Deutschlandweite Telefonnummer für ärztlichen Notdienst funktioniert nicht im Landkreis

Kein Anschluss unter dieser Nummer

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Waldeck-Frankenberg - Alles soll einfacher werden: Jeder Deutsche, der auf einen Hausarzt außerhalb der Sprechstunden angewiesen ist, wählt ab Montag die 116117. Wal­deck-Frankenberg allerdings ist ein weißer Fleck auf der Notdienstkarte.

Die Bauchschmerzen werden stärker, das Fieber sinkt nicht oder das eigene Kind reagiert allergisch auf ein Medikament: Es gibt viele nicht lebensbedrohliche Fälle, in denen der Anruf beim Hausarzt näher liegt als die 112 zu wählen. Außerhalb der Sprechstunden gibt es dafür einen ärztlichen Notdienst.

Keine Zentrale im Landkreis

Bis der am jeweiligen Tag zuständige Arzt und dann auch noch die Telefonnummer gefunden ist, kann viel Zeit vergehen. Dieses Problem soll ab Montag der Vergangenheit angehören. Dann gilt deutschlandweit die einheitliche Rufnummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst: die 116117. Von dieser wird dann zur für den Patienten zuständigen Notdienstzentrale weitergeleitet. Also genügt auch im Urlaub an der Nordsee ein Anruf bei dieser Nummer. Aber nicht überall wird die neue Nummer angeboten, auch nicht in Waldeck-Frankenberg.

Das habe an verschiedenen Orten unterschiedliche Gründe, erklärt Cornelia Kur, Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) gegenüber WLZ-FZ. „In Orten, in denen es den kollegialen Vertretungsdienst gibt, ist eine Weiterleitung von der 116117 zum diensthabenden Arzt nicht möglich.“

Der kollegiale Vertretungsdienst ist das Gegenstück zur Bereitschaftsdienstzentrale. In vielen Regionen Deutschlands haben sich Gemeinden zusammengetan und Notdienstzentralen gegründet. Diese sind dann häufig in Krankenhäusern ansässig, der diensthabende Arzt inklusive Sprechstundenhilfe ist also immer am selben Ort anzutreffen.

Diesem Modell sind auch Gemeinden im Landkreis gefolgt, allerdings in Kooperation mit Städten aus Nordrhein-Westfalen. Die Willinger erreichen ihren Notdienst im Winterberger oder Briloner Krankenhaus, Patienten aus Diemelsee fahren nach Marsberg und die Diemelstädter werden in Warburg versorgt. Außerhalb der Sprechstunden gilt für die drei Gemeinden die zentrale Rufnummer 0180/5044100. Der Zusammenschluss der Gemeinden hat auch den Vorteil, dass der einzelne Arzt weniger Notdienste versehen muss.

Alle anderen Städte und Gemeinden in Waldeck-Frankenberg sind in insgesamt zehn Bereiche aufgeteilt, die über keinen solchen zentralen Notdienst verfügen. Hier muss der Bedürftige also immer erst nach dem diensthabenden Arzt und der Nummer suchen. Zudem tauschen die Ärzte den Dienst häufig untereinander. So ist es nicht möglich, von der zentralen 116117 auf den Notdienst in Korbach, Frankenberg oder Bad Wildungen weiterzuleiten - auch wenn der Korbacher Notdienst unter 05631/1010 zu erreichen ist. Besonders kompliziert ist es für die Lichtenfelser. Dort ist je nach Wohnort entweder Frankenberg oder Korbach für den Notdienst zuständig.

„90 Prozent der Bürger von Hessen können die einheitliche Rufnummer nutzen“, erklärt Cornelia Kur. Vor allem in Nordhessen gebe es weiße Flecken auf der Landkarte.

Vielerorts Vorbehalte

Doch das muss nicht so bleiben. Vielerorts gäbe es Ansätze, den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu reformieren. So habe es auch im Main-Kinzig-Kreis Vorbehalte von Ärzten und Politikern gegenüber den Bereitschaftsdienstzentralen gegeben. Letztendlich schlossen sich dort zehn Gemeinden zusammen. Zwei Zentralen in Krankenhäusern sorgen dafür, dass die Wege für Patienten nicht zu weit werden.

Bleibt noch die Frage, warum die einheitliche Rufnummer dann nicht in Willingen, Diemelsee oder Diemelstadt funktioniert. Dort gibt es doch die Bereitschaftsdienstzentralen.

„Wir leiten generell nicht an kostenpflichtige Nummern weiter“, nennt Cornelia Kur das Problem. Denn die bereits vorhandenen Nummern werden durch die 116117 nicht ersetzt, es erfolgt nur eine Weiterleitung.

Die Waldeck-Frankenberger werden im Gegensatz zu den meisten Deutschen ab nächster Woche unter der Nummer nur die Ansage vom Band hören, dass der Service für sie nicht verfügbar ist. Das Projekt soll in Zukunft übrigens auch auf Europa ausgeweitet werden.

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