Hansestadt will an Flächen für „Nahversorger“ nicht rütteln

Kein Wanderzirkus der Supermärkte

+
Der Aldi-Markt am Mühlengraben in Korbach soll Ende Juni geschlossen werden.Fotos: Kleine

Korbach - Der Aldi-Markt am Mühlengraben wird im Sommer schließen. Derweil gibt es an der Wildunger Landstraße Pläne für einen neuen großen Lebensmittelmarkt in Korbach.

Die „Nahversorger“ stehen derzeit auf der politischen Agenda in der Hansestadt. Am Donnerstag berät das Parlament über eine aktualisierte Fassung des Korbacher Einzelhandelskonzepts.

Die Stadt will dabei an ihrer Leitlinie nicht rütteln: Stärkung der Innenstadt, keine Märkte an der Peripherie, die der Einkaufsmeile das Wasser abgraben. Korbach will damit Fehler vieler anderer deutscher Mittelzentren vermeiden.

Mehr Verkaufsfläche für Supermärkte möglich

Änderungen soll es aber für die „Nahversorger“ geben - also Lebensmittelmärkte und Discounter. Die reihen sich vor allem im Bogen ums Zentrum an den Wohnvierteln auf: ob Aldi am Südring, Edeka an der Stro-ther Straße, Lidl an der Arolser Landstraße, Delta an der Briloner Landstraße oder der Nahkauf-Markt an der Solinger Straße. Hinzu kommen Kaufland und Tegut in der Innenstadt.

Das Kaufkraft-Potenzial für Kunden aus Korbach und Umgebung ist insbesondere für Supermärkte und Discounter in der Hansestadt bestens bedient. Dies haben Einzelhandelsstudien für Korbach in den vergangenen Jahren wiederholt belegt.

Somit hat die Stadt die Standorte der Märkte weitgehend fixiert. Dies soll eine nahe Versorgung aller Wohngebiete sichern - und zugleich einen Wanderzirkus der Supermärkte vermeiden. Denn immer wieder buhlen Marktbetreiber um wechselnde Flächen in Korbach.

Auf dem verwaisten Gelände des früheren Möbelmarkts Kraushaar an der Flechtdorfer Straße ist ein neuer Discounter beispielsweise nicht erwünscht. Pläne für einen neuen Einzelhandel dort hat die Stadt deshalb 2011 baurechtlich unterbunden.

Aldi will Filiale am Mühlengraben schließen

Bei Aldi steht dieser Standort aber offenbar weiterhin hoch im Kurs. Das jedenfalls bekräftigt Clemens Kramer, Prokurist für den Immobiliensektor bei Aldi-Nord, auf WLZ-Anfrage.

Demnach wird Aldi eine von drei Filialen in Korbach zum 30. Juni schließen - den Markt am Mühlengraben gegenüber von MacDonald‘s. Zwei Standorte seien für Aldi ausreichend, um den nötigen Umsatz in Korbach zu erzielen, erklärt Kramer. Der Discount-Riese sei indes weiter interessiert, an einem attraktiven Standort einen neuen Markt zu eröffnen - beispielsweise auf dem Kraushaar-Gelände.

Markus Epple, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft „Markt und Standort“ (Erlangen), empfiehlt hingegen keinen Fahrplanwechsel für Supermärkte in Korbach. Stattdessen sollte die Hansestadt aber Chancen bieten, dass die Märkte an bestehenden Standorten erweitern können.

Bislang gilt baurechtlich eine Obergrenze von 800 Quadratmetern Verkaufsfläche für Nahversorger, künftig sollen bis 1200 Quadratmeter möglich sein - wenn es die Grundstücke baulich hergeben. Genau dies soll im Korbacher Einzelhandelskonzept geändert werden.

Demnach könnte Aldi etwa den Markt am Mühlengraben künftig erweitern, nicht aber an die Flechtdorfer Straße verlegen.

Optionen für einen weiteren Supermarkt in der Hansestadt bietet das Einzelhandelskonzept derweil an ganz anderer Stelle: An der Wildunger Landstraße, zwischen der Kreuzung Heerstraße und der Eisenbahnbrücke, darf die Gewerbefläche auch für einen zusätzlichen neuen Lebensmittelmarkt genutzt werden.

Ein Bauantrag für die Flächen an der Wildunger Landstraße läuft, eine Baugenehmigung gibt es bislang aber nicht, bestätigt einer der Grundbesitzer auf WLZ-Anfrage. Zur Debatte steht dort kein Discounter, sondern ein Lebensmittelmarkt mit hochwertigem „Vollsortiment“.

Neuer Lebensmittelmarkt nur mit Umzug der „Tafel“

„Für die Stadt ist aber wichtig, dass wir zunächst eine zufriedenstellende Lösung für die Korbacher Tafel finden“, betont Bürgermeister Klaus Friedrich. Denn die „Tafel“ an der Wildunger Landstraße als Anlaufpunkt für bedürftige Menschen müsste weichen, wenn dort ein Lebensmittelmarkt gebaut wird (wir berichteten). Somit sucht die „Tafel“ derzeit nach einer neuen Bleibe in der Hansestadt.

Ohne eine passende Lösung für die „Tafel“ will aber auch der Investor das Konzept nicht umsetzen, betont er. Verschiedene Möglichkeiten für die „Tafel“ würden derzeit geprüft - ob Neubau oder bestehende Gebäude.

Von Jörg Kleine

Kommentare