Kobacher Hallenbad: Weitere Hiobsbotschaften am Beckenrand

Kein Platz für kühne Kopfsprünge

Korbach - Wer hat‘s verbockt, wer muss für die Schäden haften? Im juristischen Freistilrennen ums Hallenbad ist der Ausgang ungewiss. Ziel des Parlaments: Wiedereröffnung so früh wie möglich.

Das Thema „Hallenbad“ ist für Parlamentarier aller politischen Farben in der Hansestadt längst zum Spießrutenlauf geworden. „Was macht ihr da eigentlich?“, heißt die bohrende Frage immer wieder bei Begegnungen auf der Straße. Und oft stehen die Stadtverordneten selber ratlos da.

Helmut Schmidt (SPD) berichtete am Mittwochabend im Finanzausschuss des Parlaments einprägsam von solchen Gesprächen - und die Kollegen aller Fraktionen nickten gleichermaßen leidvoll.

Zumindest eine definitive Antwort konnte Stefan Schaller, Geschäftsführer des Korbacher Badbetreibers Energie Waldeck-Frankenberg (EWF), am Mittwochabend geben: Die Parlamentarier können derzeit in Sachen Hallenbad nichts, aber auch gar nichts ausrichten.

So sehr sich die Stadtverordneten auch bemühen, schnellere Wiedereröffnung, glimpflichen Ausgang für die Steuerzahler und Haftung der Schuldigen zu erreichen - Tempo und Ausgang der Hallenbaddebatte bestimmen Anwälte, Gutachter und das Kasseler Landgericht.

Auf eine weitere Ansage legte sich EWF-Chef Stefan Schaller vorm Finanzausschuss ebenfalls fest: Ziel bleibt, das Hallenbad im Herbst 2015 wieder fürs Publikum zu öffnen. Zuvor hofft er, dass die Gutachter in den laufenden gerichtlichen Beweissicherungsverfahren ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Es geht weiterhin um dieselben Fragen: Qualität der teils rostenden Edelstahlbecken, Fliesen und Wasserabläufe, mangelhafte Beckenbeleuchtung und vor allem um die Hygiene - also Technik und Installationen. Denn eine hohe Keimbelastung im Frischwasser der Duschräume hatte im April 2012 für das vorläufige Aus des für zehn Millionen Euro sanierten Hallenbads gesorgt. Und das nur einen Monat nach Wiedereröffnung.

Blauer Brief aus Wiesbaden

Abschließende Antworten auf die Mängelliste stehen weiterhin aus. Das Gericht hat manche Gutachter zwar benannt, aber die Expertisen liegen noch nicht vor. Ausnahme ist das Thema „Arbeitsschutz“. Der gerichtlich bestellte Gutachter kam bereits zum Ergebnis, ein weiterer Raum für die Schwimmmeister sei nicht erforderlich. Doch Badbetreiber EWF sieht das anders - und geht mit der Berufsgenossenschaft dagegen vor.

Seit Wochen hat sich an diesem Zwischenstand nichts geändert. In den Finanzausschuss kam die Hallenbaddebatte gestern trotzdem, weil das hessische Innenministerium Ende April einen warnenden Brief an EWF geschickt hatte. Nach zwei Wochen Fristverlängerung muss EWF bis 30. Mai mit einer Stellungnahme ans Ministerium darauf antworten.

Wiesbaden beruft sich auf einen Besuch des Landesrechnungshofs in Korbach, der laut Schaller festgestellt habe: Planung, Ausführung und Bauaufsicht bei der Sanierung des Hallenbads seien nicht fachgerecht (wir berichteten ausführlich).

Somit droht Gefahr, dass Korbach den Landeszuschuss von einer Million Euro beim Hallenbadbau zurückzahlen muss. EWF will dem im Einvernehmen mit der Stadt begegnen. „Wir gehen davon aus, dass das Bad nicht sach- und fachgerecht ausgeführt ist“, sagte Schaller, aber möglichst bis Herbst 2015 viele Mängel beseitigt werden könnten - „und damit der Förderzweck erreicht wird“.

Das hörte sich hoffnungsvoll an, wenngleich Schaller technisch eine weitere Hiobsbotschaft auf den Tisch brachte: Das Einmeterbrett und das Dreimeterbrett im Springerbecken lägen zu dicht beieinander. Nach Norm seien 2,20 Meter Abstand gefordert, tatsächlich aber seien es nur 1,97 Meter. Auch der Abstand des Dreimeterbretts zur Decke betrage nicht die geforderten fünf Meter, sondern nur 4,65 Meter. Allein aus Haftungsgründen werde EWF das Bad so nicht betreiben, erklärte Schaller.

Wettkämpfe fraglich

Fraglich ist laut Schaller ebenso, ob das Sportbecken nach dem Umbau überhaupt noch wettkampftauglich ist: „Wir haben eine Vermessung durchführen lassen. Das Ergebnis wollen Sie gar nicht wissen.“

Doch Schallers Erkenntnisse blieben im nicht öffentlichen Teil des Ausschusses nach WLZ-Informationen nicht unwidersprochen. Ein TÜV-Mitarbeiter habe den Sprungturm begutachtet, die Berufsgenossenschaft habe den Hallenbadbau stetig begleitet, hieß es. Zudem beziehe sich das Innenministerium in seinem Schreiben gar nicht auf Erkenntnisse des Landesrechnungshofs - sondern auf die von EWF beauftragten Gutachten. (jk)

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