Korbach

100 Kilo Zinn und Blei klingen auf Cis

- Korbach (jk). Die Schweizer Baumeister hievten am Freitag die ersten mächtigen Pfeifen in den Prospekt der neuen Korbacher Kiliansorgel. Es entsteht ein Wunderwerk aus Material und Technik.

Gemächlich wie ein Chamäleon bewegt sich der einarmige Hubkran. Auf den Punkt steuert der Schreiner Fritz Maag die glänzende Röhre in ein kleines Holzloch an der Schauseite der Orgel. Christoph Jedele packt zunächst kräftig zu, um die Pfeife an den Haken des Krans zu bringen. Dann klettert er schnell die Leiter hinauf und sorgt dafür, dass die Pfeife millimetergenau an ihrem vorbestimmten Platz arretiert. Mit heller Beize und orangeroten Lamellen fügt sich die über neun Meter hohe Konstruktion der Orgel prachtvoll ein in Korbachs gotisches Wahrzeichen. Innen, in diesem Geflecht aus Eichenbalken und Fichtenholz, ist Thomas Bernhard im wahrsten Sinne der Strippenzieher. Der Orgelbauer der Schweizer Firma Kuhn hat sich auf Elektrik und Elektronik spezialisiert. Mit Kippschaltern, Kabeln, Ventilen, Elektromagneten und Hunderten von Metern schmaler Hölzchen (Abstrakte) bewerkstelligt Bernhard, dass die Töne über die Traktur auch so erklingen, wie es der Organist am Spieltisch wünscht, wenn er die Register zieht. Am Nachmittag machen sich derweil Orgelkonstrukteur Jedele und Maag daran, einen richtig schweren Brocken in Positur zu bringen: Über fünf Meter lang und 100 Kilo schwer ist die Pfeife, die am Freitag in den Prospekt kommt – die zweitgrößte der neuen Orgel. Ein Blech aus 80 Prozent Zinn, dazu Blei, ein wenig Kupfer, Wismut und Antimon sind die metallene Rezeptur der Schweizer, die das Material in Handarbeit zu einer Orgelpfeife verlötet haben. Am Abend strömen dann rund 100 Besucher in den Kilian zur öffentlichen Besichtigung. Jedele und Stadtkantor Eberhard Jung erklären viel Wissenswertes über die Orgel. Tenorsänger Thomas Schwill liest pfiffig aus einem fiktiven Brief der Pfeifen an die Korbacher. Es gibt viel Applaus. Gut sollen es die Klangkörper haben in Korbach – und weiterhin reichlich Spenden.

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