Korbach:

Kein Sonderposten für Handel

- Korbach. Korbach will Einkaufszentren am Rand verhindern, die schädlich für die Innenstadt sein können. Ein Vorhaben auf dem Gelände des früheren Möbelhauses Kraushaar wird deshalb abgelehnt.

Weihnachten 2008 bereiteten niedersächsische Planer ein Überraschungsgeschenk im Rathaus: Bauantrag für mehrere Einzelhandelsmärkte stadtauswärts an der Flechtdorfer Straße. Dort möchte Volker Kraushaar sein Eigentum vermarkten. Seit 1994 verfolgt die Stadt jedoch eine Leitlinie, die zentrenschädlichen Einzelhandel an der Peripherie vermeiden soll. Für viele gewerbliche Flächen änderte die Stadt seither das Baurecht. Demnach sind am Rand etwa Bau-, Möbel- oder Teppichmärkte zulässig, nicht jedoch Modeläden oder Juweliere. In den vergangenen Jahren hat die Stadt zusätzlich eine „Korbacher Liste“ fixiert, die zugelassene Sortimente ausdrücklich benennt. Die Liste wurde erst im Januar 2011 aktualisiert. Ausgangspunkt war unter anderem der Vorstoß bei Kraushaar. Denn die Planer hatten offenbar ein Schlupfloch entdeckt: Für die Gewerbeflächen an der Flechtdorfer Straße galt die ausdrückliche Beschränkung bislang gar nicht. Um ein Einkaufszentrum dort zu verhindern, verhängte die Stadt eine „Veränderungssperre“. Die ist aber nicht dauerhaft gültig. Bis 2012 muss die Stadt also das Bebauungsrecht grundsätzlich dort neu ordnen. Am 18. August soll das Parlament einen entsprechenden Entwurf absegnen. Die Stadt geht gleich großräumig heran: Die Bebauungspläne 24 und 28 werden in einem neuen Bebauungsplan 57 zusammengeführt. Der reicht künftig links der Flechtdorfer Straße von der Einmündung des Ziegelhütter Wegs bis hinauf zum Fitness-Studio (Mühlwege) an der Umgehungsstraße. Auf dem gesamten Terrain sollen die Beschränkungen für Einzelhandel künftig gelten. Kraushaar legte unterdessen weitere Planungen vor. Im Sommer ging es konkret um einen Getränkemarkt (600 Quadratmeter), einen Aldi-Markt (800 Quadratmeter) und vor allem einen Elektrofachmarkt mit 2000 Quadratmetern. Doch nur der Getränkemarkt wäre nach „Korbacher Liste“ erlaubt. Der Parlamentsausschuss für Bauen und Umwelt stimmte dem Vorhaben der Stadt einhellig zu. „Wir reden über ein Plangebiet, in dem Auswüchse verhindert werden müssen“, erklärte Andreas Ruppert (CDU). Maik Hartwig (FWG) wunderte sich hingegen, dass Kraushaar zuletzt mit ganz neuen Plänen auf die Fraktionen zuging. Mehr in der WLZ-Zeitungsausgabe vom 12. August.

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