Erster Zwangsversteigerungstermin für Vabecker Hotel ohne Ergebnis

Kein Zuschlag

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Diemelsee-Vasbeck - Kein Interessent wollte gestern das geforderte Mindestgebot von 550 000 Euro für das leerstehende Hotel abgeben.

Das stattliche Hotel an der Marsberger Straße stand gestern im Korbacher Amtsgericht erstmals zur Zwangsversteigerung. Die hatte die Gemeinde beantragt, um offene Forderungen einzutreiben. Im Verhandlungssaal hatten zwar einige Zuschauer Platz genommen doch niemand wollte das Mindestgebot von 550 000 Euro abgeben. So stellte Rechtspfleger Wolfhard Jaensch das Verfahren „einstweilen ein“ - nach frühestens drei Monaten wird ein neuer Termin festgesetzt, voraussichtlich im September oder Oktober. Dann gibt es keine Wertgrenzen mehr.

Wechselhafte Geschichte

Der 1980 eröffnete und 1984 um einen Bettentrakt erweiterte Landgasthof „Westfalenblick“ war über Jahre ein florierender und gut ausgelasteter Betrieb. Doch dann ging es immer weiter bergab, mehrfach wechselten die Eigentümer und die Planungen. Davon zeugt noch die letzte Werbetafel: „Golf & Landhotel“ - nie war ein Golfspieler zu Gast in Vasbeck. 15 bis 20 Jahre standen die Gebäude leer. Seit einiger Zeit gibt es einen Bewohner, der offenbar Hausmeister-Funktionen wahrnimmt.

Im September vorigen Jahres sorgten Pläne eines möglichen Investors für Diskussionen, im ehemaligen Hotel bis zu 70 Asylbewerber unterzubringen. Der Ortsbeirat sprach sich gegen eine derart hohe Zahl aus. Seitdem war nichts weiter zu hören. Derzeitige Eigentümerin ist die Gesellschaft „Hotel Hessen Object Limited“, die im britischen Kenilworth sitzt, als Geschäftsführer ist der Niederländer Johan Van den Brand eingetragen. Er lässt sich durch einen Marsberger Anwalt vertreten - der wie Van den Brand am Termin gestern aber nicht teilnahm.

Die Gesellschaft hat einen Bad Arolser Immobilienmakler mit dem Verkauf beauftragt, er bietet das Anwesen für 345000 Euro an. Im Prospekt sind 24 Doppelzimmer, drei Seminarräume, Sauna, Schwimmbad und Kegelbahn angegeben.

Über Jahre haben die Eigentümer weder die Grundsteuer B noch andere Abgaben gezahlt, Versäumnis- und Mahngebühren schon gar nicht. Deshalb hatte die Gemeinde bereits am 6. Februar 2009 eine Zwangsversteigerung beantragt. Eine Gutachterin aus Reinhardshagen hatte im Auftrag des Amtsgerichts nach einer Besichtigung einen Verkehrswert von rund 1,1 Millionen Euro für die Gebäude und das 7300 Quadratmeter große Grundstück ermittelt - ohne das Inventar, das aber mit versteigert werden soll.

Sechs Jahre bis zum Termin

Doch es dauerte noch sechs Jahre bis zum ersten Versteigerungstermin gestern. Die Diemelseer haben die Kreisverwaltung als Vollstreckungsbehörde damit beauftragt, die Außenstände einzutreiben. Monika Spratte vom Fachdienst Finanzen bezifferte die Forderungen gestern auf rund 22 700 Euro.

Um 10.20 Uhr eröffnete der Rechtspfleger nach einigen Erläuterungen die „Bietungsstunde“. Das Mindestgebot in der ersten Runde muss laut Gesetz bei der Hälfte des Verkehrswerts liegen, also bei 550 000 Euro. Drei Minuten vor dem Ende der Frist gab Gemeindekämmerer André Horn ein Gebot über 10 000 Euro ab - als Privatmann, wie er betonte. Rechtspfleger Jaensch musste ihm aber den Zuschlag versagen, weil es „erheblich“ unter dem geforderten Mindestgebot liege.

Da die Gemeinde das Verfahren weiter betreibt, kommt es im Spätsommer wohl zum zweiten Termin, bei dem es keine Wertgrenzen mehr gibt. Das heißt: Die Gebote müssen wenigstens die Forderungen der Gemeinde und die Gerichtskosten abdecken, die derzeit bei etwa 7900 Euro liegen. Die 1,1 Millionen Euro teure Immobilie könnte also zum Bruchteil ihres Wertes den Eigentümer wechseln.

Das Verfahren könnte aber auch beendet werden, wenn die Gesellschafter doch noch ihrer Pflicht nachkommen - und ihre Schulden bei der Gemeinde und Verfahrenskosten begleichen.

Von Dr. Karl Schilling

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