Waldeckischer Geschichtsverein

Dr. Klaus Wendt gibt Vorsitz ab

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Die Liebe zu Bücher führte Dr. Klaus Wendt zur Geschichte – nach sieben Jahren als Vorsitzender des Waldeckischen Geschichtsvereins zieht sich der Korbacher morgen aus dem Vorstand zurück.Foto: -sg-

Korbach - Nach sieben Jahren als Vorsitzender des Waldeckischen Geschichtsvereins nimmt Dr. Klaus Wendt Sonntag seinen Abschied.

„Es war eine schöne Zeit“, sagt er. „Ich bin froh und stolz, den Verein geführt zu haben.“ Aber nun werde es Zeit, das Amt in jüngere Hände zu legen: Bei der Jahrestagung morgen in Nieder-Werbe stellt sich der 65-Jährige nicht wieder zur Wahl, das hat er bereits vor zwei Jahren angekündigt.

Er scheidet mit einem Lächeln: „Ich hatte viele positive Erlebnisse“, betont er. Gerade bei den Festabenden zur Präsentation neuer Ortssippenbücher habe er „viele nette Mitbürger“ kennengelernt, „das war einfach toll“. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählt er das Kolloquium über die zwangsverordnete Bildung der Landeskirche Kurhessen-Waldeck 1934, die Gedenkfeiern zum 150. Geburtstag des Helser Chirurgen Prof. August Bier, den Festakt zur 100. Ausgabe der Waldeckischen Geschichtsblätter und das ereignisreiche Jahr über die Freigrafschaft Düdinghausen, die 1663 zwischen Waldeck und Köln geteilt worden war.

„Da steckt viel Arbeit drin“

Zum Teil seien diese Jubiläen zwei Jahre lang vorbereitet worden, „da steckt viel Arbeit drin“, betont Dr. Wendt. Aber dadurch seien auch viele enge Kontakte entstanden, etwa zu Horst Frese aus Düdinghausen. Und auch ein Kenner der waldeckischen Geschichte wie Dr. Wendt hat da noch Neues gelernt.

Zur Geschichte kam der gebürtige Wittgensteiner „über meine Liebe zu Büchern“. Für die interessiert er sich schon seit Jugendzeiten - die Bücherei des Jugendheims lag gleich nebenan. Kurz nachdem er 1982 seine Arbeit im Korbacher Kreishaus aufgenommen hatte, lernte er über die Bücher den großen Korbacher Heimatforscher Wilhelm Hellwig kennen. „Er holte mich in den Geschichtsverein“ berichtet Dr. Wendt.

Der Jurist begann, Bücher zur Geschichte Waldecks und der Nachbargebiete ringsum zu sammeln. Fündig wurde er auch bei Flohmärkten und Haushaltsauflösungen, so manch altes Schätzchen wanderte in seine umfangreiche Bibliothek.

Um wertvolle Bände restaurieren zu können, ließ er sich vom Korbacher Buchbindermeister Fritz Bangert in dessen Handwerkskunst einführen. Bis heute übt er sie als Hobby aus.

Heute stehen in seinen Regalen alle Dorf- und Stadtchroniken aus Waldeck-Frankenberg, Werke zur Landesgeschichte und alle greifbaren historischen Bücher aus den angrenzenden Gebieten des einstigen Fürstentums - von Wittgenstein über Westfalen bis Hessen. Über die Werke lernte er die Geschichte Waldecks näher kennen.

Seit 2006 im Vorstand

Im Geschichtsverein übernahm er 2006 erstmals Verantwortung: Der damalige Vorsitzende Dr. Günter Welteke sprach ihn wegen eines Vorstandspostens an - der ehemalige Landrat kannte Dr. Wendt aus dem Kreishaus. Im September wurde er zu Dr. Weltekes Stellvertreter gewählt. Und als der Vorsitzende 2008 in Korbach mit 75 Jahren aufhörte, trat Dr. Wendt die Nachfolge an. Bei seinem Amtsantritt hatte er sich sieben Punkte vorgenommen, die meisten sind umgesetzt:

Die Internet-Seiten des Vereins seien fortentwickelt worden, so wurden dort auch Vorträge eingepflegt worden.

Die Geschäftsstelle in Bad Arolsen sei modernisiert worden. Hatte zunächst Dr. Hannelore Wendt viel mitgearbeitet, engagiert sich inzwischen Heinrich Paul als Geschäftsführer.

