Korbach/Brilon

Kinderpornografie: Ex-Vikar verurteilt

- Brilon/Korbach (tc). Die Strafe sei ein Warnschuss, betont der Briloner Richter Eberhard Fisch, in seiner Urteilsverkündung. Zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 20 000 Euro wurde ein ehemaliger Vikar der Briloner Propsteikirche am Donnerstag verurteilt. Ihm wurde der Besitz und Handel mit kinderpornografischen Fotos, Filmen und Schriften nachgewiesen.

Im Juli 2009 hatte der Angeklagte seine neue Stelle als Vikar im Korbacher Pastoralverbund angetreten, seine Wohnung in der Kreisstadt bereits bezogen. Zur offiziellen, feierlichen Einführung des Geistlichen in St. Marien war es schließlich nicht mehr gekommen. Denn die Polizei war dem Geistlichen auf die Schliche gekommen, bevor er seinen Dienst in Korbach richtig hatte antreten können. Doch bereits während seines Studiums in Paderborn hatte der junge Mann ein Praktikum in der Korbacher Gemeinde absolviert.

Nun wurde der Ex-Vikar verurteilt: Die Hände gefaltet, der Blick ist nach unten gesenkt. Nein, angenehm war dem Geistlichen die Situation definitiv nicht. Selbst wollte der 33-Jährige keine Stellung zu den Vorwürfen nehmen. Dafür ging Staatsanwältin Ruland ins Detail und offenbarte die widerlichen Details, die sich hinter der nüchternen Anklageschrift verbargen. 650 Fotos plus 14 Filmdateien fanden sich auf den zwei Laptops des Angeklagten. 38 dieser Dateien wurden nachweislich an andere Nutzer verschickt. Sie zeigten sexuelle Handlungen gegen Kinder unter 13 Jahren. Unrühmlicher Höhepunkt war eine 26-minütige Filmdatei, die einen Erwachsenen beim Analverkehr mit einem vierjährigen Jungen zeigten. „Wer solche Videos sieht, kann erahnen, was diese Kinder durchmachen mussten. Sie sind psychisch ihr Leben lang geschädigt“, sagte die Staatsanwältin.

Neben den gefundenen Fotos, wurden auch mehr als 17 000 Reste von gelöschten Dateien gefunden, die selbst von den IT-Spezialisten der Staatsanwalt nicht rekonstruiert werden konnten. „Sie wurden professionell geschreddert, ich habe keine Ahnung, wie er das gemacht hat“, sagt die Staatsanwältin verwundert. Neben den Dateien wurden auch Chatprotokolle des Angeklagten ausgewertet, in denen er sich mit anderen Nutzern über das Thema unterhielt. Bevor die Staatsanwaltschaft ins Detail ging, legte die Verteidigung Einspruch ein.

Über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr war der Angeklagte in der inzwischen eingestellten Tauschbörse „Hello“ unter dem Pseudonym „Phili1988“ unterwegs. Dort tauschte er mit anderen Nutzern Bilder und Filme mit kinderpornografischen Inhalten aus. Erst als das Landeskriminalamt Bayern im Rahmen der Operation „Landfield“ einen Nutzer der Tauschbörse festnahm, kam man dem damaligen Vikar auf die Spur. Anhand der IP-Adresse wurde der Rechner des Vikars im Pfarrheim Brilon eindeutig identifiziert. Mit den Vorwürfen konfrontiert, zeigte sich der Vikar schnell geständig und kooperativ. „Leugnen hätte angesichts der bedrückenden Beweislast auch keinen Sinn gemacht“, hielt ihm die Staatsanwältin entgegen.

Inzwischen hat sich der Vikar in psychologische Behandlung begeben. In seinen letzten Worten vor der Urteilsverkündung betonte er: „Ich will die Taten nicht schmälern. Ich stehe dazu und übernehme die Verantwortung. Das Internet war eine Verführung für mich. Es hatte eine suchtähnliche Qualität“, erklärte der Angeklagte.

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