Nach schwerer Verletzung in Willinger Lokal startet Verfahren gegen 19-jährigen Sicherheitsmann

Von der Kneipe ins Krankenhaus

Korbach/Willingen - Dass er bei der Schlichtung einer „Rangelei“ und beim darauf folgenden Rausschmiss etwas grob war, gab ein 19-jähriger Sicherheitsmann aus dem Kreis Höxter zu - es sei eben nicht gelungen, die Streithähne zu beruhigen.

Den am Korbacher Amtsgericht erhobenen Vorwurf, dass er am 26. Oktober 2013 vor einem Willinger Lokal einen 23-Jährigen aus Burgholzhausen so schwer verletzt habe, dass dieser ins Krankenhaus musste, bestritt er allerdings. Der Südhesse erlitt einen sechs Zentimeter langen Blasenriss: Nach einer Notoperation verbrachte er zweieinhalb Tage auf der Intensivstation. Ihm bleibt eine Narbe vom Solarplexus bis zum Schambein.

Der Verletzte war mit Freunden unterwegs, hatte sie aber vor dem Abstieg vom Ettelsberg verloren, schilderte er: In der Schenke am Fuß des Berges entdeckte er sie wieder - im Streit mit anderen Gästen, deren Bier sie wohl versehentlich verschüttet hatten. Nach Versuchen, schlichtend einzugreifen, fand er sich erst auf dem Boden und dann vor dem Betrieb wieder - alkoholbedingt wies sein Gedächtnis große Lücken auf, auch den Angeklagten hätte er nicht wiedererkannt. An die plötzliche Verletzung erinnere er sich hingegen: „Ich und der Sicherheitsmann haben uns Auge in Auge gegenübergestanden, dann hatte ich Schmerzen im Unterleib und mir blieb die Luft weg“.

Eine Gruppe von Zeugen hatte ein klareres Bild der Ereignisse: Einer 49-jährigen Coesfelderin zufolge sei der Angeklagte, nachdem er den 23-jährigen vor die Tür gesetzt habe, zunächst gegangen: „Dann kam er wieder raus, packte ihn an den Schultern und trat ihm mit voller Wucht in den Unterleib.“ Das Opfer sei umhergewandert und letztlich bewusstlos auf den Boden gefallen. Ihre Begleiter und eine unbekannte Arzthelferin kümmerten sich um ihn und riefen den Notarzt.

Der Angeklagte erklärte, den 23-Jährigen niemals frontal getreten zu haben, sondern ihn lediglich mit Kniestößen gegen das Becken hinaus bugsiert zu haben. Als er später gesehen habe, dass er verletzt sei, habe er ihm sogar geholfen und ihn in die stabile Seitenlage gebracht. Zumindest teilweise bestätigte dies eine Mitarbeiterin des Lokals: Er habe die Arme des Opfers hochgehalten, um die Atemnot zu lindern.

Die Coesfelder Zeugen erinnerten sich an keine Hilfsversuche von Seiten des Wachmanns - ganz im Gegenteil habe er daneben gestanden und gelächelt. „Als ich ihn fragte, ob er wirklich so heftig hätte vorgehen müssen, verwies er auf das Hausrecht und die ‚große Klappe‘ des Opfers“, erklärte ein 53-Jähriger.

Die behandelnden Ärzte und weitere Zeugen sollen am zweiten Prozesstag klären, wie es zu der Verletzung des 23-Jährigen kam.(wf)

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