern. Fazit des Rathauschefs: Trotz des bevorstehenden nächsten Sparpakets der Hansestadt sei das Projekt eine sinnvolle und langfristig wirksame Investition in Korbachs Zukunft.

So sahen es auch Helmut Schmidt für die SPD-Fraktion, CDU-Fraktionschef Heinz Merl für sich persönlich und FDP-Sprecher Arno Wiegand. Zumal die Landeszuschüsse verfallen, wenn die Stadt nicht zupackt. Als Alternative bliebe dann wohl nur der Abriss des bröckelnden Kalkturms und eine weiterhin für Besucher versteckte Korbacher Spalte.

Die Abwägung im Parlament und quer durch die Fraktionen ist jedoch höchst strittig. „Ich hätte nie gedacht, dass ich Herrn Dr. Koswig einmal zustimmen würde“, meinte Manfred Figge. Denn Grünen-Fraktionschef Dr. Peter Koswig befand lakonisch: Sicherlich wäre das Projekt eine schöne Sache, aber „in vier Wochen sitzen wir hier mit großem Zähneklappern, wenn es um die Giftliste geht.“ Gemeint ist das finanzielle Sparpaket, das in Korbach wohl höhere Steuern und Einschnitte bringen wird.

Neben Koswig und Figge lehnte ebenso FWG-Fraktionschef Kai Schumacher das Projekt im Ausschuss ab. „Ich sehe die Bedeutung, aber ich sehe auch höhere Lasten für Bürger und Unternehmen. Das kann ich ihnen nicht antun.“

So gab es bei der Abstimmung im Finanzausschuss ein Patt von 5:5 Stimmen. Entscheiden soll das Parlament am 5. September.

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