Herzpatienten mit implantiertem Defibrillator treffen sich zum offenen Austausch

Ein kleiner Krankenwagen am Herzen

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Gemeinsam stärker und besser informiert: Der Diemelseer Gert Steier (rechts) gründete vor einem Jahr die „Defigruppe Korbach“. Die Teilnehmer des Freundeskreises freuen sich über das Gespräch über gemeinsame Erfahrungen.Foto: Dennis Schmidt

Korbach - Erst kam der Schock, dann die Hilflosigkeit: Menschen mit implantiertem Defibrillator haben es nach der Operation am Herzen nicht leicht. In der Selbsthilfegruppe finden sie Halt und Austausch.

Ein Jahr ist es inzwischen her, dass Gert Steier aus Diemelsee die „Defigruppe Korbach“ ins Leben gerufen hat. Er war nach mehreren Bypässen zusammengebrochen, bekam schließlich den Defibrillator implantiert. Seitdem sorgt dieser dafür, dass bei einer möglichen Störung des Herzens Impulse ausgegeben werden, die lebensrettend sein können.

Das Gerät, das gerade einmal die Größe einer Schnupftabakdose hat, wird implantiert und funktioniert wartungsfrei. „Wir müssen jedes halbe Jahr zur Untersuchung, die Batterie soll fünf bis sieben Jahre lang halten“, erklärt Steier. Doch viel mehr Wissen im Umgang mit dem Gerät gaben die Ärzte ihm nicht mit auf den Weg.

Steier sprach nach einem Vortrag im Korbacher Krankenhaus Oberarzt Dr. Serguei Korboukov an und bat um Rat. „Ich war vollkommen hilflos“, erinnert er sich an die erste Phase, nachdem ihm sein „Defi“ ein-gesetzt worden war.

Die Fragen, die aufkamen, waren breit gestreut: Was unternehmen, wenn der „Defi“ tief aus dem Innern piept? Wie steht es um die körperliche Belastbarkeit? Kann man weiterhin alle elektrischen Geräte problemlos benutzen? Steier wollte sich austauschen, nicht aufgeben. Also gründete er die Selbsthilfegruppe, die bisher locker organisiert ist und sowohl Patienten als auch Angehörigen offen steht.

Mehrere Treffen hat der Organisator bisher festgelegt, jedes Mal kommen zwischen zwölf und 15 Betroffene und Interessierte. „Besonders gut besucht sind die Vorträge“, hat Steier beobachtet.

„Dabei ist besonders der Austausch mit anderen wichtig“, wünscht sich Ralf Steffen, der seit März dabei ist, noch mehr regelmäßige Teilnehmer. Unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Erfahrungen und ganz eigenen Vorstellungen treffen in der Gruppe einmal im Monat aufeinander - und lernen voneinander, geben sich Mut, rütteln wach, spenden Trost, wenn es sein muss.

„Wir haben unseren ganz eigenen Krankenwagen immer dabei“, flachst Steffen und zaubert ein kleines Lächeln auf das Gesicht der Teilnehmerin, die sich vor großen Fragen und Problemen sieht.

Von der Medizin sind sie trotzdem eher enttäuscht. Entweder die Hausärzte kennen sich nicht genug aus oder sie können die Patienten nicht vernünftig aufklären, so die Erfahrung der Gruppenmitglieder. Also helfen sie sich selbständig, einmal im Monat beim Gruppentreffen.

Die Defi-Selbsthilfegruppe

Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Herzinsuffizienz: Was sich schrecklich anhört, ist dank moderner Medizin wieder in den Griff zu bekommen. Nach einem Eingriff, bei dem ein Defibrillator, der im Notfall Stromimpulse von sich gibt, können die Patienten langsam wieder am normalen Leben teilnehmen. Der Alltag wird mit einem „Defi“ nicht schlechter, er wird anders. Die Einschränkungen fallen bei den Mitgliedern der Gruppe unterschiedlich aus. Zu Besprechungen darüber treffen sie sich jeden letzten Dienstag im Monat um 17 Uhr im Korbacher Krankenhaus (3. Stock, Versammlungszimmer). Die Treffen dauern rund eine Stunde. Jeder Patient und auch deren Angehörige sind eingeladen, an den Gruppenterminen teilzunehmen. Informationen gibt es im Vorhinein bei Gruppenleiter Gert Steier, entweder telefonisch unter 05633/5868 oder per ?E-Mail: koenigsteier@t-online.de.(den)

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