40 Prozent des Erdgases im EWF-Netz kommen aus Russland · Sicherheit durch Speicher und alternative

Kein Gas-Engpass wegen Ukraine-Krise

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Eine Erdgasbaustelle der EWF: Selbst wenn Russland den Hahn zudreht, sichern Lieferverträge die Versorgung.

Korbach. - Was passiert, wenn Russland den Gashahn abdreht? Waldeck-Frankenberg würde dennoch auch im Winter genügend Erdgas haben, beruhigt der heimische Energieversorger EWF.

Die Lage in der Ukraine weckt Furcht vor einem Szenario: Angesichts der Krim-Krise gehen zwei Drittel der Deutschen davon aus, dass Russland seine Erdgaslieferungen unterbrechen könnte. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag des Flüssiggasversorgers Primagas.

Deutschland bezieht fast 40 Prozent der Gasimporte aus Russland, die Hälfte davon nimmt den Weg über die Ukraine (siehe Hintergrund). Vergleichbar ist die Herkunft des Gases im Netz der Energie Waldeck-Frankenberg: „EWF bezieht von mehreren großen deutschen Vorlieferanten Erdgas. Die Erdgasmengen, die an EWF-Erdgaskunden geliefert werden, dürften deshalb sehr genau dem Liefermix in Deutschland entsprechen“, erklärt Vertriebsleiter Heinz Garthe, der bei dem heimischen Energieversorger für die Erdgasbeschaffung verantwortlich ist.

Stehen die Haushalte in Waldeck-Frankenberg nun ohne Erdgas da, wenn Russland den Gashahn zudreht? Nein, denn die Gasspeicher sind laut Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums derzeit zu rund 60 Prozent gefüllt.

Große Erdgasspeicher

Deutschland verfügt europaweit über die höchsten Speicherkapazitäten für Erdgas, insgesamt 22 500Milliarden Kubikmeter - genügend, um die Erdgasversorgung rechnerisch für fast ein Vierteljahr sicherstellen zu können. Zum Vergleich: „Sämtliche EWF-Kunden benötigen pro Jahr knapp 90 Millionen Kubikmeter Erdgas, wovon rund 34 Millionen Kubikmeter aus russischen Quellen stammen dürften“, sagt Garthe.

Genug für den Sommer

Ohnehin dürften die Verbraucher im Landkreis in den Sommermonaten auch ohne über die Ukraine geliefertes Gas gut über die Runden kommen: „Der Erdgasverbrauch der EWF-Kunden beträgt in den Monaten Mai bis September nur 13,2 Prozent des Jahresverbrauchs. Das heißt, rein rechnerisch werden in den nächsten fünf Monaten nur fünf Millionen Kubikmeter Erdgas aus Russland bezogen“, erklärt der Vertriebsleiter. Doch auch für den Winter generell und für außergewöhnlich kalte Wintermonate halten die Vorlieferanten immens große Speichervolumina vor. Garthe ergänzt: „Außerdem haben die Vorlieferanten der EWF Verträge mit anderen Lieferanten geschlossen, die regeln, dass im Falle eines Lieferengpasses sofort die Fördermengen aus anderen Quellen - etwa in Norwegen - deutlich erhöht werden.“

Preise bleiben stabil

Auf die Preise für die Endkunden hat die aktuelle weltpolitische Lage noch keine Auswirkung. EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller erläutert: „Seit dem 1. Oktober 2011, also seit mehr als zweieinhalb Jahren und somit für drei volle Heizperioden, sind die Erdgaspreise der EWF stabil.“ Der Energieversorger bietet seinen Kunden sogar eine Preisgarantie bis in den Herbst 2016 hinein - gegen einen Aufschlag auf den Arbeitspreis in einem speziellen Tarif.

Sogar günstiger geworden ist laut Schaller das Fahren mit Erdgasautos. An den vier Erdgastankstellen der EWF in Bad Arolsen, Bad Wildungen, Fritzlar und Korbach sei der Preis pro Kilogramm Erdgas von 1,149 Euro auf jetzt 1,129 Euro gesunken.

Hintergrund

Das in Deutschland verwendete Erdgas stammt zu 20 Prozent aus Norwegen, zu 38 Prozent aus Russland und zu 26 Prozent aus den Niederlanden. Nur zehn Prozent kommen aus Deutschland selbst. Sechs Prozent des Erdgases stammen aus Dänemark, Großbritannien und sonstigen Ländern (Quelle: BDEW, Stand 02/2014). Betrachtet man die Entwicklung der Importmengen über mehrere Jahre, so schwanken die Länderanteile durchaus: Betrug im Jahr 2000 der Anteil des Erdgases aus Russland 37 Prozent, waren es 2009 zwischenzeitlich nur 29 Prozent. Die Liefermengen aus den anderen Herkunftsländern verhalten sich entsprechend. Zuletzt hatte Russland im Winter 2006 und im Januar 2009 die Gaslieferungen durch ukrainische Gaspipelines eingestellt. Die Energie Waldeck-Frankenberg lieferte im Jahr 2012 861,4 Millionen Kilowattstunden Erdgas an ihre Kunden (17?999 Erdgaszähler). Die EWF hat ihr Erdgasnetz in den vergangenen Jahren ausgebaut. 2003 war es noch 636 Kilometer lang, zehn Jahre später 785 Kilometer. (r)

Korbach. Die Gasspeicher sind gut gefüllt, vergleichsweise warme Wintermonate haben die Situation entspannt: 2013 war die Witterung zunächst ungewöhnlich kühl, endete dann aber in einem außerordentlich milden Winter. „Manche Stimmen behaupten ja, der Winter 2013/2014 sei komplett ausgefallen“, sagt EWF-Vertriebsleiter Heinz Garthe. Zahlen für 2013 liegen noch nicht vor, die Witterung schlägt sich aber generell deutlich auf den Verbrauch nieder. Im Vergleich zum Jahr 2011 erhöhte sich laut Garthe 2012 der Erdgasverbrauch der EWF-Kunden um durchschnittlich 8,4 Prozent aufgrund der ungewöhnlich kühlen Witterung. Die Lieferverträge der EWF ließen es aber zu, in ungewöhnlich warmen Wintern geringere Erdgasmengen zu beziehen und auch deutlich höhere Mengen, wenn die Wintermonate außergewöhnlich frostig sein sollten, sagte der Vertriebsleiter.(lb)

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