Adorf: Faszinierende Vielfalt, überwältigender Sound in der Dansenberghalle

Klassik, Jazz, Rock und ein Wiegenlied

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Diemelsee-Adorf - Bei seinem Auftritt in der Dansenberghalle ließ das Bundespolizeiorchester Hannover keine Stilrichtung links liegen und überzeugte in allen Bereichen.

Ob zünftiger Marsch, Operettenzauber, Sinfonische Blasmusik, Jazz-Standard, Filmhit, Rock-Klassiker oder zuguterletzt noch ein Schlaflied - mit ihrem Konzert für einen guten Zweck hinterließen die Polizeimusiker einen nachhaltigen Eindruck in Adorf.

Erste Glanzlichter setzten die jubilierenden Klarinetten beim zünftigen Marine-Marsch "Gruß an Kiel" und Johann Strauß‘ Schnellpolka "Leichtes Blut".

Bürgermeister und Schirmherr Volker Becker dankte dem Orchester und allen, die am Auftritt ihren Anteil hatten, und übergab ein "Flachgeschenk" an Oberst a. D. Damm für die Aktion für Behinderte Menschen in Waldeck-Frankenberg. Auch die Einnahmen von den rund 200 zahlenden Besuchern an diesem Abend kommen der guten Sache zugute.

Mit Becken und Pauke

Nach der Begrüßung sprach für lange Zeit nur noch die Musik oder Conferencier Dirk Hillebold, der die Werke und ihre Komponisten vorstellte. Etwa Stephen Melillos, auf dessen Konto nicht nur etliche Film-partituren und Werke für Sinfonisches Blasorchester gehen, sondern auch Soundtracks für Computerspiele. Bei "Art of the State", dem ersten Satz von "Millenium", hatten die Klarinetten das erste Wort, im weiteren Verlauf der vielschichtigen und dynamisch anspruchsvollen Komposition für Sinfonisches Blasorchester konnten sich alle Instrumente von ihrer besten Seite zeigen bis zum dramatischen Beckenschlag mit anschließendem Paukenwirbel auf dem Kulminationspunkt von "By love inviolate", das mit einem sanften Duett zwischen Oboe und Fagott ausklang.

Nach so viel Drama konnten sich die Zuhörer erst einmal im Weißen Rössl zurücklehnen und die bekannten Melodien mitsummen. Matthias Höfert dirigierte die Operettenhits als kleine Suite mit einem kühnen Sprung durch die Stile. So ertönte "Die ganze Welt ist himmelblau" in einer Swing-Fassung, "Es muss was Wunderbares sein" als Bossa Nova und der "schöne Sigismund" im Technicolor-Sound des Peter-Alexander-Films von 1962. Besonders einprägsam geriet auch der düster durchdringende Signalhornklang in Malcolm Arnolds sinfonischer Dichtung für Blasorchester um den Leuchtturm von Padstone in Cornwall.

Gitarrist lässt es krachen

Mit ganz großer Klassik und einem Stück, das viele Zuhörer irgendwie anders kannten, eröffnete das Bundespolizeiorchester die zweite Hälfte. Tatsächlich hatte Peter Tschaikowsky die russische Zarenhymne nicht nur in 1812 verwendet, sondern auch im Krönungsmarsch für Zar Alexander den Dritten. Schon lange nicht mehr oder noch nie in voller Länge gehört hatten die meisten der Zuhörer in der Dansenberghalle die Titelmelodie zu Hawaii 5-0, die zu Beginn der neuen Folgen auf ganz wenige Takte zusammengeschrumpft ist. Dank sattem Sound und einem ausgiebigen Gitarrensolo von Matthias Romans geriet die Klangwelle zum ersten Höhepunkt der zweiten Hälfte. In der Fassung für großes Blasorchester kam "Rock you like a Hurricane" ebenso überwältigend daher, nicht nur wegen des Gitarrensolos, bei dem es Matthias Romans noch einmal richtig krachen ließ.

Zwei Jazz-Klassiker fanden zwischen diesen gewaltigen Klangwogen Platz: Sidney Bechets "Petite Fleur" in einem Rumba-Arrangement mit Solo-klarinette von Frank Konrad, und "Puttin‘ on the Ritz" von Irving Berlin, vom Orchester mit kollektivem Fingerschnipsen eröffnet. Das Arrangement von Arnd Scherf bot für Trompeter Walter Potner und Tubist Rainer Wagner die ideale Gelegenheit, als Solisten zu glänzen.

Ganz großes Kino für alle Instrumente bot "Music" von John Miles, doch mit dem offiziellen Ende war noch lange nicht Schluss, zumal die Musiker mit ihrer inspirierten Version von "In the Mood" (in Anlehnung an das Bert-Kaempfert-Arrangement) nicht nur die ganz Großen, sondern die dritte Zugabe geradezu herausgefordert hatten.

Selig-süßer Ausklang

Und so blies (zunächst) eine einzelne Trompete "Guten Abend, gute Nacht" zum Zapfenstreich, ehe das gesamte Ensemble einstimmte und mit Brahms Wiegenlied als harmonischem Ruhekissen den Abend auf dem Dansenberg, sanft, selig und süß ausklingen ließ. (ahi)

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