Katholisches Bildungswerk organisiert Vorträge zum Zweiten Vatikanischen Konzil

„Katholiken näher zusammenbringen“

+
Zum Zweiten Vatikanischen Konzil kommen Papst und Bischöfe zwischen 1962 und 1965 mehrfach im Petersdom in Rom zusammen. Das Katholische Bildungswerk im Dekanat Waldeck lädt zu einer Vortragsreihe zum Konzil ein.

Korbach - Impulse für das Leben in den eigenen Gemeinden erhoffen sich die Verantwortlichen des Katholischen Bildungswerks im Dekanat Waldeck durch eine Vortragsreihe zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Sie laden ab März an sechs Abenden ein.

„So etwas Großes haben wir noch nie gemacht“, betont Robert Gassner, Vorsitzender des Katholischen Bildungswerks, als er gestern in Korbach das Programm präsentiert. Laut Gassner organisieren die Katholiken die Vortragsreihe gleich aus mehreren Gründen:

„Wir versuchen, neue Überlegungen in der Theologie in die Gemeinden zu bringen“, erklärt Gassner. „Jahr des Glaubens“ Darüber hinaus habe Papst Benedikt XVI. am 11. Oktober 2012, dem 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils (siehe Hintergrund), das „Jahr des Glaubens“ ausgerufen.

Ziel des Papstes ist nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (www.dbk.de), „der tiefen Glaubenskrise in der modernen Gesellschaft entgegenzuwirken“.

„Auf Dekanatsebene haben wir daher überlegt, wie wir an die Weichen stellenden Themen des Zweiten Vatikanischen Konzils anknüpfen und die Katholiken näher zusammenbringen können“, begründet Gassner die Vortragsreihe. Herausforderungen, denen sich die katholischen Christen derzeit stellen müssen, sind zum Beispiel die „Diaspora-Situation“, also das Leben als christliche Minderheit in Wal­deck, sowie der Priestermangel und die damit verbundene Zusammenlegung von Gemeinden zu Pastoralverbünden.

Gassner: „Wir alle müssen lernen, über den eigenen Kirchturm hinaus zu schauen und in größeren Zusammenhängen Ideen zu entwickeln.“ „Bewusst öffnen“ Um auf diesem neuen Weg voranzugehen, entwickelten Vertreter aus dem gesamten Dekanat die Vortragsreihe, die in fünf Orten Station macht, gemeinsam.

Willkommen sind laut Gassner alle Interessierten – auch evangelische Christen und Menschen, die mit der Kirche nicht verbunden sind. „Wir wollen uns bewusst öffnen“, stellt der Vorsitzende des Bildungswerks klar und verweist zum Beispiel auf einen Vortrag zur Ökumene, den Dekan Peter Laucht (Bad Wildungen) hält. Insgesamt sind im Rahmen der Vortragsreihe von März bis November folgende sechs Veranstaltungen geplant:

Das Zweite Vatikanische Konzil – Vorgeschichte, Werdegang, wichtige Aussagen: 21. März, 19 Uhr, Gemeindehaus St. Marien, Korbach, Referent Monsignore Prof. Dr. Konrad Schmidt (Sundern-Stockum).

Sind wir alle Priester?: 24. April, 19 Uhr heilige Messe, 20 Uhr Vortrag, Pfarrheim St. Liborius, Bad Wildungen, Prof. Dr. Hans Hobelsberger (Paderborn). „An diesem Abend geht es um das allgemeine Priestertum aller Gläubigen, die Rolle des geweihten Priesters sowie die Strukturen und das Selbstverständnis in den Gemeinden“, verdeutlicht Gassner und fügt hinzu: „Der Priester ist wichtig, aber nicht alles in der Gemeinde.“

Liturgie und Konzil – Anstöße und Neubesinnung des Konzils zu einer Liturgie für die Menschen von heute: 23. Mai, 19 Uhr, Pfarrheim St. Maria Himmelfahrt, Waldeck, Propst Dr. Elmar Nübold (Paderborn). Gassner: „Wir erhoffen uns Anregungen für einen lebendigen, lebensnahen Gottesdienst.“

Schriftauslegung auf Grundlage des Konzils am Beispiel des „Blutrufs“: 19. September, 19 Uhr, Gemeindehaus St. Marien, Korbach, Prof. Dr. Willibald Bösen (Heusweiler).

