Spanier absolvieren Praktikum in Upländer Hotels · Beteiligte sind vom Erfolg überzeugt

„Keine Zeit für Heimweh“

Willingen - „Alles gut.“ So einfach kann die Antwort auf die Frage sein, wie sich 21 Spanier bei ihrem Praktikum im Upland fühlen. Die jungen Menschen arbeiten derzeit in Hotels – und beginnen dort vielleicht schon bald ihre Ausbildung. Größtes Hindernis ist dabei die Sprache.

„Was ist Heimweh?“ Auch wenn James Samson Salgado eigentlich nach der Bedeutung des Wortes fragt, gibt er gleichzeitig die richtige Antwort. „Für Heimweh bleibt keine Zeit“, fügt Salgados Kollegin Ester Carrasco Manso an. Die 21 Spanier, die seit dem 22. Juli in acht Hotels in Willingen, Schwalefeld und Usseln für fünf Wochen als Praktikanten angestellt sind, fühlen sich im Upland wohl. Die jungen Menschen aus Madrid sind im Rahmen des Projektes „The job of my life“ in Deutschland, um hier dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und der hohen Jugendarbeitslosigkeit in ihrer Heimat zu entfliehen. Und das vorläufige Fazit aller Beteiligten – von Gemeinde über Agentur für Arbeit, IHK sowie Praktikanten und Gastronomen – fällt positiv aus. „Ich freue mich, dass es uns gerade hier gelungen ist, solch ein Projekt auf die Beine zu stellen“, sagt Bürgermeister Thomas Trachte. Für ihn könne dies nur der Anfang sein, das Programm solle möglicherweise auch mit anderen Nationen fortgeführt werden. Gerade in einer Region wie Willingen, die von Gastronomie geprägt sei, mache sich der Fachkräftemangel bemerkbar. Die Hoteliers selbst sind auch überzeugt von dem Projekt – trotz mancher sprachlicher Barrieren. „Das Ganze ist wie eine Geburt ohne Vorbereitungskurs. Sehr spannend und mit vielen Hürden, die aber alle zu meistern sind“, sagt zum Beispiel Stefanie Göbel. Auch den Hotelgästen gefällt die Zusammenarbeit, berichtet Katharina Höhle. „Sie sprechen langsamer mit unseren Praktikanten und bringen Geduld mit.“ Ihren spanischen Hilfskräften attestiert sie Fleiß, Engagement und viel Motivation. James Samson Salgado sieht es als große Chance, in Deutschland möglicherweise einen Beruf erlernen zu können und dabei auch eine neue Kultur zu entdecken. Willingen sei eine schöne Region, auch wenn am Mittwoch der erste nicht ganz so warme Tag gewesen sei. Neben der Arbeit in den Betrieben steht auch Deutschunterricht auf dem Programm. Und in der Sprache sieht Dirk Schmid von den Beruflichen Schulen Korbach und Bad Arolsen das größte Problem. Denn sollte es zur Ausbildung kommen, dann wären im Rahmen des Unterrichts nur alle zwei Wochen zwei Stunden Sprachhilfe möglich. Arbeiten und die Abschlussprüfung müssen in Deutsch geschrieben werden. Dennoch zeigen sich alle Beteiligten optimistisch, die Hindernisse zu überwinden. Die meisten der Spanier haben gar nicht erst einen Rückflug gebucht. Ihnen gefällt es hier. Und wie wichtig sie für die Betriebe in der Region sind, veranschaulichen die nackten Zahlen. Vor vier Jahren gab es zu Schulbeginn noch rund 120 Azubis in den Jobs Koch, Hotel- und Restaurantfachleute oder Hotelkaufmann an der Berufsschule. In diesem Jahr werden etwa 80 bis 90 erwartet, die spanischen Praktikanten bereits miteingerechnet. Und auch wenn diese die Stellen im Upland besetzen werden, wären dort weiterhin etwa 25 Ausbildungsplätze frei.

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