Um die Jugendarbeit zu verstärken, habe der Verein die Bezirksgruppen unterstützt, so loben die Korbacher einen Geschichtswettbewerb für Schüler aus. Auch die Lehrer Dr. Marion Lilienthal und Johannes Grötecke von der Alten Landesschule in Korbach arbeiten mit dem Verein zusammen.

Die Kontakte zu Nachbarvereinen seien vertieft und ausgebaut worden, ob zum westfälischen Heimatbund, zu den Volkmarsern oder zu den hessischen Nachbarn von Kassel bis Frankenberg. „Es gab eine Fülle an Gesprächen“, betont er. „Das läuft ganz toll.“ Stolz sei er, das die Kontakte zu den Bad Pyrmonter Geschichtsfreunden reaktiviert seien und sich verfestigt hätten. Zur neuen Vorsitzenden Willeke habe er „ein ausgesprochen enges Verhältnis“. Nicht gelungen sei, das Durchschnittsalter des Vereins von „60 plus“ zu senken. „Alle Versuche - auch in meiner Zeit - sind wieder versandet.“ Aber es gelte, es immer wieder versuchen, mahnte Dr. Wendt. Generell wachse erst im Alter das Interesse an der Geschichte, etwa ab 50 Jahren, schätzt er. Dann beschäftigten sich Leute mit ihrer Familiengeschichte, mit der Vergangenheit ihres Dorfes und eben mit der Historie Waldecks.

Als Aufgaben des Geschichtsvereins mit seinen derzeit 1375 Mitgliedern sieht er, das historische Bewusstsein zu bewahren und die Erforschung der waldeckischen Geschichte zu fördern. Da hat der Verein auch in seiner Amtszeit einiges aufzuweisen. Neben den jährlichen Geschichtsblättern hat er zehn Ortssippenbücher, zwei Historische Hefte und sechs Bände Waldeckische Forschungen und fünf Chroniken herausgegeben.

„Fehler vermeiden“

Was kann Geschichte bewirken? Da wird er vorsichtig: „Das Erkennen von Entwicklungen in der Vergangenheit hilft vielleicht, Fehler in der Zukunft zu vermeiden“, sagt er. Auch wenn es in der Praxis anders aussieht: „Wir müssen ständig daran arbeiten, dass es so ist.“

Als Vorsitzender sei er auch ein Bindeglied zur Schriftleitung und ein Mittler, „wenn was schiefläuft“. Er sei zwei Vormittage oder Nachmittage in der Woche beschäftigt gewesen, berichtet er. „Jetzt trete ich zurück ins Glied.“ Dem Verein bleibt er aber weiter verbunden, an Vorträgen und Fahrten will er auch künftig teilnehmen.

Der Vorstand hat sich über einen neuen Vorsitzenden bereits Gedanken gemacht, der Chef der Bad Wildunger Bezirksgruppe und Geschäftsführer des Gesamtvereins, Heinrich Paul, will Sonntag kandidieren.

Seinem potentiellen Nachfolger gibt Dr. Wendt zwei Dinge mit den Weg: Er solle „immer ein offenes Ohr für die Belange der Vereinsmitglieder haben“, und er solle „als Teamplayer spielen“, rät er. „Sonst muss er seinen Weg selbst finden.“

Zur Person

Klaus Wendt kam 1950 in Bad Laasphe im Wittgensteiner Land zur Welt. Nach dem Abitur studierte er in Marburg Rechtswissenschaften. Das Referendariat absolvierte er beim Land Hessen. Nach dem zweiten Staatsexamen bekam Wendt 1978 eine Stelle als wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Hartmut Maurer am Lehrstuhl für Öffentliches Recht. Er wechselte mit ihm von in Konstanz. In dieser vierjährigen Zeit am Bodensee promoviert er über das Aufsichtsrecht an Hochschulen. 1982 kam der Jurist als hessischer Landesbeamter nach Korbach, im Kreishaus übernahm er die Leitung der staatlichen Abteilung. Er arbeitete mit vier Landräten zusammen. Nach dem Mauerfall 1989 unterstützte Wendt den neuen Partnerkreis Weimar, 1992 leitete er für ein Vierteljahr eine Abteilung des thüringischen Umweltministeriums in Erfurt. Zurück in Korbach heiratete Dr. Wendt 1994 zum zweiten Mal, seine Frau Hannelore war bis Ende 2011 Leiterin des Fachdienstes Gesundheit. Zum 1. Oktober 2007 trat der Verwaltungsdirektor die Passivphase der Altersteilzeit an.

Von Dr. Karl Schilling

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