Festlicher Kommers beim Freischießen

Könige stiften neue Kette für die Schützen – Bildergalerie

Wirmighausen - Feierlich haben die Wirmighäuser Schützen am Samstagabend ihre Gäste begrüßt. Beim Festkommers in der Wirmetalhalle stellte Schützenkönig Paul-Günter Kurpiers außerdem die neue Königskette vor.

Die Überraschung kam zum Schluss: Nach dem gemeinsamen Waldecker Lied geht es üblicherweise mit dem gemütlichen Teil weiter, doch Paul-Günter Kurpier hatte am Samstagabend noch ein besonderes Geschenk zum 325-jährigen Bestehen des Schützenvereins parat: Der amtierende und die ehemaligen Könige überreichten dem Vereinsvorstand eine neue Königskette. Denn zehn Kleinodien hängen mittlerweile an der alten Kette, die damit ziemlich schwer geworden ist. Das erste Kleinod stiftete 1840 das Waldeckische Fürstenhaus den Wirmighäusern. Und auch danach lief nicht alles nach Protokoll ab: Kurpiers bat alle früheren Hofdamen auf die Tanzfläche, um erstmals beim Eröffnungstanz mit dabei zu sein. Darüber hinaus bot der Abend viel Unterhaltung: Mit zackigen Märschen sorgte der Musikverein Volkmarsen unter der Leitung von Markus Kremper schnell für Stimmung. Aber die Musikanten von der Kugelsburg hatten noch mehr drauf und boten ein Udo-Jürgens-Medley und Abba-Hits. Das schwedische Quartett hatte auch der Frauenchor Wirmighausen im Repertoire, mit der eingedeutschten Version „Danke für die Lieder“. „Jetzt kommen die lustigen Tage“, sang verheißungsvoll der Männergesangverein. Beide Chöre gemeinsam mit ihrem Dirigenten Mario Kurpiers boten noch die „Klänge der Freude“. Den meisten Applaus sahnten aber die Tänzer der Landjugend ab: Sie zauberten Opernball-Atmosphäre mit dem Kaiserwalzer in die Wirmetalhalle und ließen beim modernen Volkstanz „Scotland the brave“ die Röcke fliegen. Das Fest habe eine unverwechselbare Atmosphäre und führe Menschen aller Gesellschaftsschichten zusammen, begrüßte Bürgermeister Volker Becker die Gäste: „Die Schützen erweisen sich als Säule des Gemeinwesens.“Pfarrer Ingo Frank stellte seine Liste mit den zehn schönsten Wörtern vor, die sich aus „Wirmighausen“ bilden lassen und mit dem Schützenfest zusammenhängen. Darunter etwa „rasen“, weil die Zeit so schnell vergehe, oder „Gehirn“, weil es vieles zu planen und zu bedenken gebe. Die Liste führte „Wir“ an: Denn beim Schützenfest werde Gemeinschaft großgeschrieben.Ortsvorsteher Hartmut Bangert bezeichnete das Fest als eine „angenehme Herausforderung“, die viel Solidarität erleben lasse. So ein Fest sei nur in einer intakten Dorfgemeinschaft wie in Wirmighausen möglich, sagte Jagdpächter Dieter Tepel aus. In der Nacht folgte der feierliche Große Zapfenstreich.

Bunt, prächtig und viel zu schnell wieder vorbei: Der historische Festzug am Sonntag ist der Höhepunkt des Wirmighäuser Schützenfestes. „Die Augen geradeaus!“ Die letzten Kommandos hallen bei der Aufstellung „Am Wasser“ über die Straße, dann setzt sich der Festzug pünktlich um 13.30 Uhr in Bewegung. Die Straßen im Dorf sind zu dieser Zeit schon längst voll mit vielen Hundert Zuschauern. Die historischen Kostüme, schicken Kleider, Musikkapellen und herausgeputzten Pferde will sich keiner entgehen lassen. Und auch Wirmighausen selbst ist auf Hochglanz gewienert: Birken, Fahnen, bunte Bänder und mühsam aus Tannenzweigen gewickelte Girlanden schmücken den Ort. Die Königskutsche führt den langen Lindwurm an, aus ihr grüßt das Königspaar Birgit und Paul-Günter Kurpiers die Menschenmengen an den Straßenrändern. Neben den Königspaaren und Kompanien aus Adorf, Flechtdorf und Rhenegge sind auch die Mühlhäuser dabei und tummeln sich mit Marketenderinnen, Musketieren und vielen anderen historischen Figuren im Festzug.Knapp eineinhalb Stunden marschieren die Schützen an diesem Sonntag durchs Dorf, Ziel ist der Sportplatz vor der Wirmetalhalle, wo er mit der Königsparade seinen würdigen Abschluss findet. Dort begrüßt Vorsitzender Klaus-Heinrich von Hagen die Festgäste. „Lassen Sie sich gefangen nehmen vom Wirmighäuser Schützengeist“, ruft er auf – ein Appell, dem die Besucher gerne folgen. Der Schützenverein biete ein Stück Heimat und Lebensqualität, nach der sich die Menschen sehnten. Nach Parade und Ehrenrunde in der Kutsche ist auch alles schon wieder vorbei – viel zu schnell für fünf Jahre Warten. Von Lutz Benseler

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