Sie waren jung und brauchten das Geld: Korbacher berichten über ihre Ferienjobs

Ab 6 Uhr Kartoffeln schälen

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Korbach - Alles begann mit Ferienjobs - heute leiten sie Unternehmen, Behörden oder arbeiten in anderen verantwortungsvollen Positionen. Sechs Korbacher erzählen, wie sie sich als Schüler ihr Taschengeld aufgebessert haben.

„Pfannen spülen für 7,50 Mark Stundenlohn“: Rebekka Rieth-Figge, die Leiterin der Korbacher Jugendherberge, hat als 16-jährige Schülerin vier Wochen in der Kantine des Korbacher Conti-Werks gejobbt. Sie war jung und brauchte das Geld - für ihr erstes Auto. Das wurde dann ein roter Suzuki, den sie acht Jahre lang fuhr. Bei ihrem damaligen Chef hat sie bleibenden Eindruck hinterlassen: „Der kennt mich immer noch.“

Uwe Kemper, Leiter der Agentur für Arbeit Korbach, verdingte sich als Schwimmmeister in den Sommerferien: „Meinen ersten Ferienjob machte ich mit 17 im Vellmarer Freibad. Während der schulfreien Zeit arbeitete ich dort drei Wochen als Schwimmmeister.“ Das hieß zum einen, für Ordnung zu sorgen, also täglich aufzuräumen oder auch mal den einen oder anderen Jugendlichen zu ermahnen. Das hieß zum anderen aber auch, die Sicherheit zu gewährleisten. „Als ‚Rettungsschwimmer in Silber‘ erfüllte ich die Voraussetzungen, in Rettung und Erstversorgung ausgebildet zu sein“, sagt Kemper.

Doch weniger Badeunfälle als beispielsweise Insektenstiche machten damals Hilfsaktionen notwendig: „Schließlich hatten wir damals noch richtig Sommer und fast täglich Tausende von Besuchern.“ Später arbeitete Kemper dann auch beim Rettungswachdienst am Timmendorfer Strand an der Ostsee, wo die Gefahr heikler Situationen wegen gefährlicher Strömungen und ablandiger Winde natürlich ungemein größer war. „Der DLRG Vellmar bin ich übrigens seit meinem 14. Lebensjahr als Mitglied verbunden und seit 1998 auch Vorsitzender dieses Ortsverbandes“, so der Leiter der Arbeitsagentur.

Dirk Trompeter, Geschäftsführer von Horizont, bewies zunächst einen grünen Daumen: „Als Schüler habe ich bei älteren Damen Rasen gemäht oder Obst gepflückt“, sagt Trompeter. Dafür gab es acht Mark die Stunde. Später pflegte er in einer Kolonne auf dem Friedhof in Kassel Gräber. Als Student in den 80er-Jahren bestückte oder reparierte er Leiterplatten für den Elektronikbetrieb Tewikon in Bad Wildungen. Das seit 1992 nicht mehr bestehende Unternehmen war damals Zulieferer für Horizont - die Firma, die er später leiten würde. In den Semesterferien arbeitete Trompeter direkt im Betrieb, während des Semesters in Heimarbeit. „In der Anfangsphase war ich nach acht Stunden Arbeit geschafft. Man musste sich schon ans Arbeiten gewöhnen, seinen Rhythmus umstellen“, sagt Trompeter. Als Stundenlohn gab es zehn Mark.

Ferienjobs kann der Horizont-Geschäftsführer nur jedem Jugendlichen empfehlen: „Es ist interessant, in Betriebe hineinzuschauen, man bekommt einen Einblick in verschiedene Arbeitsfelder.“

1500 Mark für ein Mofa - für eine 15-Jährige eine Menge Geld. Um ihren Traum zu verwirklichen, arbeitete Dekanin Eva Brinke-Kriebel als Jugendliche in der Küche des Stadtkrankenhauses Fulda. „Sechs Uhr ging es jeden Morgen los“, erinnert sie sich. Während sie vier Wochen lang in den Sommerferien Kartoffeln schälte, Tabletts bestückte und spülte, waren ihre Freunde auf einer Freizeit. „Das war besonders hart“, erinnert sich Brinke-Kriebel. Gut die Hälfte des Kaufbetrags für ihr Mofa bekam sie so zusammen. Später saß sie bei Messen wie der Oberhessenschau im Kassenhäuschen und verkaufte Eintrittskarten.

Schwere Kästen und Fässer schleppte der Korbacher Wirtschaftsförderer Werner Niederquell in seiner Jugend: „Ich war Bierkutscher“, schmunzelt er. In den Ferien arbeitete er im väterlichen Getränkehandel und half bei der Auslieferung. „Das war auch Krafttraining“, sagt Niederquell. An den Lohn kann er sich nicht mehr genau erinnern: „Es gab etwas zum Taschengeld hinzu.“

In einem Galvano-Betrieb in seiner Heimat Iserlohn verdiente Dechant Gisbert Wisse mit 16 Jahren sein erstes eigenes Geld. Arbeitsbeginn war sechs Uhr morgens, den ganzen Tag tauchte er mit einem Kollegen fünf Meter lange Rohre in ein Galvano­bad, um sie zu verzinken und zu verchromen. „Es hat gutgetan, gerade für einen Gymnasiasten, die Arbeitswelt kennenzulernen“, sagt Wisse. Die Bezahlung sei damals allerdings sehr schmal gewesen: Es gab 2,50 Mark pro Stunde. „Das Geld wurde wöchentlich bar in Lohntüten ausgezahlt“, erinnert sich der katholische Priester. Die Erfahrung sollten Jugendliche machen, meint Wisse: „Man bekommt ein anderes Verhältnis zum Geld.“

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