Alexa Hennig von Lange liest vor überwiegend weiblichem Publikum aus Roman „Je länger, je lieber“

Ein Kompass als Wegweiser zur Liebe

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Bestens aufgelegt präsentierte sich die Erfolgsautorin und vierfache Mutter Alexa Hennig von Lange bei der Lesung in der Stadtbücherei.

Korbach - Regelrecht begeistert war Alexa Hennig von Lange bei ihrem ersten Besuch in Korbach von der Schönheit der Hansestadt. Auch sonst gab sich die Autorin in der Stadtbücherei bestens aufgelegt.

Neben der von der Buchhandlung Schreiber präsentierten Lesung aus ihrem unlängst erschienenen Roman „Je länger, je lieber“ lieferte Alexa Hennig von Lange ihre Autorenbiographie ab - und damit gewissermaßen live und spontan die Fortsetzung zu ihren autobiographischen Romanen.

Mit ihrem hedonistischen Debüt „Relax“ hatte die einstige Pop-Literatin Mitte der 90er-Jahre für Furore in der Szene und pikierte Reaktionen in der Nachbarschaft gesorgt. Denn die ersten Figuren der unbedarft drauflosschreibenden Jungautorin waren in ihren Büchern mit Klarnamen erschienen - und auch Nachbarn, über die nicht immer nur gut geredet wird, erwiesen sich als unangenehm überraschte Leser.

Das klassische Autoren-Startprogramm mit Verwertung der eigenen Biographie hat die Mutter von vier Kindern, die, nach dem Ausfall des Babysitters, im Anschluss an die Lesung sofort die Rückreise antreten musste, inzwischen hinter sich gelassen. Nach einer Phase der „Mauser“ ist es ihr gelungen, ihre Erzählstimme der frühen Jahre in die traditionellen Erzählformen zu übertragen.

Reizvolle Kontraste

Vom persönlichen Klang konnte sich das überwiegend weibliche Publikum bei der Lesung aus „Je länger, je lieber“ überzeugen. Denn der vorgestellte Anfang aus dem Doppelliebesroman bietet ein reizvolles Kontrastprogramm aus turbulenter Gegenwarts- und Eifersuchtshandlung um die Galeristin „Mimi“ Bachmann und ihre Großmutter Clara. Die weit zurück liegende und immer noch nachwirkende erste Liebesgeschichte um die damals dreizehnjährige Clara erzählt Alexa Hennig von Lange in einem eher gemächlich-elegischen Tempo. Für die Handlung bedient sie sich auch sprachlicher Bilder, die in jene Epoche passen, aber in der Gegenwartsliteratur kaum noch Anwendung finden.

Mit dem Tag, an dem das Leiden seinen Anfang nahm, beginnt der Roman im Spätsommer 1928 im spanischen Cadaqués. Die blonde Clara, die sich im vierten Sommer ihrer Ausbildung zur Kunstmalerin befindet, will zum ersten Mal und in aller Heimlichkeit in Öl malen, während der Meister mit seiner Familie außer Haus ist. „Mal mir einen Engel“, fordert Daria, die Tochter des Meisters ihre Freundin auf. Daraufhin entsteht jenes Bild vom schwarzgelockten Engel, das immer noch in „Walblütenhain“ hängt, jenem Haus, das Clara zum Museum ihrer Kindheit umgestaltet hat.

Die immer wiederkehrenden Herzprobleme ihrer Großmutter sind nur die halbe Sorge der in der Kunstszene aktiven Powerfrau Miriam Bachmann: Ehemann René geht nicht ans Handy und reagiert nicht auf E-Mails. Die Gründe dafür werden am nächsten Tag offenbar, als Mimi, die eigentlich seinen Smoking aus der Reinigung abholen will, ihren Mann im Vorbeifahren beim Griff an die Brust seiner Begleiterin überrascht. „So endete also eine Liebe. Ganz banal. Auf einer Haupteinkaufsstraße. In der klebrigen Nachmittagshitze. Zwischen Touristen. Im Stau. Ohne viele Worte.“

Als sich René bei der Aussprache daheim vollkommen uneinsichtig zeigt und anscheinend mehr Wert auf seinen sofort benötigten Smoking als auf die Rettung der Ehe legt, stellt Mimi alles infrage. Und nachdem bei ihrer Großmutter ein gebrochenes Herz diagnostiziert wurde, macht sich Mimi mit dem Kompass, den Jacques einst seiner Clara geschenkt hatte, bevor er familiäre Schulden abheiraten musste, auf die Suche nach der Liebe des Lebens ihrer Großmutter und erfährt dabei auch viel über sich selbst ...

Gang zu den Wurzeln

Die literarische Verwertung der eigenen Biographie gehört zwar der Vergangenheit an, der Bezug zur eigenen Familie ist bei „Je länger, je lieber“ trotzdem nicht abgerissen, auch wenn dieses Mal keine Mutter-Tochter-Beziehung thematisiert wird. Anstoß zu diesem durch und durch romantischen Buch gab trotzdem ein lange unbekanntes, aber bezeichnendes Kapitel aus der Familiengeschichte: Ihre Großmutter mütterlicherseits hatte die Gefühle in den von ihrem in Gefangenschaft befindlichen Mann geschriebenen Briefen nicht ernst genommen und ihrem Gatten nur das Schlimmste unterstellt, obwohl „jede Zeile von einer wundervollen Zugeneigtheit“ getragen wurde.

Das von Simone de Beauvoir geprägte Männerbild der Mutter habe auch bei ihr selbst zu einem von Misstrauen dominierten Verhältnis zu Männern geführt. Bis aus eigener Erfahrung die Einsicht erwachsen sei, dass sich Frauen und Männer ohne Konzepte annähern könnten. Inzwischen sei sie frei, die „Unschuld im anderen zu sehen“.

Die Arbeit an „Je länger, je lieber“ sei auch ein Gang zu den Wurzeln eigenen Verhaltens gewesen, aber sie habe immer gute Laune, wenn sie gerade einen Liebesroman schreibe, erklärte die Schriftstellerin. Da ihr Mann ebenfalls Autor ist, herrsche oft doppelter Abgabedruck im Haus. Bei den Jugendbüchern sorgen auch vier Kinder für die notwendige Nähe zum Thema, die Älteste fungiert als erste kritische Prüfinstanz.

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