Seit 30 Jahren fordern die Adorfer vergebens einen Fußgängerüberweg in der Ortsmitte

Der Kampf für weiße Streifen

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Seit 30 Jahren setzen sich die Adorfer und die Gemeinde Diemelsee für einen Fußgängerüberweg in der Ortsmitte ein – ohne Erfolg. Gestern wurden der Zebrastreifen kurzerhand selbst errichtet.

Diemelsee-Adorf - Der damalige Ortsvorsteher Otto Witsch war es, der sich vor 30 Jahren für einen Fußgängerüberweg in der Adorfer Ortsmitte stark machte. Drei Jahrzehnte später gibt es noch immer keinen Zebrastreifen, der Wunsch der Einwohner bleibt bestehen.

Ein Auto folgte gestern Morgen auf das nächste, zwischendurch fuhren immer wieder Lastwagen und Traktoren am Adorfer Dorfplatz vorbei. Das Verkehrsaufkommen in der Ortsmitte ist groß. Und an dieser Stelle überqueren viele Fußgänger die Hauptstraße: Kinder auf dem Weg zur Schule oder zur Bushaltestelle und Erwachsene, die vom Parkplatz zum Beispiel zur Apotheke auf der anderen Seite wollen.

Seit 30 Jahren setzen sich die Mitglieder des Adorfer Ortsbeirates und die Diemelseer Bürgermeister aus drei Jahrzehnten für einen Zebrastreifen dort ein. Doch immer wieder wurde der Antrag abgelehnt - so auch Ende September. Die Begründung: Zu wenig Fußgänger- und Verkehrsaufkommen. Das haben Zählungen von Hessen Mobil ergeben. „Das ganze an Zahlen festzumachen, halte ich für die schlechteste Lösung“, sagt Bürgermeister Volker Becker. Er appelliert an den Landrat, die Entscheidung nochmal zu überdenken. „Es muss ja nicht erst jemandem etwas passieren.“

Ob Schüler und Kindergartenkinder mit Plakaten, MPS-Schulleiter Jürgen Wohlfahrt, Vertreter vom Ortsbeirat um Ortsvorsteher Bernd Becker, Vorsitzende der Elternbeiräte oder Apotheker Ulrich Seidel: Sie alle haben gestern auf das Problem aufmerksam gemacht - und mit den Mitarbeitern des Bauhofs kurzerhand einen Zebrastreifen angelegt.

„Zehn Minuten warten“

Auch Barbara Witthauer wünscht sich, sicher über die Straße zu kommen, die sie täglich überquert. Die 94-Jährige ist auf den Rollator angewiesen: „Manchmal muss ich zehn Minuten warten, bis der Verkehr so ruhig ist, dass ich über die Straße gehen kann.“ Melanie Berens vom Elternbeirat des Adorfer Kindergartens berichtet, dass ihre Großmutter beim Überqueren bereits angefahren worden sei. Und Ortsvorsteher Bernd Becker findet, dass im Zuge der Straßenarbeiten die Gelegenheit für einen Zebrastreifen so günstig wie nie sei.

Doch die Chancen darauf stehen trotz aller Bemühungen wohl eher schlecht. Nach Informationen von Volker Becker fahren täglich 750 Lastwagen durch Adorf. Innerhalb von einer Stunde müssten 30 Schulkinder und 300 Fahrzeuge am potentiellen Ort für den Zebrastreifen gezählt werden. Das erklärt Dr. Hartmut Wecker, Pressesprecher des Landkreises. Ausnahmeregelungen seien nicht vorgesehen.

Zudem sei festgestellt worden, dass an Zebrastreifen mit wenig Fußgängeraufkommen die Unfallgefahr sogar höher sei, weil die Autofahrer dort unaufmerksamer seien. Das ist ein Argument, das die Adorfer nicht nachvollziehen können. Und auch wenn der eigens angelegte Fußgängerüberweg gestern nur eine kurze Verweildauer hatte, so wurde doch verdeutlicht, was ein paar weiße Streifen auf Asphalt ausmachen können.

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