Ökumene – Kirche und Amtsverständnis: 29. Oktober, 19 Uhr, Pfarrheim St. Johannes Baptist, Bad Arolsen, Dekan Peter Laucht (Bad Wildungen).

Das Verhältnis der Kirche zu nicht christlichen Religionen: 14. November, 19 Uhr, Jugendheim St. Peter und Paul, Eppe, Monsignore Prof. Dr. Konrad Schmidt (Sundern-Stockum).

Kirche lebt an vielen Orten Zeit zum gegenseitigen Kennenlernen bieten die Veranstalter an jedem der sechs Abende vor Beginn der Vorträge. „Alle Interessierten sollen sich nicht nur geistlich, sondern auch per Verkehrsmittel auf den Weg machen.

So entsteht die Möglichkeit, nicht nur Konzilsinhalte in ihrer heutigen Aktualität näher kennenzulernen, sondern auch die jeweils gastgebende Gemeinde“, heißt es im Informationsblatt zur Vortragsreihe. „Wir haben 2000 Flyer gedruckt und werden sie an diesem Wochenende in allen Kirchen verteilen“, berichtet Gassner.

Der Vorsitzende des Katholischen Bildungswerks freut sich schon heute auf zahlreiche Interessierte, denen „in Kopf und Herz klar werden soll, dass Kirche mehr ist als Sonntagsgottesdienst“. Für Gassner lebt Kirche auch an anderen „pastoralen Orten“, zum Beispiel dort, wo Menschen aus ihrem Glauben heraus sozial wirken, sowie in Glaubensseminaren (siehe weiteren Text)und Vortragsreihen.

Hintergrund

„Ein halbes Jahrhundert alt, aber nicht veraltet“ – mit diesen Worten überschreiben die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz auf ihrer Internetseite den Beitrag zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Aus Sicht der Bischöfe hat das am 11. Oktober 1962 durch Papst Johannes XXIII. eröffnete Konzil wesentlich den Weg dafür bereitet, dass sich die Kirche „den wandelnden Anforderungen der Zeit stellt, um im Leben der Menschen bedeutsam und wirksam zu bleiben“.

Rund 2800 Konzilsväter, zu denen der Papst und Bischöfe aus aller Welt gehören, debattieren zwischen 1962 und 1965 im Petersdom in Rom in vier mehrmonatigen Sitzungsperioden über folgende zentrale Fragen:

Wie kann die katholische Kirche ihre Botschaft unter den Rahmenbedingungen der modernen Welt und des weltanschaulichen Pluralismus angemessen verkünden?

Wie kann eine Reform der Liturgie und wie eine solche der Priesterausbildung aussehen?

Wie ist es um die Einheit der Christen, die Ökumene, bestellt?

Auf welche Weise lässt sich eine Aussöhnung von Kirche und Judentum herbeiführen?

Wichtigste Ergebnisse sind vier Konstitutionen:

Konstitution über die Kirche: Diesem neuen Kirchenverständnis zufolge ist „die Kirche das pilgernde Volk Gottes, in dem jeder Einzelne Mitverantwortung trägt“.

Konstitution über die Liturgie: 1970 werden Gottesdienst und Sakramente reformiert. Latein ist nicht mehr alleinige Liturgiesprache.

Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute: Die Öffnung der katholischen Kirche steht im Mittelpunkt.

Dogmatische Konstitution: Die wissenschaftliche Erforschung der Heiligen Schrift wird anerkannt. Darüber hinaus bietet das Konzil Gelegenheit zu Begegnung und Annäherung.(nv)

Quelle: www.dbk.de

Kommentare