Mies-van-der-Rohe-Schule (Aachen) zeigt Brecht-Stück „Heilige Schlachthöfe“

Ein kapitales Süppchen gekocht

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Trau‘ mir über den Weg! Die Hinterlist steht den Börsianern ins Gesicht geschrieben.Foto:

Korbach - „Ihr also auch!“, möchte man meinen. Nun hat nach der Politik und Justiz sogar die Kultur vor jenen Bonzen kapituliert, die die Finanzkrise mit ihren verheerenden Folgen angezettelt haben.

Die Aufführung „Heilige Schlachthöfe - Ein Stück Brecht“ der Theatergruppe der Mies-van-der-Rohe-Schule aus Aachen lässt am Ende einen frustrierten und nachdenklichen Zuschauer zurück - trotz vieler anschaulich inszenierter Bilder, ideenreicher Videosequenzen, guter gesanglicher und schauspielerischer Leistungen. Was sich dort auf der Bühne abgespielt hat, hinterlässt das Gefühl: machtlos gegen das Kapital - für alle Ewigkeit! Amen. Die Aufführung zeigt nämlich auch: Gott und die Kirche haben gegen die Geldgier ebenfalls kein Gegenmittel.

Dabei hat das 18-köpfige Ensemble ein Stück aufgeführt, das bereits rund 90 Jahre alt ist. Bertolt Brecht schrieb „Heilige Johanna der Schlachthöfe“ in jener Zeit, als in den 20er-Jahren auch eine Weltwirtschaftskrise von einigen wenigen ausgelöst wurde und ebenfalls viele andere darunter leiden mussten. Mensch, warum hast du nichts daraus gelernt? Wer das Stück sieht, meint die Zeit wäre stehen geblieben. Immer noch gibt es diese Konzernchefs wie diesen Fleischbaron Mauler aus Chicago, der mit Intrigen und Insiderhandel für die Gewinnmaximierung seines Schlachtkonzerns nicht nur über Rinderleichen geht, immer noch gibt es diese Börsenspekulanten, die mit ihren Wetten Einfluss darauf haben, ob Menschen essen oder hungern, leben oder sterben.

Und immer noch gibt es die Arbeiter, die zum minderwertigen Produktionsfaktor degradiert werden. Und die einzigen Hoffnungsträger auf Veränderung, die „Schwarzen Strohhüte“, eine Parodie Brechts auf die Heilsarmee, angeführt von Johanna Dark, werden von ihren Gegnern durch Intrigen so geschickt geködert, dass sie die Glaubwürdigkeit in ihren eigenen Reihen verlieren - der Betriebsrats-Skandal bei VW lässt grüßen. Dark wird aus Enttäuschung von den eigenen Anhängern getötet. Mit ihr stirbt auch das gute Gewissen und die Moralinstanz für eine gerechtere Welt. Wer soll die gierige und egoistische Bestie Kapitalismus jetzt noch stoppen?

„Es ist noch Suppe da, es ist noch Suppe da“, sangen die Schauspieler zu Beginn ihres Stückes und sie haben Suppe aus großen Töpfen an einige Zuschauer verteilt: Was da auf dem Teller schwamm, war aber noch nicht mal ein Süppchen, das war inhaltslos, dünn und wässrig. An den Fleischtöpfen sitzen eben andere. Gewöhnt euch gefälligst daran! Es sei denn, der Mensch findet neue Formen des Miteinanders, in denen dieser Satz auch gelebt wird: Bei Geld fängt die Freundschaft an. (rsm)

Hintergrund Ja, sie lebt noch: die Korbacher Theaterwoche. Dr. Hartmut Wecker, Leiter für Öffentlichkeitsarbeit und Kultur im Kreishaus, und die Kreisbeigeordnete Monika Svoboda haben die traditionelle Veranstaltung am Montagabend in der Stadthalle eröffnet, die in diesem Jahr unter dem Motto „100 Prozent Korbach“ steht. Zum 63. Mal hebt sich der Vorhang für die Theaterwoche, die fast dem Rotstift der Politik zum Opfer gefallen wäre, wenn sich nicht ein Förderverein für das Festival gegründet hätte. Der suche noch Mitglieder und Sponsoren, betonte Svoboda in ihrer Eröffnungsrede.

Die Kreisbeigeordnete dankte allen, die mitgeholfen haben, dieses Festival zu retten. „Es war schon beeindruckend, wie viele Menschen, überall in Deutschland, sich für den Erhalt dieser Veranstaltung eingesetzt haben. In erster Linie waren dies natürlich Theatergruppen, aber auch viele Ehemalige, die zum Teil schon in den Fünfzigerjahren an der damaligen ‚internationalen Waldecker Laienspielwoche‘ teilgenommen hatten.“ Die Theaterwoche 2012 läuft erstmals unter der finanziellen Verantwortung des Förderkreises mit dem Vorsitzenden Michael Schwarzwald.(rsm)

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