Im Fürstenberger Hort werden seit 75 Jahren Kinder behütet groß · Fest am Sonntag

Ein Kindergarten schreibt Geschichte

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Der Fürstenberger Kindergarten, der seit 75 Jahren besteht, vereint die Generationen des Dorfes. Ronja (vorn) zeigt ein Foto aus den ersten Jahren, in denen die Kinder im Kindergarten noch auf Flechtpritschen ihren Mittagsschlaf hielten.

Lichtenfels-Fürstenberg - Der Kindergarten in Fürstenberg ist ein Hort der Sicherheit und Förderung für Mädchen und Jungen - und das seit bereits 75 Jahren. Generationen wurden dort behütet. Sie feiern das am kommenden Sonntag.

Im ehemaligen Schulhaus ist er untergebracht, der Fürstenberger Kindergarten. Im selben Gebäude sind auch Bücherei und Tiermuseum zu finden, außerdem eine Wohnung. Deren Räume aber werden bald dem Kindergarten zugeschlagen, damit die rund 20 Mädchen und Jungen im Alter von zwei bis sechs Jahren etwas mehr Platz in dem Fachwerkgebäude haben. Jeden Wochentag von 7.30 bis 13.30 Uhr betreuen Kindergartenleiterin Maren Schwarz, Gruppenleiterin Ulrike Krosse und die Integrationskraft Evelyn Rupprath die Kleinen, die dann den Nachmittag zu Hause verbringen.

Mittag auf Flechtpritschen

Vor 75 Jahren hatte der Kindergarten andere Öffnungszeiten. Als der Hort 1937 in Fürstenberg eröffnet wurde, war Ganztagsbetreuung gefragt, erinnert sich Gerda Oberlies, geb. Keufer. Sie gehörte zusammen mit Anne Eierdanz geb. Schöneweiß, und Frieda Lamm, geb. Brützel, zu den ersten Kindern, die den Hort besuchten, später folgten auch Willi Iske und Ernst Zarges. Schon sie wurden zunächst in Räumen des Schulhauses betreut; als später aber alle Räume für die Schüler gebraucht wurden, zog der Kindergarten ins ehemalige Armenhaus in der Ringstraße um, erklärt Anne Eierdanz.

Im Schulhaus hatten die Kinder einen großen Raum, in dem sie spielten und erzogen wurden, aber auch Mittagsschlaf hielten: „Um 12 Uhr gingen wir nach Haus zum Essen, um 13 Uhr mussten wir zum Mittagsschlaf wieder im Kindergarten sein“, weiß Gerda Oberlies noch genau: „Die Mittagspause hatte die Erzieherin dazu genutzt, kleine Liegen in dem Zimmer aufzustellen, auf denen wir dann geschlafen haben. Damit wir keinen Unsinn machten, mussten wir uns immer versetzt hinlegen, so dass wir nie Kopf an Kopf lagen“. Kissen und Decken brachten die Kinder jeden Montag von zu Hause mit, auch Himbeersaft und Brot gab es von Daheim aus mit in den Hort.

Behütet wurden die Kinder von Hilde Hinterwäller, die alle Tante Hilde nannten, ab 1947 schließlich von Schwester Magda Obst, die in Schlesien ein Kinderheim geleitet hatte und nach dem Krieg mit den Kindern in den Westen geflohen war. „Sie war die Mutter Theresa von Fürstenberg, half auch bei Geburten und der Pflege von Alten“, erinnern sich Willi Iske und Fritz Zarges“. Helene Valentin, Inge Pohlmann, Heidi Kister, Bärbel Oberlies waren weitere Erzieherinnen. Seit 2001 leitet Maren Schwarz den Kindergarten.

Haus eint Generationen

Auch Kinder und Enkel, sogar Urenkel der ersten Kindergarten-Generation sind mit dem Hort verbunden. „Unsere Erinnerungen an den Kindergarten sind positiv, und unsere Eltern waren froh, dass wir gut aufgehoben waren“, sagt Frieda Lamm. Seit 2005 gibt es einen Förderverein mit mehr als 100 Mitgliedern, die sich für den Erhalt der Einrichtung stark machen, unter anderem haben sie das Außengelände verschönert. Alle, die sich mit dem Kindergarten verbunden fühlen, sind zum Fest am Sonntag (siehe Stichwort) eingeladen.

Hintergrund

Das 75-jährige Bestehen des Fürstenberger Kindergartens wird am Sonntag, 30. September, gebührend gefeiert: In der Igelstadthalle beginnt um 14 Uhr ein Festgottesdienst mit Erntedank. Anschließend werden Grußworte gesprochen, es gibt musikalische Darbietungen sowie Spiel und Spaß für Kinder. Kaffee und Kuchen werden gereicht. Alle Bürger und Gäste sind zu dem Fest eingeladen. (md)

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