Zwei Männer sollen in Willinger Lokal Polizisten geschlagen und getreten haben

Körperverletzung, Alkohol und Filmriss

Korbach/Willingen - 2,68 und 2,1 Promille: So hoch war der Alkoholwert bei zwei Männern aus dem Raum Kassel, die im vergangenen Juni in Willingen unterwegs waren. Das allein ist noch nicht strafbar, allerdings soll es gegen 20 Uhr auf der Toilette eines Lokals zu einer gemeinschaftlichen Körperverletzung gekommen sein.

Das Opfer trat bei der Verhandlung vor dem Korbacher Amtsgericht auch als Nebenkläger auf - ein 43 Jahre alter Polizeibeamter. Dass es eine Auseinandersetzung zwischen den dreien gegeben hatte, war klar. Wer aber wie daran beteiligt war, das musste erst noch geklärt werden.

Und dazu konnte der 23-jährige Angeklagte - kurz nach der Tat mit 2,68 Promille im Blut - nicht viel beitragen: „Ich würde gerne Angaben zu dem Vorfall machen, aber ich kann überhaupt nichts sagen.“ Der Alkohol hatte bei ihm Spuren hinterlassen. Einzig, dass ihn Männer in Lederjacken aus dem Lokal gebracht hätten und draußen kurze Zeit später die Polizei eintraf, wusste er noch. Doch die Entschuldigung an den Geschädigten gab es vorab: „Wenn es so war, dann tut mir das leid.“

Was wirklich geschehen war, dazu konnten vor allem der zweite Angeklagte und der Geschädigte beitragen, wobei sich die Versionen leicht unterschieden. Der Geschädigte gab an, dass der 23-Jährige mit der Putzfrau diskutiert habe und dabei aggressiv aufgetreten sei. Als der Polizist sagte, er solle die Frau in Ruhe lassen, habe der Angeklagte ihm ins Gesicht geschlagen. Dann sei er von der Seite zu Boden gedrückt worden und habe mehrere Schläge und Tritte einstecken müssen. Von wem diese genau kamen, konnte er nicht sagen, dass der zweite Angeklagte ihn aber Richtung Boden drückte, da war sich der Geschädigte sicher.

Ein Arzt dokumentierte später eine Wunde über dem Auge, Prellungen und Schürfwunden. Nach der Auseinandersetzung sei er leicht benommen gewesen. Da die zwei Angreifer aber noch im Lokal saßen, sagte er seinem Freund und dem Sicherheitsdienst Bescheid - was dann auch die Männer in den Lederjacken erklärt.

Den Vorfall hatte der zweite Angeklagte etwas anders in Erinnerung. Er sei auf der Toilette in einer Kabine gewesen und habe Gepolter gehört. Im Toilettenbereich habe der Geschädigte auf seinem Mitspieler - beide waren mit einem Fußballverein unterwegs - gesessen. Er wollte schlichten und den Polizisten vom Angeklagten wegziehen. „Ich wollte nie jemanden schlagen und habe auch gesagt, dass wir nur zum Feiern hier sind.“

Dass der 24-Jährige schlichtend eingreifen wollte, das bestätigte auch die Putzfrau, die die Auseinandersetzung mitverfolgte. Ob er dabei auf den Geschädigten eingeschlagen hat, konnte sie nicht sagen. „Ich meine, er hätte einmal zugeschlagen, aber es muss nicht so gewesen sein“, erklärte die Frau. Weitere Zeugen konnten nur wenig zur Aufklärung des Falles beitragen, da sie die Auseinandersetzung nur am Rande mitbekommen hatten.

Und so gingen dann auch die Forderungen von Staatsanwaltschaft und der Verteidiger auseinander. Die Staatsanwaltschaft beantragte für den 23-Jährigen eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung und eine Geldstrafe von 1000 Euro. „Sie haben sich, wenn Sie Alkohol trinken, nicht im Griff“, lautete der Vorwurf in Richtung des Angeklagten. Das bestätigen auch vorherige Verurteilungen wegen Körperverletzung, wofür es immer Geldstrafen gab. Für den 24-jährigen Angeklagten forderte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe. Dem schloss sich die Nebenklage an.

Die Verteidiger sahen das anders. Wegen der hohen Mengen an Alkohol hoffte der Anwalt des 23-Jährigen auf eine Geldstrafe. Der Verteidiger des 24-Jährigen forderte Freispruch, da eine Körperverletzung durch seinen Mandanten nicht hätte bewiesen werden können.

Freispruch und Verurteilung

Zumindest Letzteres sah der Vorsitzende Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling auch so - der 24-Jährige wurde freigesprochen. Der 23-Jährige erhielt acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Zudem muss er 800 Euro Schmerzensgeld zahlen. Der Verurteilte versprach, keinen Alkohol mehr trinken zu wollen, weil er sich dann nicht unter Kontrolle habe. Das hatte er bei einer vorherigen Verhandlung wohl aber auch schon so gesagt.(tt)

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